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Thema: Polonium-210

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    Polonium-210

    Auf der US-Webseite www.legacy.library.ucsf.edu, auf der amerikanische
    Tabakkonzerne ihre Dokumente veroeffentlichen muessen, fand ich ueber 1000 Hinweise zum Stichwort Polonium.

    Seit 1900 ist der Themenkreis Polonium-Tabak-Krebs bekannt. 1930 wird er wieder aufgegriffen. Dann wieder Ende der 50ziger. In den 60er Jahren gibt es vielzaehlige Untersuchungen, in welchen Tabak's weltweit Polonium vorkommt.

    Paracelsus schrieb ueber die 'Joachimsthaler Lungenkrankheit'. Danach wurde sie als 'Schneeberger Lungenkrankheit' beruehmt beruechtigt - Wismuth AG.
    (Uranium-Radon-Polonium 210-Blei)

    "Kumpeltod" hiess der Schnaps, der in Sachsen an Bergkumpels extrem billig verteilt wurde.

    Was und wie in den Labors von Dayton (Ohio) mit Polonium experimentiert wurde, um den Trigger fuer die A-Bombe zu basteln ... weder in der deutschen noch englischen wikipedia wird unter Dayton auf das Dayton-Projekt hingewiesen.
    Fast alle Gebaeude wurden stillschweigend entsorgt und ein Mantel des Schweigens verdeckt die historischen Details der Giftmischerei.

    Ich find es sehr eigenartig, wie wenig wir bisher ueber Polonium wussten, obwohl es in Fachkreisen seit Madame Curie bestens bekannt ist.

    Wie auch immer der alpha-Strahler in den Koerper Litwinenkos gekommen ist, wir muessen uns bei dem Umstand bedanken, da dadurch der Polonium-Bewusstseinsmangel beseitigt wurde.

    Nach dem WK II fing die Menscheit an, den Planeten nach Uranium-Vorkommen aufzugraben - die Miner-Industrie errang sicherheitspolitische Bedeutung. Seitdem kriecht Polonium mehr und mehr aus seinem unterirdischen Grab in natuerliche Kreislaeufe von Luft, Wasser und Nahrung.

    Ein Gramm kann 100 Millionen Menschen toeten.

    Nicht, dass ich gesund ins Grab will, aber womit und wie ich wegtrete, will ich schon wissen - wenn's andere wissen.

    (Als ich die alten Dokumente der Tabakindustrie las, fiel mir eine Beoabachtung ein, die ich beim Ansehen von Filmen aus den 20iger Jahren machte: Ich sah einige Gesten von Schauspielern, die - fuer das damalige Publikum nicht wahrnehmbar - darauf hinwiesen, dass sie sich mit Koks auskannten. Dass das inzwischen Millionen von Zuschauern durchschauen, war denen damals nicht klar. Was die Dokumente der Tabakindustrie ueber Polonium beweisen, war den Autoren damals ebenfalls nicht klar - eine gezielte Verschweigung aller diesbezueglichen Informationen gegenueber der Oeffentlichkeit.)

    Gruss,
    Polon-ius

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    Gift historisch

    Herkunft, Eigenschaften und Wirkung von Po 210 sind derzeit hinreichend beschrieben. Ueberall wo es Pechblende gibt, gibt es Uranium, das ein Gas freisetzt namens Radon, worin sich ein Radium F – seit Curie Polonium – befindet.

    Man kann diese Nano-Stoffe per Nahrung oder per Atmung zu sich nehmen. Der Magen hat einen Ausgang, die Lunge nicht. Die IAEA untersucht die Meere dieser Welt auf Polonium, die deutsche Strahlenschutzkommission hat Werte für Trinkwasser erstellt.

    Mit dem Siegeszug des Bergbaus setzen wir neue Vergiftungsquellen frei.
    Wie das Zeug in die Tabakpflanzen kommt? Natuerlich aus der Erde oder durch Duenger eingebracht?

    Gift? „Gift ist das perfideste Mittel, einen Menschen zu toeten. Es ist nicht sicht- und schwer nachweisbar. Zur Effizienz der Giftgabe gehoert es, die Prophylaxe zu verunmoeglichen.“

    Zum Einstieg erstmal eine ohne Systematik zusammengestellte

    „Kurze Geschichte des Gifts“

    Attalos III. (171-133 v. Chr.), Koenig von Pergamon zuechtet im eigenen Garten Schierling und blauen Eisenhut, um Gefaehrten seiner Vorgaenger zu meucheln.

    Mithridates VI. (132-63 v. Chr.), Koenig von Pontus fuerchtet sich so sehr, vergiftet zu werden, dass er sich durch Einnahme von Gegengiften immunisieren (Mithridatisation) will. Das klappt so gut, dass er beim Versuch scheitert, sich mit Gift das Leben zu nehmen.

    Marcus Antonius benutzt in Rom Vorkoster/Praegustatoren – Kleopatra am Nil.
    In Rom wird der Borgiapapst Alexander VI. vergiftet.

    Der Arzt Paracelsus schreibt im 16. Jahrhundert. "Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift, allein die Dosis macht es, dass ein Ding kein Gift ist." (Sola dosis facit veneum)

    Der Arzt Dioskorides notiert im 1. Jahrhundert nach: "Die Vorbeugung gegen Gifte ist so schwierig, weil jene, die sie heimlich verabreichen, dies so geschickt anstellen, dass selbst die Erfahrensten getäuscht werden. Indem sie suesse Stoffe hinzufügen, nehmen sie dem Gift die Bitterkeit, schlechten Geruch decken sie durch Duftmittel."

    Bis 1838 war Arsen toxikologisch nicht nachweisbar. Das Schaedlingsbekaempfungsmittel "Mäusebutter" bzw. "Ratzenkraut" wurde auch Erbschaftspulver genannt. "Mord von zarter Hand" nennt der Volksmund beschoenigend den weiblichen Gifteinsatz. (Mythos: Medea toetet Rivalin Kreusa, indem sie deren Hochzeitskleid mit die Haut entzuendenden Pflanzengiften kontaminiert. Historischer Prototyp ist die bei Tacitus erwaehnte Giftmischerin Lucusta, die selbst zur Moerderin avancierte - und ihr Know-how an Agrippina weitergab. Die ruehrte dem roemischen Kaiser Claudius blauen Eisenhut in eine Speise.)

    Gasangriffe im Ersten Weltkrieg

    1920 schreibt der Berliner Toxikologe Louis Lewin das Standardwerk: "Die Gifte der Weltgeschichte"

    Ab 1922 ist ein Geheimlabor des KGB mit der Herstellung nicht nachweisbarer Gifte betraut. Laborchef war Grigorij Mairanowskij.

    Deutsche morden mit Zyklon B in den Vernichtungslagern

    Amerikaner setzen massenhaft Herbizide in Vietnam ein

    1978 toetet Ricin ( aus der Christuspalme gewonnen) per Regenschirm den Bulgaren Georgij Markow. Britische Ärzte und Kriminalisten stehen damals vor einem Raetsel. Es wird erst 1994 durch den uebergelaufenen KGB-General Oleg Kalugin geloest.

    Nervenkampfstoff VX in Saddam Husseins Krieg gegen die Kurden

    Aum-Sekte fuehrt mit dem Nervengas Sarin Anschlag auf Tokios U-Bahn aus.

    2002 kommt es zum „lebensrettend gemeinten“ Giftgaseinsatz bei der Geiselnahme im Moskauer Musicaltheater. (Carfentynyl?)

    2006 betritt Polonium-210 als Strahlengift das Rampenlicht der Oeffentlichkeit.


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    Po-210 in Tabak; historisch

    Polonium in Zigaretten
    Müll in der Kippe
    Der US-amerikanische Wissenschaftshistoriker Robert Proctor über Polonium und andere Gifte in Zigaretten.
    Ein Interview von Andrian Kreye





    Proctor ist Professor an der Stanford University in Palo Alto und hat immer wieder in Gerichtsverhandlungen der amerikanischen Regierung gegen die Tabakindustrie ausgesagt. Sein Buch "Blitzkrieg gegen den Krebs" über die Gesundheitspolitik im Dritten Reich ist bei Klett-Cotta erschienen.

    SZ: Professor Proctor, Sie schreiben, dass man in Zigaretten Polonium-210 findet. Wie kommt das radioaktive Gift in den Tabak?

    Proctor: Wissenschaftler haben lange darüber gestritten, ob Radioaktivität im Zigarettenrauch von radioaktivem Niederschlag kommt, der auf die klebrigen Blätter fällt, oder ob sie von den Pflanzen auf natürlichem Wege aus der Radioaktivität des Bodens aufgenommen wird. Offenbar stimmt letzteres: Die Pflanzen nehmen mit ihren Wurzeln Zerfallsstoffen von Uran auf. Das ist zunächst radioaktives Blei, das sich dann zu Polonium-210 zersetzt, dem wichtigsten strahlenden Isotop im Zigarettenrauch.

    SZ: Ist die feststellbare Dosis in einer Zigarette von Belang?

    Proctor: Sie ist sicherlich klein - ungefähr 1,5 Millibecquerel pro Zigarette. Man nimmt also mit jeder Zigarette so viele Poloniumatome auf, dass im Durchschnitt alle 11 Minuten eines davon zerfällt. Deswegen ist es schwer zu sagen, welche Rolle Polonium-210 bei Krebserkrankungen spielt. Allerdings gehört das Radioisotop zu den stärksten Emissionsquellen von Alphastrahlung, das ist die bei weitem tödlichste Form von Strahlung, die man einatmen kann. Polonium hat eine Halbwertszeit von 138 Tagen, es ist also bei gleicher Menge mehrere tausend Mal so radioaktiv wie Radium, Uran und sogar Plutonium.

    SZ: Was für einen Effekt hat diese Form von Radioaktivität?

    Proctor: Man tut jedenfalls gut daran, Alphastrahlungsquellen nicht einzuatmen. Die setzen sich auf dem Lungengewebe fest und verstrahlen so über Jahre und Jahrzehnte die umliegenden Gewebe. So bekommen Uranminenarbeiter Lungenkrebs. Sie atmen Radonisotope ein, welche die Zellen der Lungenbläschen mutieren. Niemand weiß, wie viele genetische Schritte nötig sind, um Lungenkrebs auszulösen, aber Radioaktivität kann einige dieser Veränderungen vollenden. Studien, bei denen Nagetiere Polonium einatmen, haben gezeigt, dass solche Isotope alleine Lungenkrebs auslösen können.

    SZ: Wer hat das erkannt?

    Proctor: In den geheimen Archiven der Tabakindustrie finden sich schon in den 50er-Jahren Diskussionen über die radioaktiven Gefahren von Tabakrauch. Damals machte man sich allerdings noch um strahlendes Kalium Sorgen. Der Durchbruch kam aber 1964, als Edward Radford und Vilma Hunt von der Harvard University detaillierte Messungen des radioaktiven Poloniums im Tabakrauch veröffentlichten.

    Das brachte die Zeitschrift Science nur zwei Wochen nach dem Bericht des Gesundheitsministeriums heraus, der bestätigte, dass Rauchen Lungenkrebs auslöst. Viele Wissenschaftler dachten damals, Radioaktivität sei der Grund, warum Rauchen Menschen t*tet. Die Forscher der Tabakindustrie begannen eine ganze Reihe geheimer Untersuchungen, um herauszufinden, wie viel Polonium in Tabak ist und ob uranreiche Düngemittel dafür verantwortlich sein könnten.

    SZ: Dann wissen die Tabakfirmen schon seit Jahren davon?

    Proctor: Sie wissen seit Jahren davon und noch viel mehr. In den geheimen Archiven der Tabakindustrie gibt es hunderte von Untersuchungsberichten über Polonium. Andere Dokumente beschäftigen sich damit, ob Spezialfilter Polonium eliminieren können. Das waren frustrierende Untersuchungen, weil es in Wahrheit sehr schwer ist, ein Gift aus dem Tabakrauch zu entfernen, ohne ein anderes Gift zu vermehren. Wenn man den Teer entfernt, atmen die Menschen mehr Nikotin ein, das beim Verbrennen karzinogene Nitrosamine produziert.

    SZ: Gibt es nicht deswegen Zigaretten mit Filtern und niedrigem Nikotingehalt?

    Proctor: Filter sind ein Mythos. So etwas wie sauberen Rauch gibt es nicht. Sie beruhigen die Öffentlichkeit, obwohl die Zigaretten-Industrie seit den 30er-Jahren weiß, dass die Filterfunktion des Tabak selbst genauso gut ist, wie die des Zellulose-Azetats, das heute in Filtern verwendet wird.

    Deswegen fordern einige Antitabakaktivisten ja auch das Verbot von Filtern. Sie sparen der Industrie nur Geld und die Leute denken, sie rauchen gesünder. Das Gleiche gilt für "Light"-Zigaretten. Leute, die darauf umsteigen, neigen dazu, stärker zu ziehen oder mehr zu rauchen.

    SZ: Wie viele krebserregende Stoffe sind denn in einer Zigarette enthalten?

    Proctor: Im Zigarettenrauch sind Dutzende Karzinogene. Die wichtigsten sind Arsen, Benzopyrene, Nitrosamine und ein Hexengebräu aus polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, Aldehyden, Phenol und so weiter. Teer und Nikotin sind die wichtigsten Gifte.

    SZ: Sind das nicht nur Beistoffe?

    Proctor: Die durchschnittliche Zigarette enthält ungefähr zehn Milligramm Teer. Jedes Jahr werden 5,7 Billionen Zigaretten geraucht, mit denen man eine Kette von der Erde zur Sonne und zurück mit einem Umweg zum Mars bilden könnte. Das bedeutet, dass Raucher jedes Jahr ungefähr 57 Millionen Kilogramm Teer einatmen. Das ist genug, um 5700 Eisenbahnwaggons bis zum Rand mit jeweils zehn Tonnen Teer zu füllen.

    Oder nehmen Sie das Arsen - die durchschnittliche Zigarette enthält 0,2 Milligramm von diesem tödlichen Gift. Das heißt, dass Raucher jedes Jahr weltweit eine Million Kilogramm Arsen einatmen. Das Gleiche gilt für Zyanid, von dem Raucher jährlich auch ungefähr eine Million Kilogramm einatmen. Deswegen verwundert es einen nicht, dass Zigaretten die weltweit größte Ursache für vermeidbaren Tod sind. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Tabak bis zum Jahr 2020 jedes Jahr ungefähr zehn Millionen Menschen t*ten wird. Ein Drittel davon in China. Im 20. Jahrhundert haben Zigaretten rund 100 Millionen Menschen get*tet, und wenn sich nichts dramatisch ändert werden sie in diesem Jahrhundert rund eine Milliarde t*ten.

    SZ: Sie haben als Experte bei einigen Prozessen gegen die Tabakindustrie ausgesagt. Wie ausgeklügelt sind denn die Methoden, Informationen dieser Art zu verbergen?

    Proctor: Noch viel ausgeklügelter, als Sie sich das wahrscheinlich vorstellen. Ich werde normalerweise als Experte bestellt, der festzustellen hat, wer was wann wusste. Ich gebe also Gutachten ab, wann bestimmte Tabakgefahren in der wissenschaftlichen Gemeinde und in der Öffentlichkeit bekannt waren. Die Tabakindustrie gewinnt ja die meisten ihrer Fälle, weil sie behauptet, dass "jeder immer schon gewusst" habe, dass Rauchen schlecht für einen ist, deswegen hätten sich Raucher ihre Krankheit selbst zuzuschreiben. Raucher seien ja stets "ausreichend gewarnt" worden.

