Zur Kooperation in Handel und Wirtschaft zwischen Russland und der Schweiz: Fazit 2005

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(Von Prof. Dr. oec. sc. Juri Chromow, amtierender Handelsbeauftragter der Russischen Föderation in der Schweiz)
Die Handelsbeziehungen zwischen Russland und der Schweiz haben eine reiche Geschichte und beruhen auf einer stabilen vertragsrechtlichen Grundlage, deren Basis die Regierungsabkommen über Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Russischen Föderation und der Schweizerischen Eidgenossenschaft (vom 12. Mai 1994), über die Verhinderung der Doppelbesteuerung von Einkommen und Kapital (vom 15. November 1995) und über die Handelsvertretung der UdSSR in der Schweiz (vom 17. März 1948) darstellen.

In Übereinstimmung mit dem Abkommen über Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit geht die Schweiz in ihrer Politik bezüglich der Kooperation mit Russland in Handel und Wirtschaft davon aus, dass diese auf der Grundlage der WTO-Prinzipien und der Erfüllung der Verpflichtungen im Rahmen der bilateralen und der internationalen Verträge, denen sich Russland angeschlossen hat, der Nichtanwendung spezieller Einschränkungen für russische Waren und Leistungen sowie des Verzichts auf Diskriminierung und Anti-Dumping-Ermittlungen gestaltet werden soll.

Die Hauptrichtungen der russisch-schweizerischen Kooperation sind heute Handel, Zusammenarbeit im Investitionsbereich, technische und finanzielle Unterstützung sowie wissenschaftlich-technische und Produktionskooperation.

1. Die Entwicklung des russisch-schweizerischen Handels

Ein wichtiges Ergebnis des Jahres 2005 war die wertmäßige Umfangsvergrößerung des bilateralen Warenumsatzes um 13,6 Prozent gegenüber 2004 auf 2,55 Milliarden SFr.*

Außerdem konnte 2005 die seit mehreren Jahren anhaltende negative Tendenz zur Verringerung der russischen Lieferungen in die Schweiz praktisch überwunden werden. Der Umfang des russischen Exports verringerte sich 2005 lediglich um vier Prozent auf 964,4 Millionen SFr, was von einer beträchtlichen Verlangsamung des Rückgangs zeugt (2004 hatte die Verringerung des russischen Exports wertmäßig mehr als 14,5 Prozent betragen).

Diese positiven Veränderungen in der Dynamik der russischen Lieferungen in die Schweiz waren in erster Linie auf eine Vergrößerung des wertmäßigen Umfangs der Lieferungen solcher Warengruppen wie Chemie- und Pharmaerzeugnisse (um mehr als 39 Millionen SFr bzw. 84,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres) sowie Maschinen, Anlagen und Elektronik (um 32,3 Millionen SFr bzw. um 120,3 Prozent) zurückzuführen. Dementsprechend vergrößerten sich die Anteile dieser Warengruppen am gesamten russischen Lieferumfang auf 8,9 bzw. 6,1 Prozent, womit diese wertmäßig entsprechend auf die Plätze drei beziehungsweise vier auf der russischen Exportliste emporgestiegen sind.

Die Vergrößerung der Lieferungen in diesen Warengruppen war vor allem mit einer Vergrößerung des Umfangs des schweizerischen Imports anorganischer Rohstoffe und anorganischer Basisstoffe (um mehr als 91 Prozent) sowie mit dem Kauf von Turbinen im Wert von 54,8 Millionen SFr verbunden.

Diese Veränderungen wirkten sich positiv auf die Struktur des gesamten russischen Exports aus. Ein ernsthaftes Problem besteht allerdings wie in den letzten Jahren darin, dass die russischen Lieferungen nicht ausbilanziert und warennomenklaturmäßig begrenzt sind. Einen beträchtlichen Anteil machen nach wie vor Edelmetalle und -steine aus: 2003 waren das mehr als 76 Prozent des gesamten Warenumfangs und im Folgejahr rund 75,9 Prozent. Gerade die Verringerung des Umfangs der Lieferungen dieser Warengruppe im vergangenen Jahr um 14,2 Prozent führte zur generellen Umfangsverringerung des russischen Exports in die Schweiz. Der Anteil dieser Warengruppe am gesamten Wertumfang des russischen Exports verringerte sich dabei 2005 auf 65,1 Prozent.

Von den Edelmetallen liefert Russland hauptsächlich Platin in die Schweiz. Dieses Metall kann allerdings, streng gesehen, nicht als ein Rohstoff betrachtet werden, weil es einen hohen Mehrwertanteil beinhaltet und als ein wichtiges Halbfabrikat für die Kfz-Industrie (Produktion von Katalysatoren) sowie für die Schmuckindustrie gelten kann.

Die zweitgrößte Warengruppe des russischen Exports sind traditionell Energieträger: 2005 machten sie 11,9 Prozent des russischen Exports aus. Wertmäßig vergrößerte sich der Umfang dieser Lieferungen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 22,4 Prozent auf 114,5 Millionen SFr. Praktisch der gesamte Lieferumfang in dieser Warengruppe entfiel auf Erdgas (99 Prozent bzw. 113,9 Millionen SFr). Die gewisse Erhöhung des Anteils an Energieträgern an der Struktur des russischen Exports in die Schweiz war ausschließlich mit dem Anstieg der internationalen Naturgaspreise verbunden. Unter den anderen Warengruppen des russischen Exports wiesen die folgenden ein besonders hohes Wachstumstempo beim Lieferumfang gegenüber dem Vorjahr auf: Agrar- und Holzerzeugnisse sowie Fischereiprodukte (um 81 Prozent) wie auch Leder, Kautschuk und Kunststoffe (um 59,3 Prozent).

Im Interesse einer weiteren Veredelung der Struktur des russischen Exports hat die Handelsvertretung eine Liste konkurrenzfähiger Waren der russischen Industrie zusammengestellt. Diese Liste wurde auf der Webseite des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel Russlands veröffentlicht sowie der schweizerischen Seite in der 8. Tagung der Gemischten russisch-schweizerischen Regierungskommission für die Zusammenarbeit in Handel und Wirtschaft übergeben.

Der Umfang des russischen Warenimports aus der Schweiz vergrößerte sich 2005 um 28,3 Prozent. Das zeugt davon, dass Russland zu einem der besonders schnell wachsenden Absatzmärkte für Schweizer Waren wird. Der Umfang des russischen Imports belief sich 2005 auf 1,55 Milliarden SFr. Eine wertmäßige Vergrößerung des Lieferumfangs war bei allen wichtigsten Warengruppen des russischen Imports bis auf Edelmetalle sowie Edel- und Halbedelsteine zu beobachten. Die Warenstruktur des russischen Imports ist weiterhin recht stabil. Die Hauptrolle dabei spielen folgende Warengruppen: Chemiewaren und Pharmazeutik; Präzisionsinstrumente, Waren und Modeschmuck sowie Maschinen, Anlagen und Elektronik.

Das höchste Wachstumstempo beim Lieferumfang wiesen dabei Chemie- und Pharmaerzeugnisse auf: 2005 machte der Zuwachs 51,8 Prozent aus. Damit repräsentierten diese Lieferungen einen Wert von 521,2 Millionen SFr, während der Anteil dieser Warengruppe am gesamten russischen Import auf 33,5 Prozent anstieg.

Mit einem recht hohen Tempo stiegen in diesem Zeitabschnitt auch die Lieferungen von Präzisionsinstrumenten, Uhren und Modeschmuck: um 15,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sie beliefen sich auf 375,1 Millionen SFr bzw. 24,1 Prozent des gesamten russischen Imports. Mehr als die Hälfte des wertmäßigen Lieferumfangs machten Uhren (194,2 Millionen SFr) aus, auf Schmuckerzeugnisse entfielen mit 108,1 Millionen SFr 28,8 Prozent.

Was die Lieferungen von Maschinen, Anlagen und Elektronik auf den russischen Markt anbelangt, so stiegen sie 2005 um 18,3 Prozent auf 361,4 Millionen SFr an. Der Anteil dieser Warengruppe am russischen Import stieg dabei auf 23,3 Prozent an. Mehr als 73 Prozent davon entvielen wie im Jahr zuvor auf Ausrüstungen für den Maschinenbau.

Insgesamt liegen der erreichten Zunahme des schweizerischen Warenimports nach Russland positive Erscheinungen in der Entwicklung der russischen Wirtschaft zu Grunde: stabiles Wirtschaftswachstum, stabiler Anstieg der Nachfrage und Erweiterung der Investitionskooperation. Außerdem ziehen Schweizer Firmen den russischen Markt in manchen Fällen den traditionellen Absatzmärkten der Schweizer Erzeugnisse vor.

2. Die Hauptergebnisse der Zusammenarbeit im Investitionsbereich

Eine der besonders aktuellen Formen des Zusammenwirkens Russlands mit der Schweiz, einem Land mit beachtlichem Wirtschaftspotential, das politische und wirtschaftliche Stabilität aufweist, ist die Zusammenarbeit im Investitionsbereich.