    SZ: Das scheint aber nicht gut zu funktionieren. Dass Zigaretten radioaktive Stoffe enthalten, ist auch heute noch kein Algemeinwissen.

    Proctor: Genauso wie kaum jemand weiß, was sonst noch für Müll im Tabak ist und was der im Körper bewirkt. Wie viele Leute wissen zum Beispiel, dass Tabak Blasen- und Brustkrebs verursachen kann? Wie viele wissen, dass Rauchen die führende Ursache für Erblindungen ist, oder dass Filter Weichmacher in den Lungen freisetzen? Wer wusste schon, dass Filter der Marke Kent Millionen Fasern von Crocidolite-Asbest enthielten?

    Die Tabakindustrie redet sich immer auf Allgemeinwissen heraus, dabei müssen wir eher allgemeines Unwissen konstatieren. Die Tabakindustrie hat die Realität dieser Leiden immer bestritten, oder verlangt, dass mehr geforscht wird. Das ist reine Ablenkungsforschung. Wir untersuchen in Stanford inzwischen, wie Unwissen hergestellt wird. Es ist eine Kunst - wir nennen sie Agnotologie.

    (SZ vom 5.12.2006)

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    Exkurs: Agnotologie

    Bevor ich selbst Stunden die Dokumente zu Polonium-Tabak sichte, hier ein Lehrstück in Agnotologie - dafür, wie vorhandenes Wissen relativiert und in Nicht-Wissen verwandelt wird. Aehnliche Leitfaeden fuer PyOps existieren bestimmt in vielen Kampagnen-Bueros.

    Die Verwandlung von Wissen - Manipulieren und desorientieren

    Die Tabakindustrie hat so elegant wie kein anderer Industriezweig vorgemacht, wie Risiken verharmlost werden. Verschleiern? Öffentliche Debatten steuern? Alles kein Problem!
    Von Hans von der Hagen

    Die Gefahren des Rauchens kennen die Tabakkonzerne seit Jahrzehnten. Trotzdem hat es die Industrie immer wieder verstanden, Rauchverbote zu verhindern und auch Nichtraucher bei Laune zu halten. Rauchen? Ist doch gemütlich!

    Den tiefen Einblick in die Unternehmenspolitik haben die großen Raucherprozesse in den USA möglich gemacht: Die Konzerne wurden verpflichtet, Interna über Produktion, Vermarktung und Erforschung ihrer Produkte ins Internet zu stellen.

    Und in den mittlerweile rund 45 Millionen Dokumenten lassen sich genügend Belege dafür finden, dass die Unternehmen nichts dem Zufall überlassen haben. Vielmehr nutzen sie das gesamte Instrumentarium zur Meinungsmache und Verschleierung von Fakten genutzt haben.

    Doch nicht allein die Tabakbranche verfolgt auf diese Weise ihre Interessen, auch andere haben dies getan. Etwa die Asbest- oder die Pharmaindustrie. Und nicht immer geht es darum, von der Gefährlichkeit des eigenen Produktes abzulenken. Nur: Gerade in solchen Fällen kann der Erfolg derartiger Strategien besonders fatal sein.

    Was geschieht nun, wenn Firmen merken, dass es ernst wird?

    Wir haben mit Experten gesprochen, die die Strategien der Großindustrie kennen und daraus verallgemeinernd einen fiktiven Leitfaden erstellt. Nicht als Handlungsempfehlung, sondern um den Verbrauchern das Geschehen hinter den Kulissen transparenter zu machen.

    Die Ausgangslage
    Sie sind Unternehmer und haben ein gut verkauftes Produkt,
    das die Gesundheit gefährdet. Vielleicht wussten Sie es ursprünglich nicht, vielleicht haben Sie es auch schon immer geahnt. Egal. Die Folgen sind die gleichen und Sie müssen nun das Schlimmste für sich verhindern: ein Verbot oder zumindest starke Einschränkungen beim Gebrauch des Produktes.


    Und das funktioniert so:

    1. Ein Unternehmen allein kann derartige Probleme oft nicht lösen. Tun Sie sich mit anderen zusammen. Eine Firma kann vielleicht lügen - aber doch nicht mehrere.

    2. Wenden Sie sich an Ihren Fachverband, sofern es einen gibt. Wenn nicht - gründen Sie ihn!

    3. Geben Sie das Problem in die Hände derer, die das Handwerk verstehen: Womöglich müssen Sie die Öffentlichkeit beruhigen und Werbekampagnen initiieren. In dem Fall schalten Sie schon früh eine PR-Agentur ein. Nicht irgendeine. Sie sollte sich mit Krisenkommunikation und Public Affairs auskennen. Public Affairs ist die interessantere Schwester der Public Relations: Sie kümmert sich um die großen Dinge, direkt an der Schnittstelle von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

    4. Suchen Sie sich eine renommierte Anwaltskanzlei. Auch hier achten Sie bitte bei der Auswahl auf das Stichwort Public Affairs. Denn das könnte bedeuten, dass die Kanzlei über gute Kontakte verfügt. Die werden Sie brauchen.

    5. Gibt es überzeugende Argumente gegen Ihre Produkte, müssen Sie Gegenmeinungen offerieren. Das machen Sie aber bitte nicht selbst, man wird es Ihnen nicht glauben. Sie brauchen eine Frontgruppe, die Ihre Interessen vertritt, aber nicht sofort mit Ihnen in Verbindung gebracht wird. Das könnte beispielsweise ein weiterer Industrieverband sein, der mittelbar mit Ihren Produkten zu tun hat.

    6. Die Gegenargumente liefern Sie selbst. Besser ist freilich, wenn Sie aus der Wissenschaft kommen. Darum: Finanzieren Sie Forschung. Der Staat macht es Ihnen einfach: Die öffentliche Hand zieht sich aus der Förderung von Forschungsprojekten stetig zurück. Sie springen dafür ein! Mit Drittmitteln! Das zieht immer.

    7. Sagen Sie den Wissenschaftlern, dass sie unabhängig forschen können. Keiner will abhängig sein. Doch wenn die vorab vorzulegenden Ergebnisse nicht Ihren Vorstellungen entsprechen, streichen Sie ihnen kurzerhand das Budget. Dann haben die Forscher ein Problem. Vor allem, wenn sie auf Basis der Drittmittel weitere Personen eingestellt haben, denen gegenüber sie nun verantwortlich - sprich: kostenpflichtig - sind. Merke: Unabhängig forschen bedeutet nicht unabhängig veröffentlichen!

    8. In internationalen Fachzeitschriften müssen Forscher bei Veröffentlichungen auf einen potenziellen „Conflict of Interest“ durch Drittfinanzierungen und Interessenbindungen hinweisen. Das ist nicht schön. Aber, Kopf hoch: In deutschen Publikationen ist dieser Hinweis nicht notwendig.

    9. Manchmal gibt es Forscher, die Ihnen das Leben partout schwer machen wollen. Da kann ein Schuss Unglaubwürdigkeit helfen. Wenn Sie keine offensichtlichen Schwächen erkennen, erfinden Sie welche. Vielleicht steht jemand etwas – links?

    10. Veranstalten Sie Kongresse in einem angenehmen Umfeld. Versuchen Sie, nicht als Sponsor in Erscheinung zu treten. Doch sorgen Sie dafür, dass Ihre Themen in Ihrem Sinne dort behandelt werden.

    11. Gründen Sie ein wissenschaftliches Institut. Natürlich wird es in Ihren Bereichen forschen, doch es sollte sich auch mit anderen Themen befassen. Das sieht einfach besser aus.

    12. Sorgen Sie für einen steten Strom an Publikationen, der die Debatte um das Produkt in Gang hält. Ganz wichtig: Sie müssen niemanden überzeugen. Sie müssen nur deutlich machen, dass die Bedenklichkeit eines Produktes oder Stoffes noch nicht feststeht.

    13. Irgendwann wird es womöglich hart auf hart kommen und Experten wollen für Inhaltsstoffe Ihres Produktes „Grenzwerte“ festlegen. Versuchen Sie, mit umfangreichem wissenschaftlichen Material den Mitgliedern solcher Kommissionen viel Arbeit zu machen und Verwirrung zu stiften. Das kann Grenzwerte verhindern, weniger streng ausfallen lassen oder hinauszögern. Denken Sie daran: Ein Grenzwert macht Ihr Leben schwer!

    14. Finden Sie Politiker, die Ihre Meinung vertreten und sorgen Sie dafür, dass Interessenvertreter bei neuen Gesetzesvorhaben als Experten angehört werden. Die Public-Affairs-Kräfte werden Ihnen dabei helfen.

    15. Gründen Sie eine Stiftung: Deren Name muss gutmenschlich und verbraucherfreundlich klingen. Achten Sie darauf, dass stets Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Dann kommen Sie mit Ihren Ideen leichter in die eiligen Medien.

    16. Wenn Sie Ihr Produkt bewerben, besetzen Sie es positiv – mit Stimmungen, nicht mit Fakten. Ein Tipp: „Freiheit“ und „Toleranz“ , „lässig“ und „cool“ wirken immer.

    17. Denken Sie euphemistisch: Hässliche Wörter lassen sich ersetzen. Beispiel: „Rauch“ klingt hart und dreckig, „schlechte Luft“ hingegen viel sanfter.

    18. Lassen Sie sich für Talk-Show-Auftritte ausbilden: Lernen Sie, sympathisch zu wirken und ernsthaft zu diskutieren.

    19. Fokussieren Sie in öffentlichen Diskussionen immer auf das soziale Miteinander - hier können Sie punkten. Meiden Sie das Gesundheitsthema! Sofern Patienten auftreten, deren Krankheit mit Ihren Produkten in Verbindung gesetzt werden, argumentieren Sie mit den furchtbaren Umweltbelastungen durch den Straßenverkehr. Eleganter können Sie quälenden Fragen nicht ausweichen.

    20. Und zu guter Letzt: Weisen Sie bei jeder Gelegenheit auf den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen hin. Dafür möchte niemand verantwortlich sein.

    19.12.2006 Quelle? Bitte googeln

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    Po-210 strahlend historisch

    Ein vorerst letztes Dokument zum historischen Rahmen. Hab ich aus 70 Seiten herausgeschnitten in Bezug auf Uranium-Radium-Radon-Polonium sowie Medizin und Schmuggel.

    79 AD First known use of uranium. Roman artisans produce yellow colored glass in mosaic mural near Naples.

    1400 AD Mysterious malady kills miners at an early age in mountains around Schneeberg (Saxony) and Joachimsthal (Jachymov) in the Sudetenland (now Czechoslovakia). Called "mountain sickness."

    1789 (Sept 24) Martin Klaproth announces his discovery of a new element, uranium.

    1798 Beryllium discovered by Fredrich Woehler (Germany) and A. A. Bussy (France).

    1824 Uranium described in Gmelin's Handbook. Much animal toxicity studies done thereafter.

    1839 M. Daguerre discovers photography which later becomes the basis for personnel dosimetry and discovery of radioactivity in uranium.

    1850 First commercial use of uranium in glass by Lloyd & Summerfield of Birmingham, England.

    1860 Uranium is first used in homeopathic medicine for treatment of diabetes.

    1861 Thallium discovered by Sir William Crookes (England).

    1879 Identification of the malady in Schneeberg mines as lung cancer. Thought to be lymphosarcomata, the causation remains murky.

    1895 Rutherford shows that "uranium emanation" has a spectral line of helium

    1896 (Mar 3) Becquerel demonstrates the radioactivity of uranium.

    1898 (Apr 12) Marie Sklodovska Curie announces the probable presence in pitchblende ores of a new element endowed with powerful radioactivity.

    1898 (July 13) Polonium isolated from pitchblende by Marie & Pierre Curie.

    1898 Becquerel receives skin burn from radium given to him by the Curies that he keeps in his vest pocket. He declares, "I love this radium but I have a grudge against it!"

    1899 Rutherford finds two kinds of radiation, which he names alpha and beta, emitted from radium.

    1900 Crookes shows that purified uranium has almost no radioactivity. He suggests that uranium was not the origin of the radiation but some impurity in the uranium.

    1900 Friedrich Ernst Dorn discovers radon (atomic number 86), a radioactive daughter of uranium.

    1902 Existence of radium verified by Curies by chemical methods; they obtain 0.1 g of pure radium from several tons of pitchblende.

    1904 Rutherford shows that alpha particles are helium atoms and works out the natural decay series.

    1904 Radon and daughters identified as part of the uranium series. Work with animals begins, especially in Russia and France.

    1905 (June 6) "Is it right to probe so deeply into Nature's secrets? The question must here be raised whether it will benefit mankind, or whether the knowledge will be harmful. Radium could be very dangerous in criminal hands. Alfred Nobel's discoveries are characteristic; powerful explosives can help men perform admirable tasks. They are also a means to terrible destruction in the hands of the great criminals who lead peoples to war..." Pierre Curie in his Nobel Prize Oration delayed from 1903.

    1905 Boltwood calls attention that lead is found with uranium and suggests that lead might be the end product of uranium.

    1910 Soddy establishes the existence of isotopes, nuclides with the same number of protons but different number of neutrons.

    1911 Marie Curie awarded the Nobel Prize for Chemistry for the separation of radium from pitchblende.

    1911-1912 Victor Hess (Austrian) takes balloon rides to measure radiation at heights up to 5000 meters. Discovers cosmic radiation which he names "Hoehenstrahlung" (high altitude rays.)

    1912 Arthritis patient dies because of Ra-226 injections.

    1915 (Aug) Robert Rich Sharp discovers the Shinkolobwe uranium deposit in the Congo. Mine averages 68% uranium; richest find in history and is on the surface.

    1920-1930s Much use of radon generators in hospitals for preparation of radon seeds.

    1921 Suggestion that radium and radium emanation might be causative agent in cancer in miners taken seriously but not proven.

    1923 (Jan 30) Szamatolski links dial painter injuries to radium.

    1926 (July) "Radium Treatment of Carcinoma of the Lower Lip" is published in Radiology, Vo. VII, No. 1.

    1926 (Oct) "Treatment of Lingual Cancer by Radiation" is published in Radiology, Vol. VII, No. 4.

    1929-1930 Fifty percent of miners dying at Joachimsthal have carcinoma of lung.

    1931 "Alpha particles are probably the most potent and destructive agent known to science"--Martland

    1934 (Jan 11) First artificially produced radionuclide (P-30 from aluminum bombarded with Polonium alpha particles) by Irene Curie and J. F. Joliot, Paris.

    1934 (July 4) Marie Curie (born Nov 7, 1867) dies in Sancellemoz, France. The disease is aplastic pernicious anemia of rapid, feverish development.

    1934-1939 Measurements begin on radium content of natural waters.

    1939 (March 16) Hitler annexes Czechoslovakia, richest known source of uranium.

    1939 (April) Uranverein ("uranium club") founded in Berlin to do work on uranium fission.

    1939 Igor Kurchatov alerts the USSR government of the military significance of nuclear fission.

    1939 Correct description of phenomena of nuclear fission by Meitner and Frisch (Germany).

    1940 (Nov 8) First contract is signed with Columbia University to develop bomb material.

    1940 George Flerov of the USSR discovers the spontaneous fission of uranium.

    1942 (Sept) The Manhattan Project is formed to secretly build the atomic bomb before the Germans.

    1943-1947 Polonium injected into incurable patients at Rochester, NY. Potential doses greater than occupational limits.

    1944 Substantial group begins work at Met Lab (Chicago) on biomedical aspects of fission products.

    1945 (May 14) Plutonium injected into human subjects at Los Alamos. Eighteen subjects injected that year.

    1945 (July 16) Trinity Test (Alamagordo, NM) cattle receive beta burns. First atomic bomb.
    1945 (Aug 6) Hiroshima, Japan, is atomic bombed.
    1945 (Aug 9) Nagasaki, Japan, is atomic bombed.

    1945 (Sept) USSR occupies Czechoslovakia. Soviet commanders order all German plans, parts, models, and formulas regarding the use of atomic energy, rocket weapons, and radar be turned over to them. USSR infantry and technical troops occupy Jachimov and St. Jaochimstal (the only European source of uranium.)

    1945-1947 18 patients (one a five year old) injected with plutonium at Rochester, NY, Oak Ridge, TN., U. of Chicago, and UCSF. No informed consent; potential doses much greater than occupational limits.

    1946 (Aug) The Oak Ridge facility ships the first nuclear reactor-produced radioisotopes for civilian use to the Barnard Cancer Hospital in St. Louis, Mo.

    1946 Fission products investigated as carcinogenic agents in Chicago.

    1946 Hanford establishes a Biology Section under Radiological Sciences Division.

    1946-1947 Six patients injected with enriched uranium nitrate at Rochester. Some doses produced kidney damage.

    1947 (Jan) Reports about some of the US human radiation experiments, originally classified, are declassified apparently at the suggestion of the researchers involved.

    1947 (Feb 26) C.L. Marshall, an AEC deputy declassification officer, writes, "This document appears to be the most dangerous since it describes experiments performed on human subjects, including the actual injection of the metal, plutonium, into the body. Unless, of course, the legal aspects were covered by the necessary documents, the experimenters and the employing agencies, including the U.S., have been laid open to a devastating lawsuit which would ... have far-reaching results. The coldly scientific manner in which the results are tabulated and discussed would have a very poor effect on the general public." No mention is made to any perceived need for withholding information for national security purposes.

    1947 Hanford experiment on radioiodine in sheep begins.

    1947 Work on metabolism of Sr-90 in rhesus monkeys begins (Berkeley).

    1947 Effects of strontium and plutonium on fetal and infant dogs are reported.

    1947 Start of long-term toxicity studies in mice (Argonne) with plutonium, radium, uranium, and fission products.

    1948 Six patients at U. of Rochester who received uranium for kidney function tests described. Threshold for kidney damage described.

    1951 (Dec 20) First electricity is generated from atomic power at EBR-1 Idaho National Engineering Lab, Idaho Falls.

    1951 K. Z. Morgan suggests lowering allowable exposure levels of radon.

    1952 Charlie Steen discovers largest underground uranium deposit ever found in U.S. and begins the uranium boom.

    1952 Marinelli studies transport of radium in lung of man (ANL).

    1954 (June) First electricity generated from nuclear power in USSR in a five megawatt power station.

    1954 Kerr-McGee opens uranium mines in Red Rock, Arizona,

    1954 Start-up of Rocky Flats plant (Colorado).

    1956 National Academy of Sciences and ICRP recommend lower basic permissible dose for radiation workers to 5 rad/year.

    1956 Indications that uranium may be less toxic to humans than animal experiments predict --Eisenbud.

    1956 Irene Joliot-Curie (born 1897) dies of aplastic anemia.

    1957 American Council of Governmental Industrial Hygienists suggests a single value for air concentration of both soluble and insoluble natural uranium.

    1958 Society of Nuclear Medicine formed.

    1963-70 64 volunteer prisoners receive testicular irradiation at Washington State Prison; exposures from 7 to 400 roentgen.

    1963-1971 67 volunteer prisoners receive testicular irradiation at Oregon State Prison; exposures from 8 to 600 roentgens.

    1968 (Nov) A ship carrying 200 tons of bomb grade material vanishes, Israel suspected of theft.

    1970 Exhumation of radium cases begins.

    1971-1972 Review of plutonium in man using primarily the patients injected during Werner Walter 2.

    1976 (Mar) ICRP 24 "Radiation Protection in Uranium and Other Mines" published.

    1979 (May) ICRP 31 "Biological Effects of Inhaled Radionuclides" published.

    1984 US Dept. of Energy awards $85,000 contract to Robert DuPont, a psychiatrist and president of the Phobia Society, to find ways to overcome the public's "nuclear phobia."

    1986 (Sept) ICRP 50 "Lung Cancer Risk from Indoor Exposures to Radon Daughters" published.

    1986 US Environmental Protection Agency publishes "A Citizen's Guide to Radon."

    1988 US National Academy of Sciences BEIR IV Report, "Health Risks of Radon and Other Internally Deposited Alpha Emitters" is published.

    1992 (Aug) A smuggler is arrested in Switzerland carrying a 2 gram cesium-137 source in his breast pocket. The source allegedly comes from the former USSR. He suffers from radiation sickness.

    1992 (Oct 9) Two Poles and a German smuggler are arrested in Frankfurt, Germany while trying to sell a cesium-137 and a strontium-90 source brought in from the former USSR.

    1992 (Oct 16) Seven people from Czechoslovakia are arrested in Munich, Germany after trying to sell about 2 kilograms of uranium pellets and powder from the former USSR reactor program. Analysis confirms that the material is of low enrichment, as used in nuclear power.

    1992 (Oct 18) In Poland, a man is arrested at Terespol near the border with Belarus (former USSR) when a 1.5 kg lump of uranium was found in a lead-lined box in his attic.

    1992 Rockwell International fined $18.5 million after pleading guilty to 10 environmental crimes as former Rocky Flats plant operator.

    1994 (Jan 11) Federal judge in Rung C. Tang leukemia case states that "If you decide that an exposure lower than the limit caused a person's disease, it's going to be the demise of the nuclear power industry in this country."

    1994 (Feb 16) Security guards blocked 11 attempts by poorly paid Russian (former USSR) nuclear plant workers to steal uranium from work and sell it on the black market last year, a government official says. Police also registered almost 900 attempts to illegally enter nuclear plants and 700 attempts to steal secret documents from them in 1993, said Lt. Gen. Yuri Yefimov, head of the Interior Ministry's department for security of strategic facilities.

    1994 (Dec) The largest amount of smuggled nuclear-weapon usable material discovered to date was found in mid-December in a dark blue Volvo limousine parked on the street in Prague. The police, tipped off by Interpol that the material had been at large for several weeks and was still awaiting a buyer, seized two simple, unlined metal canisters, labeled in Cyrillic script, that were plopped on the back seat of the car. According to Czech authorities, the intelligence they received from Interpol was "quite precise"-so precise that they could "locate the uranium in the back seat, seize it, and make arrests." The take was 2.7 kilograms of enriched uranium-about 87.7 percent uranium 235

    Quelle: A Brief Chronology of Radiation and Protection
    by J. Ellsworth Weaver III *1994 - 1999

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    Pechblende und Heroin zur vorletzten Jahrhundertwende

    Als Weihnachtsgeschichte hier ein tragisch-komischer Textabschnitt aus einem laengeren Artikel ueber das Ableben von Karl May:

    „Joachimsthal ist ein Kurort inmitten der Wälder in (Krusne Hory) in Böhmen. Es wurde berühmt durch die einzigartige Heilbehandlung mit radioaktiven Quellen. Das Baden in Thermalwasser mit einer hohen Radonkonzentration trägt wesentlich dazu bei, dass sich das Wohlbefinden von Menschen, die an Erkrankungen des Bewegungsapparates, des Nervensystems und – wie heutige Erkenntnisse besagen – Stoffwechselstörungen leiden.

    Das große Interesse des Pariser Physikers Antoine Henri Becquerel an Röntgens neuen Strahlen führte 1896 zu seiner Entdeckung der natürlichen Radioaktivität, die aus Uransalzen freigesetzt wird. Marie und Pierre Curie isolierten die Elemente, die Becquerels natürliche Radioaktivität ausstrahlen. Im Laufe des Jahres 1898 gaben sie ihre Entdeckung zweier solcher Elemente bekannt, Polonium und Radium. Sie extrahierten kleinste Mengen von Radium aus Tonnen von Erz, das ein Abfallprodukt der Silbermine in Joachimsthal war, und "Pechblende" genannt wurde.

    1864 entsprang in einer der Silberminen von Joachimsthal eine Quelle, deren Wasser mehrere Ebenen überstieg. Die Ortsansässigen entdeckten bald, dass das Baden in diesem Wasser stimulierende Wirkungen hat. Nach der Isolation des ersten Gramms Radium durch die Curies im Jahre 1904 glaubte man, dass radioaktive Strahlung in geringen Dosen gut für die Gesundheit wäre. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde das erste radioaktive Kurbad in der Nähe der Joachimsthal-Quellen erbaut.

    Nach 1904 wurden medizinische Anwendungen mit Radium entwickelt und zogen eine beträchtliche Werbekampagne nach sich. Die "Curie-Therapie" wurde, zusammen mit der Chirurgie, die einzige Behandlung für tiefsitzenden Krebs. Dünne Nadeln, die Radium oder sein Nebenprodukt enthielten, wurden meistens zu diesem Zweck benutzt.

    Friedrich Ernst Dorn entdeckte Radon im Jahre 1900. Radon sondert Alfapartikel ab. Die größte Gefahr geht von der Inhalation des Elements und seiner radioaktiven Spaltprodukte aus, die sich im Staub der Luft sammeln. Radon findet man in einigen Mineralwässern. Es wird gemessen in Picocuries pro Liter Luft (pCi/L), und ein Wert unter 4 pCi/L wird als ungefährlich angesehen. Es gibt viele Orte, die eine gefährlich hohe Konzentration an Radon besitzen sollen. Ein Indianerreservat in Wisconsin, USA, zum Beispiel weist eine Radonkonzentration der Raumluft von 5,8 pCi/L auf, und das Grundwasser hat sogar einen noch höheren Gehalt an Radon.

    Ionisierte Radioaktivität durchdringt den Körper und reagiert mit dem Gewebe, das Energie zu zellulären und anderen Bestandteilen transportiert, in dem es seine Atome ionisiert. Dieses Phänomen wurde umfassend erforscht. In geringen Dosen kann der Zelltod angepaßt werden an den normalen Prozeß, der die Zellerneuerung steuert. Jedoch kann bei einer hohen Dosierung die Reparatur und Erneuerung unzulänglich sein, so dass eine große Anzahl von Zellen zerstört werden kann, was zu fehlerhaften Organfunktionen führt.

    Wie hoch die Dosis der ionisierten Radioaktivität und der Radongehalt waren, als Karl May vom 22. Mai bis zum 17. Juni 1911 in Joachimsthal war, wissen wir nicht. Karl May diktierte seiner Frau einen Brief während des Aufenthalts:
    Wir befinden uns hier, im stärksten Radiumbad der Welt, zu Kur. Die Reaktion der Bäder ist so stark, dass ich die Feder nicht halten und auch nicht schreiben kann … Mein hiesiger Arzt, ein Kaiserlicher Rat und Bezirksarzt, wird mich vor Juni kaum freigeben, die Nachkur nicht gerechnet …

    Klara May erwarb außerdem "ein Paket Radium" und berichtete, dass es Wunder gewirkt habe bei Karl Mays Nervenentzündung. Was Klara kaufte, war höchstwahrscheinlich nur die "Pechblende", unbearbeitet oder ähnlich dem, was Madam Curie ursprünglich erhielt. Nur bei der Urangewinnung, die 1911 in Joachimsthal noch nicht durchgeführt wurde, wird Uran aus dem Erz freigesetzt. Dieses Urankonzentrat wird heute als "Yellowcake" bezeichnet und enthält mehr als 60 % Uran. Eine radioaktive Bestrahlung mit niedrigen Dosen und von kurzer Dauer verursacht keine akuten Beschwerden. Ein akutes Strahlungssyndrom (das akute Strahlenkrankheit verursacht) benötigt eine Strahlenbelastung von 6 bis 16 Gy , ein Extremwert, der uns heute von Nagasaki, Hiroshima und Tschernobyl bekannt ist.

    Karl Mays extremer Gewichtsverlust während seines Aufenthaltes im Kurbad Joachimsthal war ganz offensichtlich eine Kombination der Auswirkungen des Reisens und der täglichen Badeanwendungen, möglicherweise eine Belastung mit einer unbekannten Dosis Radon. Sicherlich nicht wegen der Anwendungen mit dem "Paket Radium". Die Schwäche wurde hauptsächlich durch seinen Allgemeinzustand verursacht: Die metastatische Ausbreitung des Lungenkrebses.

    Welche anderen Behandlungsmöglichkeiten – abgesehen von den Kurbädern – gab es für Karl May zwischen 1910 und 1912? Karl May stand an der Schwelle zu den modernen medizinischen Entdeckungen. Obwohl es Röntgenbestrahlung gab, wurde sie nicht zur Diagnose des Lungenzustands benutzt. Die Radiumtherapie war noch in der Versuchsphase. Auch die Chirurgie, mit der man Tumore aus dem Brustkorb entfernen konnte, befand sich noch im Anfangsstadium.

    Auszehrung und Schmerz waren die Hauptsymptome, mit denen ein praktizierender Arzt konfrontiert wurde. Den Allgemeinzustand zu verbessern stand hinter dem Vorschlag, dass Karl May sich einer Kurbehandlung unterziehen sollte. Gegen Schmerzen standen drei wesentliche Medikamente zur Verfügung:

    1. Aspirin (Acetylsalicylsäure): In der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts wurde zum ersten Mal Natriumsalicylat zur Behandlung des akuten Rheumatismus verwendet. Die schmerzlindernde Wirkung von Aspirin ist schonend, weniger aggressiv als Kodein.

    2. Morphiumpastille: Morphiumhydrochlorid, 1/36 Gran (0,0018 Gramm). Zu mischen mit Tolubasis, um eine Pastille zu formen. Dosierung: 1 bis 6 Pastillen. Eine oder zwei bei Bedarf gegen Husten.

    3. Morphium- und Ipecacuanhapastille: Morphiumhydrochlorid, 1/36 Gran (0,0018 Gramm); Ipecacuanhawurzel, pulverisiert, 1/12 Gran (0,0054 Gramm). Zu mischen mit Tolubasis, um eine Pastille zu formen. Dosierung: 1 bis 6 Pastillen. Eine oder zwei bei Bedarf gegen Husten.

    4. Her*in (Diacetylester von Morphium): Ein feines weißes Pulver, nicht wasserlöslich. Eingeführt als ein Ersatzstoff für Morphium. Dosis: 1/14 bis 1/7 Gran in Tabletten- oder Pulverform.
    Bayer Pharmazeutische Produkte bewarben Her*in 1900. Synthetisch hergestellt von C. R. Wright im Jahre 1874, wurde es 1898 als das ideale, nicht süchtig machende Ersatzprodukt für Morphium und Kodein angesehen.

    Her*in wurde hauptsächlich eingesetzt, um starke Schmerzen und Husten unter Kontrolle zu halten. Es war angezeigt in Karl Mays Zustand. Es ist von Interesse, was Dr. E. A. Schmid im Sommer 1911 schrieb, als er Karl May getroffen hatte. Er bemerkte, dass im Gegensatz zu Mays gesundheitlicher Verschlechterung "sein Geist rege war und klar blieb und seine Augen stolz und feurig leuchteten". Es ist schwer vorstellbar, dass Karl May in seinem gesundheitlichen Zustand einen zweieinhalbstündigen öffentlichen Vortrag halten konnte ohne irgendeine Medikation. Er wurde dabei beobachtet, dass er eine Tablette nahm. Was es war, können wir nur mutmaßen aus dem, was damals erhältlich war und anhand Karl Mays Verhalten während des Vortrags und während seines letzten Interviews.