Beim Umfang dieser Zusammenarbeit gehört die Schweiz stabil zu den Top Ten der Länder, die in Russlands Wirtschaft investieren. In den ersten neun Monaten 2005 beliefen sich die Schweizer Investitionen auf 1,55 Milliarden US-Dollar und vergrößerten sich damit um 47 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Als Folge stieg die Schweiz beim Umfang der investierten Mittel vom achten auf den fünften Platz unter den größten Investoren in Russland auf, während der Anteil der Schweizer Investitionen sieben Prozent betrug (nach Angaben der russischen Statistik).

Größtenteils - 910 Millionen Dollar bzw. 59 Prozent - gingen diese Investitionen im oben genannten Zeitraum in die bearbeitende Industrie. So beliefen sich die Investitionen in die Chemieproduktion auf 302 Millionen US-Dollar.

Mehr als 88 Prozent der Investitionen in die Verarbeitungsindustrie entfielen dabei auf die "sonstigen" (805 Millionen Dollar), deren Umfang in diesem Zeitraum um sieben Prozent anstieg.

Angesichts des geringen Zuwachses der Direktinvestitionen - von 95 Millionen US-Dollar 2004 auf 104 Millionen US-Dollar 2005 - stieg deren Anteil nach dem Stand von Anfang Oktober 2005 lediglich von 11,2 auf 11,4 Prozent.

Die Zunahme der Investitionen im vergangenen Jahr führte zu einer weiteren Vergrößerung des in Russland akkumulierten Schweizer Kapitals. Dessen Gesamtumfang machte nach dem Stand von Anfang Oktober vergangenen Jahres 2,18 Milliarden US-Dollar aus, womit der Stand des Vergleichszeitraums des Vorjahres um 35 Prozent überboten wurde. Der Anteil der Schweiz an den akkumulierten ausländischen Investitionen in der russischen Wirtschaft betrug damit 2,3 Prozent, womit die Schweiz zum achtgrößten ausländischen Investor wurde. Wie auch in den vorangegangenen Jahren bildeten die direkten und die "sonstigen" Investitionen die Grundlage des in Russland akkumulierten Schweizer Kapitals. Der Anteil der "sonstigen" Investitionen ging dabei von 53,2 auf 49,5 Prozent zurück, während deren Umfang (1,078 Milliarden US-Dollar nach dem Stand von Anfang Oktober 2005) die entsprechende Kennziffer des Vorjahres um 26 Prozent übertraf.

Der Anteil der Direktinvestitionen stieg von 45,9 auf 46,6 Prozent (1,015 Milliarden US-Dollar) an. Der Umfang der akkumulierten Direktinvestitionen vergrößerte sich dabei von 15 auf 86 Millionen US-Dollar, während deren Anteil auf 3,9 Prozent anstieg.

Insgesamt lassen die Zusammenarbeit und die im vergangenen Jahr von namhaften Schweizer Unternehmen initiierten Projekte in Russland die Investitionsaktivität der Schweiz auf dem russischen Markt positiv bewerten und eine weitere Festigung der Positionen der Schweiz auf der Liste der größten ausländischen Investoren in Russlands Wirtschaft prognostizieren.

Nach Angaben der schweizerischen Seite beträgt der Umfang der akkumulierten russischen Investitionen in die Schweiz mehr als 200 Millionen US-Dollar. In letzter Zeit bekundet die schweizerische Seite ihr Interesse an russischen Investitionen in die Schweiz, was in Zukunft zu einer Erweiterung und einer ausgewogeneren Zusammenarbeit im Investitionsbereich zwischen beiden Ländern führen könnte.

Im Oktober 2005 fand die 8. Tagung der Gemeinsamen russisch-schweizerischen Regierungskommission für die Zusammenarbeit in Handel und Wirtschaft in Moskau statt. Die Wirtschaftsminister beider Länder, German Gref und Joseph Deiss, trafen 2005 regelmäßig zusammen. Damit wurden für 2006 neue Entwicklungsimpulse für die bilaterale Zusammeanrbeit in Handel und Wirtschaft gegeben. Der Abschluss der russisch-schweizerischen Verhandlungen über Russlands WTO-Beitritt im Januar 2006 in Davos eröffnet eine neue Seite in der Kooperation zwischen der Russischen Föderation und der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

* Hier und weiter Angaben der Schweizer Zolldirektion zum bilateralen Handel. Die russische Zollstatistik weist andere Umfangszahlen des Warenumsatzes auf, was mit unterschiedlichen Berechnungsmethodiken zusammenhängt.(RIA)