    "Schmächtig, dürr, aber unglaublich zäh", lautete die Beschreibung Karl Mays von einem der österreichischen Journalisten, mit "scharfem Profil und blitzenden, jungen Augen." "Ein etwas hagerer Greis ..." war der Eindruck eines anderen Journalisten, der bei Mays Vortrag anwesend war.
    Eine weitere Beobachtung: "Karl May sieht trotz seiner siebzig Jahren rüstig aus. ... bleiches Gesicht ... sein Organ hat eine überraschende Kraft, es beherrschte den weiten Saal ... [über] mehr als zwei Stunden ... [ließ] keine Ermüdung spüren."
    Jedoch war der Eindruck eines weiteren Reporters "ein alter, müder Herr mit den strengen Gesichtszügen."

    "Karl May ist erst vor kurzem von schwerer Krankheit genesen und wurde ungefähr in der Mitte seines Vortrages von Schwäche befallen, welche jedoch erfreulicherweise ebenso rasch, als sie gekommen, wieder verschwand."
    "Einen Augenblick Pause. Karl May bittet um Entschuldigung, er ist krank. Er nimmt eine Pille und dann spricht er weiter."

    "Karl May ist ein Siebzigjähriger, der für sein Alter und trotz einer eben bestandenen Krankheit außerordentlich rüstig ist und sehr gut spricht" ... "Und wie er nun hier auf dem Podium im Sophiensaale erschien, totenbleich und fassungslos, …"

    Während seines letzten Interviews bemerkten die Reporter, dass Karl May "aufstand und unruhig im Zimmer auf- und abging."
    Es gibt ein Photo von Karl May vom Tag seines Vortrags in Wien am 22. März 1912, acht Tage vor seinem Tod. Er sieht wirklich sehr ausgezehrt und erschöpft aus. Eine Her*intablette zu nehmen würde ziemlich übereinstimmen mit der Beschreibung seiner Lebendigkeit, dem Ausdruck in seinen Augen und der Fähigkeit, einen Vortrag über mehr als zwei Stunden zu halten."

    Quelle: http://www.karl-may-stiftung.de/final2.html

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    Fünf Minuten Physik

    Wie aus Uran Polonium wird

    Über "Zerfall" wird in Zeitungen viel berichtet - beispielsweise über den Zerfall von Kulturdenkmälern. Den Begriff der "Zerfallsreihe" findet man aber in aller Regel nur auf Wissenschaftsseiten.

    Von Norbert Lossau

    Damit ist gemeint, dass bestimmte radioaktive Nuklide in Tochternuklide zerfallen, die in Enkelnuklide und weiter in Urenkelnuklide zerfallen - und so weiter.

    Im Erdboden kommt natürlicherweise das schwach radioaktive Nuklid Uran-238 vor. Es zerfällt in Thorium-234, dies in Protactinium-234 und dieses in Uran-234. Doch damit ist die Zerfallsreihe keineswegs beendet. Auch Uran-234 ist radioaktiv, und es geht dann in der Reihe der Zerfallsprodukte wie folgt weiter:

    Thorium-230, Radium-226, Radon-222, Polonium-218, Blei-214, Astat-218, Wismut-214, Polonium-214, Thallium-210, Blei-210, Wismut-210, Quecksilber-206, Thallium-206, Polonium-210 und schließlich Blei-206, das nicht radioaktiv und damit stabil ist. Die Zerfallsreihe des Uran-238 endet also mit Blei-206.
    Wo sich im Erdboden viel Uranerz befindet, da entsteht besonders viel Radon-222, das als radioaktives Gas nach oben steigen und durch schlecht isolierte Böden in Häuser eindringen kann. Ein Teil der in Deutschland auftretenden Krebsfälle wird von Experten auf dieses Radon zurückgeführt.

    Mit dem Radon gelangt die zuvor im Boden verborgene Radioaktivität jedenfalls an die Erdoberfläche, sodass das radioaktive Gas von Pflanzen aufgenommen werden kann. Noch mehr Zeit besteht dazu für das Blei-210, das eine Halbwertszeit von rund 22 Jahren hat. Einmal in die Biosphäre eingedrungen, entsteht aus dem Blei-210 mit der Zeit unweigerlich das dieser Tage viel beachtete Polonium-210.

    20.12.2006, welt

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    Schneeberger Krankheit

    Unter der Schneeberger Krankheit, oftmals auch als Schneeberger Lungenkrankheit bezeichnet, versteht man, aus der Sicht der modernen Krankheitslehre, den strahlenbedingten Bronchial- und Lungenkrebs infolge der
    inhalativen Einwirkung des radioaktiven Edelgases Radon und seiner ebenfalls radioaktiven Zerfallsprodukte auf die Atemwege.

    Für die Verursachung der Schneeberger Krankheit sind hauptsächlich radioaktive Stoffe aus der Uraniumreihe verantwortlich. Der strahlenverursachte Lungenkrebs der Bergleute ist der häufigste berufsbedingte Strahlenschaden. Er übertrifft bei weitem die Gesamtheit aller sonstigen beruflichen Strahlenschäden, einschließlich der Opfer der frühen Röntgen-Ära.

    Da nun der Bergbau im Erzgebirge seit der Wende "ausgestorben" ist, könnte man meinen, die Krankheit wäre damit auch verschwunden. Doch seit einigen Jahren finden die Radonprobleme in Wohnungen und Arbeitsräumen
    zunehmend Beachtung der Fachleute und der Öffentlichkeit. Mit dem Risiko, Radon in größeren Mengen in seiner Wohnung zu haben, steigt demzufolge das Risiko an der Schneeberger Krankheit zu erkranken. Eine ähnlich große
    Rolle spielt das Risiko bei der Erörterung von Nutzen oder Schaden im Rahmen der therapeutischen Anwendung des Radons in Radonbädern.

    Schneeberger Revier
    Seit über fünf Jahrhunderten ist die Schneeberger Krankheit bekannt, jedoch bis ins 19. und 20. Jahrhundert hinein, ohne ihre wirklichen Ursachen zu kennen. Die Geschichte der Schneeberger Krankheit hat sich bis 1945 ausschließlich im Erzgebirgsraum, d.h. in der Region von Schneeberg und später von St. Joachimsthal, abgespielt und ist damit unweigerlich mit der Geschichte des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus verbunden.
    Im Jahre 1168 stießen Fuhrleute im Raum der später gegründeten Bergstadt Freiberg zufällig auf oberflächlich liegende Silbervorkommen. Damit wurde ein "Berggeschrei" ausgelöst, dass vor allem Bergleute aus dem Bergbaurevier des Harzes ins Erzgebirge lockte. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich die Freiberger Region zum Zentrum des Silberbergbaus, der sich dann auf das ganze mittlere Erzgebirge ausdehnte. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts ging dieser Bergbau merklich zurück, da die meist oberflächlich angelegten Gruben ausgeraubt
    waren.

    In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfuhr der sächsische Bergbau jedoch eine neue Blütezeit. Diese begann 1740, als am Schneeberg, südlich Zwickau, bei dem dort seit längerem umgehenden Bergbau neue,
    reiche Silberfunde gemacht wurden, die wieder ein "Berggeschrei" zur Folge hatten. 1744 gab es im Schneeberger Revier bereits 153 Zechen. 1481 verlieh ein landesherrlicher Freiheitsbrief der Wettiner der neuen Siedlung die
    Bergfreiheit.

    Von Schneeberg aus verbreitete sich der Silberbergbau in das obere Erzgebirge bis zum Gebirgskamm, wo in rascher Folge neue Bergstädte entstanden: 1497 Annaberg, 1516 St. Joachimsthal auf der böhmischen Seite des Erzgebirges, 1521 Marienberg und relativ spät, nämlich 1654 Johanngeorgenstadt. Aber auch in diesen Revieren trat nach einigen Jahrzehnten ein Rückgang der Ausbeute ein, was meist zur Aufgabe des
    Bergbaus führte.

    Anders dagegen in Schneeberg. In den dortigen Gruben konnten nach dem Niedergang des Silberaufkommens andere wertvolle Erze gewonnen werden. So z.B. Kobalt, Ausgangsstoff für die wertvolle Farbe des Meißner
    Porzellans, Wismut, Wolfram, Nickel und Arsen. So konnte sich der Schneeberger Bergbau bis in unser Jahrhundert erhalten, Jahrhunderte, in denen sich die Geschichte der Schneeberger Lungenkrankheit abgespielt
    hat.

    In den Schneeberger Gruben war, wie in allen Bergrevieren auch, die Arbeit untertage mit erheblichen Gesundheitsgefahren und -risiken verbunden. Schon 1492 hat der sächsische Lateinlehrer Paulus Naivis auf diese Risiken in einem Lehrgespräch für den Unterricht hingewiesen: "Wie man vom Schneeberge und von den Gruben zu sprechen hat: Die Arbeit darin, und die Luft im Berge, die sehr ungesund ist, nimmt ihnen die natürliche
    Farbe, sehr oft geschieht es auch, dass sie frühzeitig mit Tod abgehen."


    Forschungsarbeit
    Neben Unfällen und Schäden an Knochen und Gelenken, waren chronische Erkrankung der Atmungsorgane das mitunter größte Gesundheitsrisiko der Bergleute. Ab Anfang des 16. Jahrhunderts kam für diese Lungenkrankheiten der Bergmänner die Bezeichnung "Bergsucht" auf. Die betroffenen Bergleute wurden daher "bergsüchtig" oder "bergfertig" genannt.

    Bergsucht ist jedoch nur ein Sammelbegriff für überwiegend chronische Lungenkrankheiten, d.h. Dauerschäden nach arbeitsbedingten Entzündungen der Atemwege, wie chronische Bronchitis, Bronchiektasen, Lungenemphysem, Lungentuberkulose und, in Abhängigkeit von den jeweiligen Abbauverhältnissen, auch Staublungenerkrankungen.

    Natürlich haben die Bergbauärzte von der Bergsucht geschrieben, jedoch ohne eine Unterscheidung einzelner Krankheitsbilder vorzunehmen. Der Autor, der sich als Erster und auf lange Zeit mit diesen Krankheiten auseinander setzte, war Paracelsus. Er hat in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts ein umfangreiches Werk zu diesem Thema unter dem Titel: "Von der Bergsucht oder Bergkranckheiten drey Bücher" verfasst, dass erst 1567 gedruckt wurde.

    Theophrastus Bombast von Hohenheim, wie sein eigentlicher Name war, hatte sich während seiner Ausbildung und auf seinen weiten Reisen durch Europa mit dem Bergwesen beschäftigt und sich dabei um die medizinischen Belange der Bergleute gekümmert. Paracelsusforscher Sudhoff berichtete einmal, dass Hohenheim auch Schneeberg und das Erzgebirge aufgesucht hat: "So ist er denn auch weiter die Mulde aufwärts nach Schneeberg geritten, von dem er spricht, wo arm gewordene Silbergruben durch Wismut und Kobalt Ersatz boten, die den bergkundigen Hohenheim besonders anzogen und beschäftigten."

    Die weit verbreitete Meinung, Georgius Acricola habe die Lungenkrankheit der Bergleute ausführlich und sogar als Erster beschrieben, entspricht nicht der Wahrheit. Er hat sich nur ganz gelegentlich mit der Lungenkrankheit befasst und vielmehr die Technik des Bergbaus erfasst und erneuert.

    Nach Paracelsus haben sich im 17. und 18. Jahrhundert vorwiegend sächsische Ärzte Gedanken über die Bergsucht gemacht. Genannt sei hier nur J. F. Henckel, Bergphysikus in Freiberg, der in einem Werk, verfasst um 1728, erstmals die gerade aufgekommenen pathologisch-anatomischen Untersuchungen einbezieht.

    Im 18. Jahrhundert und vor allem im 19. Jahrhundert fielen die Krankheitsfälle an Bergsucht im Schneeberger Revier durch besonders eigentümliche Krankheitsverläufe auf. Die betroffenen Bergleute erkrankten schon häufig im relativ jugendlichen Alter. Nach einigen Monaten bis wenigen Jahren trat der Tod ein, begleitet von Husten, Auswurf und auffälliger Atemnot.

    Diese Form der Bergsucht erhielt nun den Begriff "Schneeberger Krankheit". Ab Mitte des 19. Jahrhunderts haben sich zwei Ärzte dieser bemerkenswerten Krankheit ihrer Heimat angenommen. Der eine von ihnen, Härting, war durch seine Tätigkeit als Bergarzt in Schneeberg von solchen Krankheitsfällen angesprochen. Der andere, Hesse, war als Bezirksarzt im nahen Schwarzenberg für die sozialmedizinischen Belange der Krankheit zuständig.

    Während ihrer über 20-jährigen Arbeit fanden sie heraus, dass die Schneeberger Krankheit zu 75 Prozent an den Todesursachen ehemaliger Bergleute der Schneeberger Gruben beteiligt war. Hesse schrieb 1878 erstmals über ihre Untersuchungen: "Es ist eine in der Gegend von Schneeberg ganz bekannte Thatsache, dass die Bergarbeiter im besten Mannesalter an der sogenannten Bergkrankheit zu Grunde gehen, und ganz gewöhnliche Leute bezeichnen diese Todesart geradezu als Lungenkrebs."

    Durch Sezieren von mehr als 20 Bergleuten und ihrer Lungen, gelang es Härting und Hesse die Volksmeinung zu bestätigen. Damit wurden sie zu den Entdeckern des ersten berufsbedingten Lungenkrebses in der Geschichte der Arbeitsmedizin. Beide konnten den Lungenkrebs aber nur von untertage arbeitenden Bergleuten, nicht aber bei der sonstigen Bevölkerung nachweisen, da es zur damaligen Zeit noch keine, so seltsam das auch klingt, Zigaretten gab.

    Die erste Zigarettenfabrik wurde 1862 in Dresden gebaut. Heute stirbt jeder zehnte Mann an Lungenkrebs, bis zu 90 Prozent des Krebses wurden durch das Zigarettenrauchen verursacht. Nach der Entdeckung der Krebsnatur forschte man nach den Ursachen der Schneeberger Krankheit. Um die Jahrhundertwende standen zwei Faktoren zur Diskussion. Zum einen wurde das in den Schneeberger Erzen reichlich vorkommende Arsen beschuldigt, nachdem es bereits in früheren Jahrhunderten im Gespräch gewesen war.

    Zum anderen wurde die Ursache in den silikogenen Gesteinsstäuben der Schneeberger gruben vermutet, die allein oder in Kombination mit anderen Noxen, z. B. toxischen Metallbestandteilen der Erze, wie Kobalt, Nickel und
    Wismut, karzinogene Effekte bewirken sollten.

    Die Entdeckung der Radioaktivität durch Becquerel 1896 und des
    Radiums durch die Curies 1898 schufen neue Erklärungsmöglichkeiten, als erste krebserzeugende Wirkungen der ionisierenden Strahlung bekannt wurden. Innerhalb weniger Jahre verbreitete sich die Kenntnis von der krebserregenden (karzinogenen) Wirksamkeit der Röntgen- und Radiumstrahlung.

    In den Jahren 1908 bis 1912 wurde auf Veranlassung der königlich- sächsischen Regierung eine Forschungsaktion durchgeführt, bei der Professor Carl Schiffner von der Bergakademie Freiberg mit seinen Mitarbeitern die Quellen des Landes auf radioaktive Bestandteile untersucht hat, mit dem Ziel diese eventuell zu therapeutischen Zwecken anwenden zu können.

    Durch diese Aktion wurde 1909 in Wässern und Luft der Schneeberger Gruben ein extrem hoher Gehalt an Radiumemanation nachgewiesen.
    Der Bergdirektor von Zwickau H. E. Müller schrieb über die Verursachung des Lungenkrebses durch Emanation:

    "Durch die Radiumforschung ist die gefährliche Einwirkung von Radiumstrahlung und der Emanation, sofern sie eine zu lange dauernde ist, bekannt geworden. Als Folge zeigen sich an den betroffenen Stellen regelmäßig krebsartige Veränderungen, die leicht in Eiterung übergehen. Bei der Emanation wird jedenfalls der am leichtesten verletzliche Teil des von der Luft berührten Körpers zuerst angegriffen und das sind die Weichteile der Lunge. Ich betrachte daher den Schneeberger Lungenkrebs als eine besondere Berufskrankheit der Gruben, deren Gesteine Radium enthalten und deren Luft mit starker Emanation beladen ist."

    Der "Arbeitsausschuss für die Erforschung des Schneeberger Lungenkrebses in Sachsen" hat zwischen 1922 und 1926 insgesamt fünf Reihenuntersuchungen in Schneeberg durchführen lassen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Untersuchungen 1926 waren von 154 erfassten Bergleuten in drei Jahren 21 verstorben.

    Davon waren 71 Prozent Opfer der Schneeberger Krankheit. Gleichzeitig mit den Reihenuntersuchungen wurden eingehende Messungen der Radonkonzentrationen in den Schneeberger Gruben veranlasst, die von P. Ludewig, dem Direktor des Radiuminstituts an der Bergakademie Freiberg, und seinem Mitarbeiter E. Lorenser durchgeführt wurden.

    Beide konnten nun an die früheren Messungen von Carl Schiffner anknüpfen, hatten jetzt aber von Anfang an den Zusammenhang zwischen dem Schneeberger Lungenkrebs und der Radiumemanation in der Grubenluft
    im Auge: "Es lag nahe, für die Entstehung dieses Lungenkrebses das dauernde Einatmen emanationshaltiger Luft in den Gruben verantwortlich zu machen."

    An einigen Stellen fanden sie die gleichen Werte wie 1909 Carl Schiffner: "Es zeigte sich also, dass dieser hohe Emanationsgehalt schon dauernd bestanden hat." Die von ihnen erzielten hohen Messwerte der Emanationskonzentration veranlassten sie zu der Feststellung: "dass die genannte Krankheit durch radioaktive Einflüsse hervorgebracht sein könnte."

    Da trotz dieser Untersuchungen auch immer wieder andere Ursachen für den Lungenkrebs vorgeschoben wurden, sollte A. Brandt auf Anlass sächsischer Behörden diese Problematik mit neuen, genaueren Untersuchungen klären. Gemeinsam mit dem Experten Rajewsky, begann er 1936 die Untersuchungen. Rajewsky arbeitete bis dahin am Anfang 1936 gegründeten Kaiser- Wilhelm- Institut für Biophysik und beschäftigte sich mit Radonbalneotherapie und der Radiuminkorporation. Zusammen mit A. Brandt konnte er nach langen Untersuchungen beweisen, dass der Schneeberger Krebs durch Radoninhalation verursacht wird.

    Rajewsky versuchte sogar Wirkungsschwellen abzuleiten, unterhalb denen eine Gefährdung weitgehend verneint werden könne. Rajewsky fasst das Ergebnis seiner Arbeit so zusammen:
    "Die Möglichkeit, dass die Schädigung durch Einatmung der emanationshaltigen Grubenluft wenigstens eine der Ursachen der Schneeberger Krankheit ist, kann aufgrund der nunmehr vorliegenden Messergebnisse nicht mehr bestritten werden und ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu bejahen."

    Die Außenstelle des Kaiser- Wilhelm- Instituts für Biophysik in Oberschlema konnte 1941 den vollen Betrieb aufnehmen, wurde jedoch durch Beschlagnahme seitens der sowjetischen Besatzungsmacht 1946 geschlossen.
    In den wenigen Jahren ihres Bestehens war die Außenstelle an den Untersuchungen in den Schneeberger und St. Joachimsthaler Gruben beteiligt.

    Weltweit erstmalig erfolgten damit in Gruben mit radioaktivem Untertageklima
    regelmäßige Kontrollmessungen der Radonkonzentration an den Arbeitsplätzen der Bergleute mit dem Ziel, durch geeignete Maßnahmen, vorrangig eine wirksame Wetterführung, die Strahlenbelastung zu minimieren. So kam es
    dann auch zu einer Grenzwertfestlegung für die Radonkonzentration in der Grubenluft, die bei Kriegsende bereits in sächsische bergbaupolizeiliche Vorschriften umgesetzt waren.

    Nach dem Krieg hat sich die Geschichte der Schneeberger Krankheit vom Erzgebirge aus auf alle Weltregionen ausgedehnt, in denen abbauwürdige Uranerze gefunden wurden. In den USA beispielsweise orientierte man sich
    im Uranbergbau an den Grenzwerten der sächsischen Bergbaupolizei. Der amerikanische Forscher Bale konnte 1951 einschlägige Forschungsergebnisse aufweisen, dass nicht nur das Radon, sondern auch dessen radioaktive Folgeprodukte Lungenkrebs verursachen.

    Fast zeitgleich wurde am Max-Planck-Institut für Biophysik dasselbe Ergebnis festgestellt. Diese Forschungsarbeiten bildeten den Anschluss an Rajewskys Untersuchungen. "In Fortsetzung dieser Arbeiten, die sich auf die Wirkung des Radons und seiner im Körper gebildeten Folgeprodukte beschränken, ergab sich die Notwendigkeit, auch die mit dem Radon zusammen eingeführten Zerfallsprodukte zu berücksichtigen."

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ostteil Deutschlands von der Sowjetunion besetzt. Nun fing der Bergbau im Erzgebirge von neuem an. Nur, dass diesmal nach Uran für das sowjetische Atomprogramm gesucht und
    gefunden wurde.

    Auch bei den dort arbeitenden Bergleuten stellte sich Lungenkrebs ein. Obwohl im Uranbergbau die Schutzmaßnahmen für die Bergleute im Laufe der Zeit erhöht wurden, kam die Schneeberger Krankheit zwar erst nach Jahrzehnten zum Ausbruch, konnte aber nie verhindert werden.

    www.frisep.de
    © 20.08.2003 Lutz Geißler (Freiberg)

    Dieser Text unterliegt dem alleinigen Urheberrecht des Autors. Jedoch ist es gestattet, diese Veröffentlichung komplett unverändert bzw. in unveränderten Ausschnitten und unter Angabe des Autors sowie unter Nennung von geoberg.de als Quelle, zu verwenden.

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    Windscale 1

    17. 1957, October - WINDSCALE No 1, U.K.

    Fire caused by human error and defective procedures resulted in eleven tons of uranium being ablaze, relossing a vast cloud of radio-isotopes from the melted fuel. Milk from an area of more than 500 square kilometers (approx. 2 million litres) was poured into the rivers and sea as unsafe for human consumption.

    Farmers were compensated by the Government, but how many people living near Windscale were affected is not known. Nor is it known how much radioactivity descended over Westmoreland and Cumberland. Local inhabitants any there is a high incidence of cancer deaths in the area, but the Government did not carry out any medical or statistical checks. Both Windscale reactors have since been filled with concrete and entombed.

    The radioactive cloud reached up to Denmark. In London, 500 km from Windscale the radioactivity reached 20 times the normal level. Report of enquiries into safety was never published. (Sources s A. Gyorgy p.1198/S. Novick).

    However a previously classified report released in 1989, revealed that the Mc Millan Government invented large amounts of money to finance a concerted pro-nuclear campaign which included scientists traversing U.K., assuring people that the accident was insignificant. (W. Australian May 1989).
    SUPPLEMENTARY 1983, April - LONDON, U.K.

    32 people died as a result of a fire at the Windscale Plant in 1957. The toll rose when the National Radiological Protection Board considered extra cases of cancer researched by a scientist who examined the effects of Polonium released in the accident. Polonium was used in atomic bombs at the time of the accident. ("West Australian" 1/4/1983)

    SUPPLEMENTARY 1987, December 1987 - U.K.

    Official documents about a fire at the Windscale reactor in 1957 were released. The accident was much more serious than was then admitted and it was due to defects in the organization of the British Atomic Energy Authority and in the instrumentation at Windscale.

    Information on the fire was ordered kept secret by Harold Mc Millan, the Conservative Prime Minister of Great Britain and has been published now under the 30-year Rule which allows formerly confidential government documents to be declassified.

    Windscale (later named Sellafield) was producing Plutonium for military use. The fire broke out at one of its atomic piles - primitive reactors in which containers of uranium were irradiated to produce the Plutonium. It raged for 16 hours.

    The Windscale cloud contaminated large areas of Britain and Ireland, and contained more than 600 times as much radioactive iodine as was released during the Three Mile Island accident.

    Authorities at the time decided not to evacuate local people even though they were exposed to radiation levels 10 times the allowed LIFETIME dose - within a matter hours.

    The only one safeguard taken to health was the destruction (ins Meer gekippt) of two million litres of contaminated milk from farms around Windscale. However, it has now been revealed that milk with contamination up to three times the official danger limit was released for human consumption. ("Swedish News Service", "Financial Times" 2 Jan. 1988, "Observer" (U.K.) 3 Jan 1988, "Daily Telegraph" (U.K.) 2 Jan 1988, "Guardian" (U.K.) 4 Jan 1988, WISE 285.
    ...

    Am 12. Oktober wurde auch Milch aus einem 500 km² großen Gebiet, die einen Grenzwert von 3.700 Bq überschritt, eingesammelt und vernichtet. Obwohl auch Milch weiter entfernter Farmen durch 131Iod kontaminiert wurde, wurde sie verkauft und Aufzeichnungen darüber von der Regierung unter Verschluss gehalten, um die Bevölkerung nicht "unnötig" zu beunruhigen. Insgesamt wurden etwa 2 Millionen Liter 131Iod-kontaminierte Milch verklappt.

    Man geht davon aus, dass durch den Brand insgesamt 600-1000 TBq 131Iod, 450-600 TBq 132Tellur, 20-45 TBq 137Cäsium, etwa 200 GBq 90Strontium und 1,4 TBq 210Polonium freigesetzt wurden.

    Die Auswirkungen der freigesetzten Radioaktivität sind schwer abzuschätzen. Ein vorsichtiger britischer Bericht von 1982 nennt wenigstens 40 bedingte Todesfälle, andere Quellen sprechen von wenigstens tausend.
    ...
    John Urquhart, a statistician at Newcastle University, reckons the cloud of radioactive fallout from the 1957 Windscale Fire contained enough polonium to kill 1,000 people, and even the regulatory body that advised the government on nuclear safety and radiation limits conceded in the 1980s that there would be at least 32 deaths from the Windscale disaster - half of them directly attributable to polonium 210. Who needs the KGB?

    Guardian 30th Nov 2006

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    Windscale 2

    1957 kam es dann während einer Routineprozedur zur größten Atom-Katastrophe in Großbritannien:

    Kurz nach Mitternacht, am 7. Oktober 1957, bereitete Chefphysiker Ian Robertson alles für die sogenannte Wigner-Entladung vor. Diese war mindestens einmal pro Jahr nötig, da der luftgekühlte Reaktor eine besondere Eigenschaft hatte:

    In den als Moderator dienenden Graphitblöcken im Kern, welche die mit Natururan bestückten Brennstäbe aufnahmen, wurden im Betrieb Kohlenstoffatome aus ihrer normalen Position in den Graphitmolekülen geschossen, so das der Graphit seine Struktur änderte und anfing, Energie zu speichern (Wigner-Energie). Diese musste regelmäßig durch eine gezielte Aufheizung entladen werden.
    Dieses Problem erkannte man im September 1952: Der Reaktor war glücklicherweise nicht im Betrieb als es in ihm zu einer unvorhergesehenen, spontanen Energieentladung kam.

    Man hatte diesmal länger als üblich mit der Abführung der Wigner-Energie gewartet. Drei Tage sollte diese Prozedur planmäßig dauern. Dazu mußte der Reaktor runter gefahren und die Plutoniumproduktion unterbrochen werden. Seit Inbetriebnahme im Jahre 1950 wurde diese Prozedur bereits achtmal erfolgreich durchgeführt worden und war galt als Routinevorgang. Man musste dabei nur aufpassen, das die Brennelemente beim Hochkochen der Anlage nicht zu heiß werden und Feuer fingen.

    Um 1.13 Uhr Nachts wurden die Steuerstäbe in den Reaktor gefahren, um die atomare Kettenreaktion zu unterbrechen. Der Reaktor kühlte planmäßig aus und die 64 Temperaturfühler im Reaktorkern pegelten sich in den folgenden Stunden im Bereich zwischen 20 und 30 Grad Celsius ein.

    Um 19.25 Uhr wurden die Steuerstäbe aus dem Reaktorkern gezogen und die Ventilatoren der Kühlung abgeschaltet. Die Neutronen konnten wieder ungehindert durch die Graphitblöcke schießen und heizten den Reaktor so wieder auf. Robertsons Assistent, Victor Goodwin, führte im weiteren Verlauf die Prozedur durch.

    Der Reaktor wurde bis auf 250 Grad aufgeheizt, dann drosselte man die atomare Kettenreaktion mittels der Steuerstäbe wieder. Durch Freisetzung der gespeicherten Wigner-Energie sollte die Temperatur des Graphitkerns dann weiter bis zur regulären Spitzentemperatur von 330 Grad klettern. Doch die Temperatur verharrte am Morgen des 8. Oktober weit unterhalb der 330 Grad.

    Die Temperatur wurde von 64 Temperaturfühlern, welche dicht unter der meterdicken Beton-Außenhaut saßen, gemessen. Das erwies sich nun als folgenschwerer Konstruktionsfehler: Ein solches Manöver - einer Wigner-Entladung entsprechend - war natürlich bei der Konstruktion nicht berücksichtigt worden, denn die Instrumente waren nur auf die Überwachung des Normalbetriebes ausgelegt. Als die Instrumente noch niedrige 250 Grad anzeigten, wurden an den Brennelementen im Inneren schon fast 400 Grad erreicht.

    Um 10.30 Uhr bemerkte Goodwin, dass 11 der 64 Fühler sogar fallende Werte anzeigten und heizte den Reaktor darauf hin weiter an. Warum er aber ignorierte, dass 18 Temperaturfühler steigende Werte meldeten, ist unklar. Entweder dachte er, das diese Fühler defekt waren oder er stand unter Druck und ging das Risiko ein, um die wichtige Plutoniumproduktion nicht unnötig zu verzögern. Victor Goodwin war in der Messwarte jedenfalls sehr erfahren und so ein Temperaturgefälle war alles andere als normal.

    Um 11.05 Uhr wurde in der Messwarte dann ein einzelner, heftiger Temperatursprung um 8o Grad an einem Messpunkt bemerkt. Vermutlich entzündete sich zu diesem Zeitpunkt ein Feuer im Reaktor. Nachdem die anderen Fühler die gewünschte Spitzentemperatur erreicht hatten, wurde der Reaktor dann während des 9. Oktobers wieder heruntergefahren um danach gekühlt den geregelten Betrieb der Plutoniumproduktion wieder auf zu nehmen.
    Die Temperatur in einem Bereich des Kerns stieg jedoch auch, nachdem die Ventilatoren des Kühlsystems wieder liefen.

    Am Morgen des 10. Oktober um 5.40 Uhr registrierten die Messgeräte in den Filtern des 150 m hohen Schornsteins der Anlage steigende Radioaktivität. Schnell kletterte der Wert auf mehr als 30 Curie.
    Gegen Mittag schlugen auch Meßgeräte in der Umgebung des Fabrikgeländes an. Luftproben ergaben, dass die normalen Werte um das Zehnfache überschritten wurden.
    Warnungen an die Bevölkerung wurden nicht ausgerufen. Lediglich die Familie von Tom Tuohy - dem Vizechef der Plutoniumfabrik, welcher unweit entfernt wohnte - wurde angewiesen, Fenster und Türen geschlossen zu halten und das Haus unter keinen Umständen zu verlassen.

    In der Messwarte von Windscale vermutete man einen geborstenen Brennstab, jedoch war das Messgerät, welches diese Vermutung bestätigen konnte, durch das Feuer schon zerstört worden.
    Am Rand des Brennelementekanals Nummer 20/53 herrschte bereits eine Temperatur von 450 Grad Celsius, die Temperatur der im Kanal befindlichen Brennelemente lag weit über 600 Grad Celsius.

    Also öffneten zwei Mitarbeiter in Strahlenschutzanzügen einen Verschlußstopfen, um in das Reaktorinnere sehen zu können. Die Vermutung war richtig: Ein Brennstab war geborsten. Aber das Uran hatte oxidiert, wobei soviel Hitze frei wurde, dass das Graphit des Kerns in Brand geriet. Der Reaktorkern war rot glühend.

    Es musste verhindert werden, dass sich das Feuer weiter durch den Reaktor frisst. Doch ließe man die Ventilatoren weiter laufen um den Reaktor zu kühlen, dann würde der Sauerstoff den Graphitbrand weiter anfachen. Würden die Ventilatorklappen geschlossen, könnten 2000 Tonnen Graphit und 72.324 Brennelemente in Flammen aufgehen.
    Der Versuch der Werksfeuerwehr, den Brand mit bereitstehenden 25 t flüssigem Kohlendioxid zu löschen, schlug fehl. Das Gas zeigte keinerlei Wirkung.

    Um 20:30 Uhr wird durch Inspektionsluken im Dach des Reaktorkerns beobachtet, dass blaue Flammen aus dem Kern lodern.
    Am 11. Oktober um 1.38 Uhr wurde eine Temperatur von 1300 Grad im Brennelementkanal 20/53 gemessen. Aus dem Kamin des Reaktorgebäudes stieg schon den ganzen Tag von den Staubfilter ungehindert gasförmiges radioaktives Jod 131, Plutonium, Cäsium und Strontium auf.

    Die umliegende Bevölkerung wurde jedoch immer noch nicht informiert. Innerhalb der Anlage rief man allerdings den Notstand aus: Niemand durfte die Gebäude verlassen, Türen und Fenster waren geschlossen zu halten.

    Der Wind wehte zum Glück mit 2 bis 3 Stärken aus Nordnordwest und trieb die radioaktive Wolke auf die Irische See hinaus. Doch das konnte sich sehr schnell ändern und dann würden weite Teile des umliegenden Landes verseucht.

    Es gab nun für die Verantwortlichen in Windscale nur noch eine Möglichkeit, gegen das Feuer vorzugehen – doch diese war riskant. Man beschloss, Wasser in den Reaktor zu pumpen. Die Gefahr dabei war, dass Wasser - wenn es auf das geschmolzene und brennende Uran, den anderen Metallen und das Graphit treffen würde - zu Wasserstoff und Ethin reagieren könnte. Dieses Gemisch würde mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit eine gewaltige Explosion auslösen. Die Folgen dieser Reaktion wären verheerend: Durch die in die Atmosphäre geschleuderten und hoch radioaktiv verseuchten Materialien würde die gesamte westenglische Küste massiv radioaktiv verseucht werden. Die Britischen Inseln, das europäische Festland und unter Umständen sogar Teile der USA wären verstrahlt worden.

    Freitag, 11. Oktober 1957 - 8.55 Uhr: 3600 Liter Wasser pro Minute wurden in den Reaktorkern gepumpt. Doch es gab weder eine Explosion noch eine Wirkung auf das Feuer. Als man feststellte, dass das Wasser durch die Kanäle im Reaktorkern am eigentlichen Brandherd vorbei schoss, verringerte man den Wasserdruck.

    Nun konnte das Wasser seinen Weg zum Brandherd finden. Zehntausende Liter verdampfendes Wasser setzten in einer riesige Dampfwolke weitere Mengen an Radioaktivität frei. Jetzt sahen auch die Menschen der Umgebung, dass in der Atomfabrik scheinbar etwas nicht stimmte. Doch sie wurden immer noch nicht gewarnt und gingen in einer radioaktiven Wolke wie jeden Tag ihren Tätigkeiten nach – von der Familie Tuohy einmal abgesehen.

    Das Wasser dämmte das Feuer zwar ein, konnte es jedoch nicht löschen. Erst als man um 10.10 Uhr die Luftzufuhr stoppte, indem man die Ventilatoren des Kühlsystems abschaltete, erlosch das Feuer nach drei Tagen allmählich. Um 15.10 Uhr konnten die Löscharbeiten beendet werden. Ca 9.000 m³ Löschwasser bildeten einen radioaktiver See um den Reaktorkomplex. Die Menge an Wasser entspräche dem Tagesbedarf von ungefähr 25 000 Haushalten je Tag.

    Erst am folgenden Tag wurde die Bevölkerung über die Katastrophe informiert und es wurde mit Jod 131 verseuchte Milch von den umliegenden Bauernhöfen eingesammelt und vernichtet.

    Am 12. Oktober sammelt man dann auf einem 500 km² großen Gebiet, in dem 3.700 Bq Strahlung überschritten wurde, die Milch zur Vernichtung ein. Zwar wurde auch ausserhalb dieses Gebietes eine extrem hohe Belastung der Milch mit Jod 131 festgestellt, doch man wollte die Bevölkerung nicht "unnötig" beunruhigen. Die Unterlagen über den Vorfall blieben unter Verschluss. Insgesamt wurden ca. 2 Millionen Liter mit Jod 131 verseuchte Milch in Flüsse oder in das Meer verklappt.

    Die bei dem Brand freigesetzte Wolke zog indes über Großbritannien hinweg und gelangte von dort aus auch auf das europäische Festland bis über die Schweiz.

    Bei der Katastrophe von Windscale wurden schätzungsweise feigesetzt:

    Strontium 90: 200 GBq
    Polonium 210: 1.4 TBq
    Cäsium 137: 20-45 TBq
    Tellur 132: 450-600 TBq
    Jod 131: 600-1000 TBq

    Offiziell beziffert man die Anzahl der Menschen, die in Folge der durch den Brand ausgetretenen Strahlung gestorben sind, auf 100 Personen. Doch es ist Jahre später fast unmöglich nachzuweisen, dass eine Erkrankung auf die Folgen dieser Katastrophe zurück zu führen ist. Experten gehen dagegen eher von mindestens 1000 Toten im direkten Zusammenhang mit dem Unglück aus.
    Die IAEA stuft diese Katastrophe auf der INES-Skala mit 5 (ernster Unfall) ein.

    Der Reaktor Pile 1 wird versiegelt und die nähere Umgebung bestmöglich dekontaminiert. Auch Reaktor Pile 2 wurde kurze Zeit später aus Sicherheitsgründen still gelegt. Der derzeit erfolgende Abbau und das Einlagern der Reaktoren und ihrer zugehörigen Anlagen wird mindestens bis zum Jahr 2012 andauern.

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    Dayton

    Mal endlich eine Aussage darueber, wie lange man das Po-210 ‘benutzen’ kann:

    Other experts point out that, since its half-life is 138 days, the polonium-210 was probably made in the recent past. "It would become less usable as years went by and after five years would be useless," says Philip Day, an environmental radiochemist from the University of Manchester.
    Ich dachte das sei wesentlich weniger!? Na ja, am Ende der Zerfallsreihe steht stabiles Blei. Das gilt auch nicht als sehr gesund


    „The shorter the half life, the more decays per second.”

    Polonium-210 ist der Strahlemann schlechthin. Mit seinen a-Strahlen ist Po-210 das giftigste (ich hasse an sich Superlative) Gift, das wir kennen.

    Alle Welt redet ueber Methan, das aus der Erde steigt. Mit Polonium steigt ein ganz anderes Kaliber aus der Erde.

    Aber jetzt zu Dayton:

    In the summer of 1942, the Corps of Engineers organized the Manhattan Engineer District. The purpose of the District's Manhattan Project was to build an atomic bomb.

    Polonium-210 was vital to this program, because … trigger …atomic bomb.

    The polonium project was undertaken by MCC at the company's Central Research Department in Dayton, Ohio, in September 1943, and became known as the Dayton Project.

    Prior to 1944, polonium had not been isolated in pure form or in any appreciable quantity. Therefore, any program involving the recovery, purification, and fabrication of polonium metal from a variety of sources required an understanding of the chemical and physical properties and the metallurgy of polonium-210. The Dayton Project's goal was to develop an understanding of the properties of polonium and its metallurgy.

    To obtain polonium in the quantities needed, other approaches to its production were investigated, and the transmutation of bismuth metal to polonium-210 by neutron irradiation was selected for production scale operations.

    In Dayton/Ohio begann die Zähmung der Alpha-Strahlung zur Neutronenquelle. Zusammen mit Beryllium gehört Polonium zu den Eltern der militärisch genutzten Kettenreaktion.

    Ohne die speziellen Eigenschaften des Poloniums wäre die Atombombe nicht expoldiert. Man kann das Polonium-Projekt als wesentlichen Teil des Manhattan-Projekt’s bezeichnen. Und da es in Dayton gestartet wurde, heisst dieser Teil der Geschichte Dayton-Projekt.

    Wer per wikipedia in Daytin vorbeischaut, ist erstaunt, von diesem Teil der Stadtgeschichte nichts zu finden. Auch die englische Version schweigt sich aus. Auch der Link "Dayton History Books Online" kennt kein Polonium.

    Los Alamos, Hanford und Oak Ridge, die andere Plätze im Manhattan-Projekt haben jeweils eigene Mussen innerhalb eines finanzstarken National Park System, die an den frühen Nano-Zauber erinnern. Und in Dayton? Erinnerung an die entscheidende Dressur des Poloniums? Tote Hose!

    Irgendwann trifft man auf im DeBrosse, der genau das seit zwei Jahren (December 8, 2004) beklagt: Warum redet keiner von Dayton und seiner bedeutenden Rolle innerhalb des Manhattan-Projekts?


    „If the trigger didn't work, the bomb wouldn't work, and the $2 billion invested in the Manhattan Project, as well as the concentrated efforts of thousands of the nation's best physicists, chemists and mathematicians over the past three years, would have been for nothing. “

    “Dayton is conspicuously absent from the list.”

    “Here it was produced, purified and harnessed for the first time in a crash program that took place in residential areas of Dayton and Oakwood, where neighbors hadn't a clue of what was happening under their noses.”

    "Between big trucks rolling in and out, the floodlights and heavy-duty power lines strung all over, the place was a real mess," Lee Jones of Oakwood recalled in a 1983 story about Runnymede Playhouse, part of the Talbott family estate where the polonium was refined. "But those were the days when you knew enough not to ask questions."

    "The Playhouse had been the leisure palace of the Talbott family, with giant ballroom, indoor squash and tennis courts as well as a stage for community theater. But when the Dayton Project needed a quick means of expanding, Thomas (Charles Allen Thomas, Forschungsdirektor von der Dayton's Monsanto Chemical Company), who was married to Margaret Talbott, suggested the Army take over the massive glass-topped structure, much to his mother-in-law's displeasure.

    Thomas promised to return the building to the family intact after the war - a promise he wouldn't be able to keep. Too radioactively "hot" to clean and restore, the Playhouse was dismantled in 1950 and was later buried in Tennessee.

    "The work in Dayton was so secret it was just never publicized," said Larry Blake, superintendent of the Dayton Aviation Heritage National Historical Park. "There may still be a tremendous amount of information that may not have been declassified about Dayton."

    Richard Rhodes' 1986 Pulitzer Prize-winning history of the Manhattan Project, The Making of the Atomic Bomb, devotes just two paragraphs to Dayton's role in his comprehensive 886-page tome.

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    Zitat Zitat von Julius
    "It would become less usable as years went by and after five years would be useless," says Philip Day, an environmental radiochemist from the University of Manchester.
    Hier eine andere Zahl: In the early bombs, the polonium 210 had to be replaced every three months.

    ...

    Manche schreiben, mit einem Gramm koenne man 100 Millionen Menschen toeten. Die International Atomic Energy Agency in Wien sieht das anders:

    "a simple gram of this substance represents 10,000 times the lethal dose."

    Worldwide production is thought to be about 100 grams a year: potentially enough to poison 1 million people.

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    Polonium Human-Injection Experiments

    In 1944, in response to concerns for the risk associated with occupational
    exposures to polonium, the Army Medical Corps authorized Rochester to undertake a study of the biological behavior of that element. The program was started in August 1944 with animals, and by November, studies with humans had begun. Eventually, tracer amounts of radioactive polonium-210 were injected into four hospitalized humans and ingested by a fifth.

    … During the Manhattan Project, it was decided to use that neutron
    source as an initiator of the chain reaction in the atomic bombs, thus making
    polonium (and beryllium) an occupational health hazard for the people who
    needed to develop and build the initiators.

    In the Rochester work, the subjects of the excretion studies were volunteers.
    The problem had been outlined to patients at the Rochester Hospital, who
    were told that it would involve the intake of tracer amounts of a radioactive
    substance followed by analysis of their excreta.

    Because polonium was not classified at that time,* the doctors may have even told the patients what substance they would be injected with. From the group of volunteers, four men and one woman were selected for the studies. They ranged in age from the early thirties to the early forties and were being treated for a variety of cancers (lymphosarcoma and various leukemias). One patient died from his cancer six days after the injection.

    Four of the volunteers were injected with doses of polonium in a soluble
    form that ranged from 0.17 to 0.3 microcurie per kilogram of body weight.
    The fifth patient drank water containing 18.5 microcuries of polonium chloride,
    equivalent to 0.19 microcuries per kilogram of body weight.

    The amount of polonium excreted in urine and feces were analyzed, and blood
    samples were taken to determine the amount freely circulating in the blood.
    Autopsy tissue samples were taken from the patient who died to determine
    the distribution of polonium throughout the body.

    Polonium-210 has a short half-life (138 days) and very high activity (4,490
    microcuries per microgram). The high activity meant very small quantities
    (of the order of nanograms, a factor of 1000 less than for plutonium) could
    be administered and detected, so concerns of chemical toxicity were minimal.
    The short half-life meant the substance would not remain in the body
    so that concerns about long-term radiation effects were also minimized. In
    1945, urine assays corresponding to the tolerance limits were 7 counts per
    minute for plutonium-239 but 1500 counts per minute for polonium-210.

    Such metabolic studies were possible at Rochester University in 1944 because
    polonium was available at that time. The research yielded important
    information for the Manhattan Project on the hazards of polonium and
    helped develop techniques for the similar but later studies of plutonium.
    *Polonium was classified in July 1945 and given the code name “postum.”

    Quelle:
    The Human Plutonium Injection Experiments (Polonium experiments - pg20)


    http://www.eh.doe.gov/ohre/roadmap/achre/intro_3.html


    http://www.gpc.edu/~shale/humanities...nt/atomic.html

    Question: If a place is contaminated with radioactivity, how long does it take for it to “extinguish” by itself? Does it depend on the levels of radioactivity found? Can you give examples? How can you decontaminate a place from it?

    Answer: Polonium-210 has a half-life of 138.4 days. This means, if one has a fixed amount of polonium-210, after 138 days half of this amount is decayed to lead-206. One half of the remaining half is then again decayed after 138 days, leaving one quarter of the initial amount. This continues until all the polonium-210 has decayed. After 10 half-lives, one-thousandth of the initial amount remains, that means that it is essentially gone after 1,384 days.
    Quelle:
    http://www.lbl.gov/today/2006/Dec/14...sche-jump.html


    http://www.hc-sc.gc.ca/sr-sr/finance...tsri-66_e.html

  14. Nach oben   #14

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    Hintergrund: Polonium
    Einige interessante Hintergrundinformationen zu Polonium

    Das Element Polonium kommt in messbarer Menge nur als das Isotop 210 in der Natur vor. Von den festen Elementen ist es im Mittel in der Erdkruste, also bis 16 km Tiefe, das seltenste mit 1,5 x 10e-15 % . In der Zerfallsreihe von Uran (hier 238-U) befinden sich im Gleichgewicht für 1 Tonne Uran jeweils 100 Milligramm 226-Radium und in der nachfolgenden Zerfallskette nur 73 Mikrogramm 210-Polonium. Das bedeutet, dass man bei einer (idealisierten) mittleren Elementeverteilung eine Fläche eines Fußballfeldes (100 x 200 m) 2 m tief ausheben und das ganze Material auf Polonium verarbeiten müsste, um auch nur 1 mg dieses Elementes zu gewinnen. Historisch ist es trotz seiner Seltenheit wegen der intensiven Alphastrahlung noch vor dem Radium 1898 von Madame Curie in Rückständen der Uranpechblende entdeckt worden.

    Polonium ist ein um etwa das 4200 fache stärkerer Alphastrahler als Radium. Während schon das Radium bis zur Entdeckung der Kernspaltung eher eine Laboratoriumskuriosität war (es gab bis 1938 weltweit gerade mal 750 g abgetrenntes Radium), war das Polonium, das in der Reihe der Chalkogenide (Sauerstoff, Schwefel, Selen, Tellur, Polonium) das schwerste Element ist, noch viel seltener. Mit einem je nach chemischem Umfeld im alkalischen Bereich nichtmetallischem bis zum stark sauren Bereich metallähnlichen Charakter ist es im Reaktionsverhalten dem Wismut am ähnlichsten. Mit seiner vergleichsweise hohen Alphaenergie von 5,304 MeV und der feinen Verteilung in kleinste Partikel, wie das aus seinem chemischen Charakter zu erklären ist, führt der Alpha-Rückstoß zu einer raschen diffusiven Verteilung, so dass es nur in geschlossenen Systemen oder durch die kohäsive Wirkung großer Oberflächenspannungen von Lösungen oder Gläsern zusammengehalten werden kann.

    Die Wege von Polonium in der Natur sind von den Wegen des Urans vorbestimmt. Uran ist in der Erdkruste mit 2 x 10e-3 % häufiger als Silber, aber ungleich zu diesem auf Grund seiner chemischen Natur sehr weit verteilt und damit nur in wenigen Erzkörpern angereichert. Die relativ hohe chemische Stabilität der Pechblende in primären Uranerzen bedingt, dass die in ihr entstehenden radioaktiven Zerfallsprodukte nur spurenweise um das Erz herum verteilt werden. Einzige Ausnahme in der Zerfallsreihe ist das gasförmige 222-Radon, das unterirdische Erzkörper an der Erdoberfläche signalisieren kann und in der erdnahen Atmosphäre in wechselnden Mengen überall vorkommt und wegen seiner Alphastrahlung einen Teil der uns von der Natur zugemessen Belastung an ionisierender Strahlung ausmacht.

    Werden jedoch Uranerze in tieferen geologischen Schichten durch saure oder alkalische Wässer unter höherem Druck und bei den dort herrschenden entsprechend hohen Temperaturen angeströmt, dann löst sich das Uran vorzugsweise in seiner 6-wertigen Form und kommt so z.B. bei untermeerischen Lösungsausbrüchen (”Black Smoker”) aus Spalten zusammen mit einer Reihe anderer Schwermetalle in das umgebende Meerwasser.
    Man muss heute annehmen, dass es gerade diese Bereiche im Meer waren, an denen das Leben - noch in Abwesenheit von Sauerstoff in Form der anaeroben Lebenszyklen - seinen Anfang nahm. Für die Weitergabe der Bauprinzipien des Lebens ist die aus Eiweißbestandteilen aufgebaute Doppelhelix essentiell, die ihrerseits Phosphatasen zur Bildung und Verkettung benötigt.

    Die Konzentration von Phosphor, der ja im Mittel sogar häufiger als Kohlenstoff in der Erdkruste vorkommt, an diesen Heißwasseraustritten war - wie bei allen vulkanischen Stoffströmen - für den Lebensprozess auskömmlich hoch, jedenfalls höher als im Durchschnitt. Die Beibehaltung des Bauprinzips des Lebens im übrigen Ozean war deswegen nicht so einfach, weil die durchschnittliche Phosphorkonzentration dort nur 1 ppm beträgt. Daher musste dieser „Mangel“ in der Nahrungskette sorgfältig bewahrt und weitergegeben werden, was sich in der hohen Anhäufung von Phosphor in abgestorbenen Resten aus dem Biozyklus z.B. im Sapropel zeigen lässt.
    Die im Meer als 6-wertiges Uran salzarig gelösten Anteile haben bei Kontakt mit reduzierenden Stoffströmen (Öl, Sapropel, Knochen u.a.) die Eigenart, zu vierwertigem und damit völlig unlöslichem Uran festgehalten zu werden, womit sie (gleich fast allen sekundären Uranvorkommen) hier in den Phosphaten eingelagert wurden, die wir heute als natürliche Phosphatlager (z.B. Algierphosphat) als Apatit bergmännisch gewinnen und mit Schwefelsäure als primäres Phosphat löslich und düngerwirksam aufschließen.

    Natürliche Phosphate enthalten zwischen 600 und 1200 ppm Uran und seine Folgeprodukte. In manchen Phosphatdünger-Fabriken wird daher bereits heute das Uran als Nebenprodukt gewonnen. Wegen des kostenmäßig billigsten Aufschlussmittels Schwefelsäure ist das dort enthaltene Radium als unlösliches Sulfat eingebunden. Ebenso enthält das Superphosphat in der Form von Gips den für manche Pflanzen günstigen Schwefel als „Dünger“. Unter den Kulturpflanzen sind das neben Radieschen u.a. alle Tabaksorten.

    Untersuchungen zeigen, dass Pflanzen metallische Spurenelemente bei der Aufnahme nicht immer nach dem Element, sondern nach dessen chemischen Eigenschaften sortieren. So nimmt z.B. aufwachsender Hafer statt Zink ebenso ungefährdet Cadmium auf, was dann aber für den Menschen ungleich schädlicher ist. Tabak scheint unter den Chalkogeniden ebenso wenig zu wählen, so dass er mit dem Schwefel allfällig vorhandene höhere Chalkogenide über Selen und Tellur bis zum Polonium in das Pflanzengerüst einbaut. Das letztere ist in der Pflanze besonders durch seine chemischen Eigenschaften festgelegt und wird erst bei der Zerstörung der biologischen Substanz wieder freigesetzt. Daher kommt es, dass der vorzugsweise mit Superphosphat gedüngte Tabak als Poloniumsammler gilt, wobei etwa ein Drittel der Schadwirkung von Tabakrauch der Inhalation von Polonium über den Rauch als Feinstaubträger angelastet wird.

    Diese Eigenart von Tabak hatte auch schon skurrile Nebenwirkungen. Es ist üblich, nach der Blatternte von Tabak die Pflanzenreste auf den Feldern zu verbrennen, worauf wegen des hohen Restgehaltes der Asche an düngewirksamen Stoffen diese auch für Nachbarkulturen wie z B. Spargeln verwendet wird. So auch geschehen irgendwo in der Rheinebene in den 60er Jahren. Mit dem Anlaufen der Plutoniumverarbeitung damals im Kernforschungszentrum Karlsruhe war es Sorgfaltspflicht, alle Mitarbeiter routinemäßig im Monatsabstand durch Analyse von Urinproben auf allfällige Plutoniuminkorporation zu untersuchen. Irgendwann im Juni wurde von der medizinischen Abteilung Alarm gegeben, weil plötzlich bei zwanzig der damals etwa 100 Beschäftigten angeblich Plutonium im Urin gefunden wurde, dabei allerdings auch bei Büropersonal, das mit der Hantierung von Plutonium nichts zu tun hatte. Erst nach Tagen konnte nachgewiesen werden, dass es sich um kleine Mengen Polonium der „Spargelesser“ gehandelt hatte, da die beiden zu messenden Alphaenergien (5,304 MeV bei 210-Polonium gegen 5,147 MeV bei 239-Plutonium) nur 3% auseinander liegen und messtechnisch schwer zu trennen waren.

    Genau genommen sind wir Poloniumspuren eigentlich immer und überall ausgesetzt. Es ist die besondere Eigenart starker Strahler wie der des Poloniums, durch die dabei entstehenden elektrischen Ladungen an allen verfügbaren Oberflächen angelagert zu werden. Das ist einerseits von Vorteil, wie z. B. die Messung jedes beliebigen Feinfilters eines Hausstaubsaugers zeigen kann. Der zeigt mit etwa einer Stunde Halbwertszeit eine messbare Beladung mit festen alpha-aktiven Nukliden aus dem Zerfall des überall vorhandenen Radons an, worunter neben Blei-210 auch sehr kleine Mengen Polonium-210 gefunden werden. Unterstellt man z.B. den schon relativ hohen Radon-Richtwert der ICRP-empfehlung 2005 von 600 Bq/m3 und einem Durchsatz des Staubsaugers von insgesamt 10 m3, dann fänden sich auf dem Filter u.a. rund 20 Bq Polonium. Atmete man dann parallel dazu forciert so um die 3 m3/Stunde, so entspräche die gesamte Lungendeposition maximal 1 Millionstel der tödlichen Poloniummenge und ist somit zu vernachlässigen. Der Nachteil der Flächenadsorption ist aber, dass auch andere in der Luft vorhandene Feinstäube, wenn sie in der Lunge deponiert werden, das etwa vorhandene Polonium dorthin mit transportieren und dort ablagern. Messungen an Lungengewebe von Uran-Bergarbeitern zeigen daher besonders viel Blei-210 und Polonium 210, wenn dieselben auch noch Raucher waren.

    Größere Poloniummengen selbst im Milligrammmaßstab waren aber bis in die 50er Jahre eher eine Laboratoriumskuriosität. Gerade wegen seiner hohen Alpha-Aktivität war Polonium aber in der Anfangszeit der Atombombenentwicklung sehr gesucht. Schon wenige mg ergeben im Gemisch mit Beryllium eine starke Neutronenquelle, die den Ablauf der Kernspaltung beschleunigt. Reste zusammen mit dem Mutternuklid 210-Pb, soweit es aus der Radiumzerfallskette stammt, gibt, bzw. gab es wahrscheinlich in allen Nuklearwaffenstaaten. Aus früheren Falloutanalysen oberirdischer Atombombenversuche ist es für England und Russland bis in die 60er Jahre, für China bis1980 nachgewiesen. Erst später hat man primitive Zündvorrichtungen auf 241-Americium umgestellt, während moderne Kernwaffen stattdessen nur noch hochspannungsbetriebene Neutronenbeschleuniger verwenden.

    Um reines Polonium in messbaren Mengen herzustellen, musste man ursprünglich aus den Zerfallsprodukten des Radiums am besten über die Abtrennung der gasförmigen Radiumemanation (222 Ra) und das einzige einigermaßen stabile Zwischenprodukt 210-Blei das Polonium chemisch abtrennen, was durch chemische Fällreaktionen über die unterschiedliche Säurelöslichkeit der Sulfide gelingt. Da bei der Abtrennung von Uran aus den Erzen Radiumhaltige Abfälle anfallen, die normalerweise deponiert werden müssen, kann man dort ansetzen und diese mit Salzsäure auslaugen und dann - wenn auch aufwendig - aus den sauren Restlösungen über Sulfidfällung Blei-Polonium-Konzentrate als Vorprodukte gewinnen. Es ist vorstellbar, dass es solche Abtrenneinrichtungen für Polonium in Kernwaffenländern immer noch gibt, die aber derzeit für Waffenzwecke überholt sind und daher kaum noch genutzt werden.

    Der zweite Weg führt über die Bestrahlung von Wismut im thermischen Neutronenfluss. Nach: (209 Bi + n = 210 Bi, -ß -> 210 Po) entsteht - wenn auch mit geringer Ausbeute nach einigen 10 Milligrammen pro Tonne Wismut und Jahr - das 210-Polonium. (Das daneben auch noch entstehende Wismut 210 als Alphastrahler mit 3x10e6 Jahren Halbwertszeit ist nur eine nachgeordnete Verunreinigung.)

    Ein weiterer ebenso aufwendiger Weg wäre über die Protonen-Bestrahlung von Wismut direkt zu Polonium möglich. Von Russland wird berichtet, dass die entsprechenden eigens für Poloniumgewinnung betriebenen thermischen Reaktoren vor 2 Jahren stillgelegt wurden. Dem widerspricht aber der Umstand, dass jährlich angeblich etwa 8 g Polonium von Russland offiziell an die USA verkauft werden, wo sie hauptsächlich zur Herstellung von Antistatikelektroden verwendet werden. Diese sind vor allem für schnellaufende Druckmaschinen nach dem Xerox-Prinzip notwendig, das ja mit elektrostatischen Flächenteilladungen arbeitet und wo daher statische Vorladungen der Stoffe oder des Papiers abgeleitet werden müssen.

    Quelle für dieses Polonium sind jetzt wohl die Kühlmittel der Blei-Wismut-gekühlten Reaktoren (u.a. Russische U-Boote der A-Klasse), die von Zeit zu Zeit u.a. durch Überhitzen der enthaltenen Legierung unter Wasserstoff (Poloniumhydrid-Ausgasung) und Abscheidung des Poloniums an Silberoberflächen gereinigt werden.
    Daher steht es weiterhin in kleinen Mengen zur Verfügung. Seine Weitergabe, u.a. an US-Firmen, soll aber streng überwacht sein und neben der Universität Moskau haben nur noch drei militärische Institutionen darüber Verfügungsgewalt. Es gibt allerdings nicht ganz unbegründete Zweifel an der Lückenlosigkeit der Überwachung von Radionukliden, da im Westen immer wieder einmal von dubiosen Händlern starke Strahler zu stark überhöhten Preisen als Schwarzmarktware angeboten werden.

    210-Polonium zerfällt als reiner Alphastrahler zu 206-Blei. Alphastrahler haben zwar eine sehr hohe Energie, aber nur eine sehr kleine Reichweite. In Luft sind das weniger als 4 cm, in menschlichem Gewebe keine Zehntelmillimeter. Man kann sie also an einem Vergifteten (die vermutlich angewandte tödliche Dosis soll das mehrhundertfache der tödlichen Dosis von Bruchteilen eines mikrogramms gewesen sein) von außen selbst in dieser Überdosis nicht nachweisen. Es gibt zwar eine relativ seltene Gammastrahlung von 0,8 MeV, die aber von Röntgen- oder Zählgeräten wegen ihrer hohen Energie der kosmischen Höhenstrahlung zugerechnet würde und damit subtraktiv durch die Messung fiele.

    Weil der Zeitpunkt der Poloniumherstellung und der des Mordes nicht aufeinander abgestimmt sein muß, würde man für ein langfristig wirksames Gift die Anwesenheit des längerlebigen Mutternuklids Blei-210 benötigen. Es kann aber ebenso sein und ist nach heutigen Erkenntnissen wahrscheinlicher, dass das Polonium aus der kommerziell und gesichert nach USA verkaufbaren Menge frisch abgezweigt wurde. Den Overkill durch die hohe angewandte Dosis könnte man damit begründen, dass der Ermordete, hätte er die Inkorporation bemerkt, durch entsprechende sofort eingeleitete medizinische Maßnahmen wie z.B. die Dekorporation mit komplexierenden Mitteln (Zn-EDTA, wie bei anderen Inkorporationen von Actiniden bewährt) noch hätte gerettet werden können, was aber bei einer solchen Überdosis unmöglich ist.

    Die Vergiftung mit den relativ großen Mengen bei diesem Mord erfolgt über den Verdauungstrakt, die Nieren und die Leber, deren Zellen durch die massiven Alphastrahlen zerstört werden. Daher das Gelbsuchtgesicht des Mordopfers. Ein Bruchteil der Menge (0,38 bis 0,7 Mikrogramm werden angegeben) würde zunächst keine sichtbaren Folgen haben, aber über den Verdauungsweg Niere-Leber-Blut im Knochen verbleiben und dort die blutbildenden Zentren zerstören, was zu Leukämie ohne Heilungschancen führen würde.

    Bleibt noch die Frage nach einem Quellennachweis, wo das Polonium denn hergekommen sein könnte. Wäre die Quelle der natürliche radioaktive Zerfall, dann müsste man das Mutternuklid Blei-210 finden. Selbst wenn der Ermordete aus anderen Quellen Blei im Organismus gehabt hätte, würde eine Isotopenanalyse den Unterschied zu „Natürlichem Blei“ mit der weit überwiegenden Masse 207 deutlich erkennen lassen. Fehlt aber das Blei-210 gänzlich, dann handelte es sich um Polonium aus der Wismut-Bestrahlung in Reaktoren. Dabei rechnet man mit kleinen Mengen an Verunreinigungen, u.a. mit restlichem Wismut und Ruthenium. Das würde allenfalls den Weg, aber nicht den Ort (Reaktor) der Herstellung aufzeigen. Parallelanalysen aus kommerziell verkauftem Polonium über dessen Verunreinigungen sind bisher nicht bekannt geworden. Zum Zeitpunkt wäre allenfalls das Verhältnis von restlichem Polonium zu dessen Zerfallsprodukt Blei 206 ein Hinweis.

    Insgesamt steht die Forensik aber vor dem Problem, aus den Autopsieergebnissen, gewonnen frühestens vier Wochen nach der Vergiftung, etwas aussagen zu sollen, wobei die Verstoffwechselung der verschiedenen infrage kommenden indikativen Verunreinigungen im Organismus des Opfers parallel zum sukzessiven Organversagen und damit deren Auftauchen in der Autopsie auch wegen eventueller Vorbelastungen (Raucher? Trinker?) sehr unterschiedlich und so unvorhersehbar verlaufen sein könnte. Man wird es also kaum in einem Indizienprozess aufklären können.

  15. Nach oben   #15
    Avatar von Sandra
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    Zitat Zitat von Julius
    in der Autopsie auch wegen eventueller Vorbelastungen (Raucher? Trinker?) sehr unterschiedlich und so unvorhersehbar verlaufen sein könnte.
    Tja, rauchen ist schaedlich ! Was beweist dies alles, vorallem der Mensch ist und bleibt nach seinem Ableben Sondermuell! Spass bei Seite, ich finde Julius wirklich tolle arbeit, viel gesammelt! Ob aber und wie, wann und von wem, ich vermute wir werden es in 30 Jahren erfahren, wenn wir dann noch nicht als Sondermuell verbrannt sind vielleicht hat er ja auch nur Belamorkanal geraucht

  16. Nach oben   #16

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    Das ganze ist ein Lehrstueck in Presse'freiheit'. Zuerst ist die Presse so frei, keine Ahnung von dem Zeug zu haben, danach so frei, hemmungslos ohne jedes Rechtsbewusstsein Russland vorzuverurteilen und dann abschliessend so frei, von einem Tag zum anderen die Berichterstattung komplett einzustellen.

    Wahrscheinlich ist fuer journalistische Lebensbrotler der Gedanke an Polonium so Gehirn zersetzend, dass die Schreibloehner schlagartig veralzheimerten. Die wissen bestimmt nicht mehr, wer ihnen den Griffel aus der Hand befahl.

  17. Nach oben   #17

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    Globale Pest

    Lob an RIA/russsland.RU! Gefundenes Fressen fuer mich.

    " ...

    Nach jüngsten Angaben aus der IAEO-Datenbank wurden im Jahre 2005 insgesamt 103 Fälle von illegalem Handel nuklearer bzw. radioaktiver Materialien registriert.

    Wie viele solche Zwischenfälle müssen noch passieren, bis endlich internationale Maßnahmen dagegen getroffen werden?

    Oder müssen wir "Mondsüchtige bleiben, die sich einer Katastrophe annähern"? Der "Polonium-Zwischenfall" in London ist ein weiteres Kennzeichen der "radioaktiven Pest", die unsichtbar auf der Erdkugel umgeht."

  18. Nach oben   #18

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    Eben im Netz haengen geblieben:


    Center for Disease Control and Prevention
    http://www.bt.cdc.gov/radiation/isot...nium/index.asp

    http://www.iaea.org/Publications/Fac...lonium210.html

    health protect agency
    http://www.hpa.org.uk/polonium/default.htm

    Tipps fuers Labor unter VIII.
    http://hpschapters.org/northcarolina/NSDS/210PoPDF.pdf

    Health Physics Society
    http://hps.org/documents/po210_information_sheet.pdf


    Die Umwelt- und biochemischen Kräfte, die zur Aufkonzentrierung dieser giftigen Materialien in lebenden Zellen neigen können, sind nicht gut erforscht.
    Obgleich Polonium in der Natur auftritt ist es dem Wasser, der Nahrung, lebenden Zellen und dem Gewebe viel leichter zugänglich geworden seit dem Konjunkturaufschwung im Bergbau, welcher kurz nach dem zweiten Weltkrieg begann.
    http://www.lenntech.com/deutsch/Data-PSE/Po.htm

    ...
    Detection of Po-210 Contaminations

    Contamination with Po-210 on surfaces can easily be detected by using a handheld contamination monitor capable of alpha particle detection. Berthold Technologies offers the LB 124 SCINT contamination monitor for this purpose. This instrument has a low weight and a high efficiency for the detection of alpha particles.
    http://www.bertholdtech.com/ww/en/pu...and_measur.cfm

    ...
    The tobacco industry, of course, doesn't like to have attention drawn to some of the more exotic poisons in tobacco smoke. Arsenic, cyanide and nicotine, bad enough. But radiation?
    As more people learn more about the secrets hidden in the golden leaf, it may become harder for the industry to align itself with candy and coffee - and harder to maintain, as we often hear in litigation, that the dangers of tobacco have long been "common knowledge."
    Robert N. Proctor (den hatte ich schon mal zitiert; letzte Woche schrieb er in der SZ):
    http://www.iht.com/articles/2006/12/.../edproctor.php


    Polonium in Tabak total;
    Sehr informativ, erst 89mal angeklickt:
    http://www.webspawner.com/users/radi...eat/index.html
    http://www.webspawner.com/users/radi...cco/index.html


    das Alles und mehr auf:
    http://www.radwaste.org/hot.htm


    auch nicht schlecht
    http://www.radwaste.org/news.htm

    ...
    We're not afraid of the alpha ray,
    A sheet of paper will keep it away!
    A beta ray needs much more care,
    Place sheets of metal here and there.
    And as for the powerful gamma ray
    (Pay careful heed to what I say)
    Unless you wish to spend weeks in bed,
    Take cover behind thick slabs of lead!
    Fast neutrons pass through everything.
    Wax slabs will remove their nasty sting.
    These slow them down, and even a moron
    Knows they can be absorbed by boron.
    Remember, remember all that I've said,
    Because it's no use remembering when you're dead.

    http://canberra.yourguide.com.au/det...ce&m=12&y=2006

  19. Nach oben   #19

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    aus dem lezten link von Professor Selinger, who is emeritus professor in the chemistry department at ANU and used to love teaching radiochemistry.

    While nuclear reactors and accelerators are the obvious choice for high-purity polonium, if you are not too fussed about impurities in your victim's diet, a 21st-century application of Curie's chemistry (ion exchange columns and the like) is a feasible substitute. Persons not too concerned about personal safety could do the extractions fairly quickly (next job: suicide bomber).

    Unlike Curie, you do not have to start with tonnes of uranium. Oil and gas wells pump up significant amounts of radioactive material, as recorded by the Australian Radiation Protection and Nuclear Safety Agency's report on Naturally Occurring Radioactive Materials in Australia.

    "In the oil and gas industry, NORM, particularly radium isotopes, is present in production water, sludges and hard scales. Disposal of this sludge is by on-shore landfill or dumping at sea from the production platform . Equipment with NORM scales is either cleaned for re-use or stored waiting approval for scrap-metal smelting, disposal or other recycling options," the report said, based on information supplied by the industry.

    As well as radium, the deposits in the pipes of oil and gas wells contain the expected array of radium's radioactive descendants, including polonium. So this makes a much more economical starting material.

    They are more penetrating, but less damaging one-for-one, than alpha particles. Gamma rays are energetic x-rays and cause the same damage as x-rays. The natural radioactive isotope of potassium, K40, causes the body's highest internal natural radioactive exposure. This isotope produces the argon in our atmosphere and has probably had a role in causing DNA to mutate over the eons, thus allowing natural selection to progress from amoeba to human.

    International attempts to control bomb-making nuclear material have not been terribly effective. Controlling non-bomb-making nuclear material has hardly started. Some of this (like polonium) is ideal for dirty bombs (conventional explosive dispersing radioactive material).

    In Australia, we have been arguing for decades to provide secure national storage facilities and only now seem to have found a place over the screaming bodies of Northern Territory politicians rendered constitutionally impotent. What control is there over recycling contaminated refinery metal?

    We don't want it ending up in our stainless steel cutlery. We live on a radioactive planet. We need to teach radiochemistry. We need to deal with current waste issues intelligently so that any possible future nuclear expansion will fit into an existing framework that has by then hopefully built up community confidence.

  20. Nach oben   #20

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    darf nicht fehlen in der Quellensammlung

    Michael Karpin reveals in the book that polonium 210 killed several Israeli scientists a few decades ago.

    According to the book, in 1957 a leak was discovered at a Weizmann Institute laboratory operated by the Atomic Energy Commission (AEC). Traces of polonium 210 were found on the hands of Prof. Dror Sadeh, a physicist who researched radioactive materials, as well as on various objects in the professor's home. The AEC handled the accident with deep secrecy. After a short investigation, whose results were not presented to even the workers, the lab was hermetically sealed for several months.

    A month after the lab closed, a physics student died of leukemia. A few years later, Prof. Yehuda Wolfson, Sadeh's direct supervisor, also died, and Prof. Amos de Shalit, the department's director, died of cancer in 1969 at age 43.

    When the leak was discovered, Sadeh was terribly anxious, but tests indicated he was well. But according to Karpin's book, the tests did not include his bone marrow. Sadeh and his wife hid the facts from their family and friends until he died prematurely. The cause of death was cancer.

    The Israeli authorities did not admit that the leak and the deaths were connected, but people close to Sadeh confirmed that the state took responsibility for the accident and compensated his family.

    :05/12/2006 w w w . h a a r e t z . c o m By Akiva Eldar


    Michael Karpin, 2006, the bomb basement: How Israel went nuclear and what that means for the world. Simon and Schuster. ISBN 0743265947.

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    Fuer die Hausapotheke oder als Anlage-Tipp
    ...

    Drugresearcher.com

    Spying on possible polonium therapies

    By Mike Nagle




    05/02/2007 - In the light of the death of former Russian security agent, Alexander Litvinenko, pharma companies developing anti-radiation drugs are increasingly under the spotlight.

    A recent article by Steve LeVine in the Wall Street Journal highlighted three drugs that could possibly be used to protect against the effects of radiation poisoning.

    The US government had already established Project BioShield in 2004 and set aside $5.6bn to improve medical protection against a biological, chemical, radiological or nuclear attack. However, since Litvinenko was poisoned, companies developing anti-radiation drugs have received a lot more attention.
    ...
    There are two possible approaches when designing a drug against radiation poisoning. The first strategy is to protect the body from the effects of the contaminant. Exposure to radioactive substances can cause bone marrow damage. The immune and blood stem cells are also depleted. In the long-term, effects on cell division can also cause cancer.

    LeVine identified two drugs that work on this basis. The first, Protectan (CBLB502), is being developed by Cleveland Biolabs. A derivative of the protein flagellin, it activates NFkB proteins that, in turn, prevent cells from committing suicide, thus giving the immune system more time to respond to the radiation. However, as yet, the drug is only being tested against gamma radiation, rather than the alpha radiation that emanates from polonium.

    The second drug is Neumune (HE2100, androstenediol), which is co-developed by Hollis-Eden Pharmaceuticals with the Armed Forces Radiobiology Research Institute (AFRRI) — an agency within the US Department of Defense. The steroid is currently in Phase I/II trials and could ameliorate the effects of bone marrow damage by causing more white blood cells and platelets to be formed.

    Also, Drugresearcher.com recently reported that the Minnesota-based pharmaceutical company Humanetics has been cleared to start Phase I clinical trials of Bio 300, a tyrosine kinase inhibitor that could prevent and protect against acute radiation syndrome (ARS). There are no drugs currently approved by the US Food and Drug Administration (FDA) for the prevention and treatment of the bone barrow damage seen in ARS.

    Bio 300 is thought to stimulate cell growth and differentiation and prevent radiation-induced cell death, which is triggered by tyrosine kinase. The drug also has potentially significant antioxidant effects that could prevent the cell damage caused by oxidative free radicals during and after exposure to ionising radiation.

    In preclinical studies in mice subjected to radiation, survival rates increased from six to 81 per cent with Bio 300 compared with placebo.
    RxBio develops RX100, a small molecule drug that can be given orally and promotes cell survival while inhibiting cell suicide. It has been shown, in animal studies, to protect against lethal, whole-body radiation even when administered up to six hours after exposure.

    Canadian company Cangene develop Leucotropin (GM-CSF) for the treatment of ARS. GM-CSF is a protein that stimulates the production of infection-fighting white blood cells in the body depleted by radiation.
    The second therapeutic approach is to reduce absorption and speed up the excretion of contaminants. It has been suggested that so called chelating agents can do this by binding to and moving heavy metals to the kidney. From here they can do less damage and are eventually excreted from the body.

    A study by scientists in Czechoslovakia tested the ability of nine different chelating agents to reduce polonium-210 in rats. The nine compounds included sulphur-based dithiols and dithiocarbamates. The researchers found that the treatments merely caused a redistribution of Po-210 in the body.
    However, four compounds were identified as being possibly useful in reducing polonium in the body. These were Dimaval (DMPS), Chemet (succimer or DMSA), phthalamidic acid (DMPA) and dimercaprol, which is also known as British Anti-Lewisite (BAL) - it was developed in Oxford during World War II as a treatment against the now obsolete chemical warfare agent, Lewisite.

    The greatest reduction of polonium in the blood came from using BAL and DMPA. However, BAL increased the amount of Po-210 in the brain while DMPA and DMPS increased levels in the kidneys.

    The whole-body burden of polonium was significantly reduced when BAL was used in conjunction with other agents. Repeated, prolonged treatment with BAL led to removal of polonium from the bone, spleen and kidneys.
    Levels of polonium throughout the body could not be reduced lower than 85% of the untreated controls by any of the chelators tested.

    Indeed, the third compound mentioned by LeVine is Chemet from Ovation Pharmaceuticals. It has been approved by the FDA to treat lead poisoning in children. Along with DMPS, the drug has also been used to remove mercury from the body but may also prove useful in cases of polonium exposure.


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