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Thema: Breschnew – 4 Teiler

  1. #1
    Avatar von Sandra
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    Breschnew – 4 Teiler

    Wer genuegend russisch kann und ueber Satellit verfuegt sollte sich mal den neuen 4 Teiler (erster Teil war am Montag) jeweils um 21.30 (russische Zeit) jeweils bis Donnerstag, auf dem 1ersten Kanal ansehen.
    Beeindruckend die schauspielerische Leistung des Breschnewdarstellers Sergey Schakurow.
    Die Atmosphaere von alten Leuten die ihre beste Zeit schon lange hinter sich haben und die heimlichen Intrigen die die alten Maenner trotzdem nicht lassen koennen, ist interessant und bedrueckend in Szene gesetzt.
    Warum die UDSSR zu Grunde ging, scheint sich gerade zu selber zu beantworten, sieht man diesem Mumienkabinett zu.
    Selbst die Bodyguards sind unerbittlich als Dienstmaedchen und schlechte Krankenpfleger dargestellt. Welch armer Breschnew der nur noch heimlich rauchen darf und die Importzigaretten im Buch von Marx versteckt.
    Ein Film der einen bitteren Geschmack hinterlaesst und den Altmaennerverein im Kremel gnadenlos entlarvt, fragt sich nur ob wirklich einer glaubt es sei Heute viel besser? Allerdings, die Akteure sind heute wessentlich juenger und die medizinische Versorgung besser.
    Kein Film fuer Leute die Angst vor dem Alter haben aber sehenswert.

  2. Nach oben   #2

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    Ja,der Film ist wirklich gut gemacht! So etwas könnte man auch in D zeigen!
    Allerdings,empfinde ich dabei etwas anderes,als Sandra.Der alte Mann hat unheimlich viel Macht,auch der andere Alte:Andropow.
    Man sieht,wie der Staatsapparat funktioniert,-wie eine gigantische bürokratische Maschine.Dabei kann ein Einzelner,der Mann an der Spitze,wirklich viel bewegen im Land.Wenn er nur genug Kraft hätte...
    Bemerkenswert sind auch die Bodyguards:wie treue Hunde wachen sie über ihren Schützling,bereit jeden zu t*ten,der gefährlich sein könnte.
    Zu Brezhnew-Zeit war ich ein kleiner Junge,kann mich aber an die damalige Atmosfere erinnern.Meine Eltern,Journalisten,sprachen oft in der Küche.Es war ein geregeltes,normales,langweiliges Leben.Aber die bevorstehenden Veränderungen lagen förmlich in der Lüft! Jeder wusste:nach Brezhnew wird alles anders...Als er starb,habe ich geweint.Meine Eltern waren darüber empört,dass der Sarg in die Grube gefallen ist,-aus den Seilen gerutscht...


  3. Nach oben   #3
    Avatar von Sandra
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    Agonie

    Buratino ich gebe Dir recht, man kann den Film auch dem deutschen Fernsehen empfehlen. Interessant ist dabei eben gerade auch, dass man die reale Moeglichkeit hat, mal zu sehen wie unterschiedlich Leute den Film empfinden
    Du siehst ein normales geregeltes wenn auch langweiliges Leben und ich sehe Depression, Stagnation und Agonie. Du siehst die Macht der alten Maenner und ich sehe eher einen senilen und sich gegenseitig bespitzelnden Altmaennerverein, deren Macht nicht mal mehr zur entscheidung reicht halt doch noch eine zu Rauchen auch wenn das Personal schimpfen wird. Ich sehe Bodyguards die als Zutraeger von Andropow fungieren und die hinter jedem Strauch sitzen und Papierchen weg schmeissen muessen und Du siehst eher Killer
    Das ist interessant, weil es sehr schoen zeigt wie unterschiedlich Leute ein und die selben Bilder interpretieren koennen. Interessant dabei, wie interepretierst Du die Rueckblenden in die Jugendjahre Breschnews? Damals hatte er Macht und zeigt vorallem auch eine gewisse Brutalitaet im Charakter und eine Schleimmernummer gegenueber Chruschow.
    Gerade die Rueckblenden sorgen dafuer, dass man dann doch nicht all zu viel Mitleid mit dem alten Mann im Film hat.
    Auf jeden Fall verspuert man nach dem Film sicherlich keinen all zu grossen Wunsch im Kremel zu arbeiten.

  4. Nach oben   #4

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    Ich sehe nichts Negatives in der Rückblende.Brezhnew wird gezeigt als ein Mann mit starkem Charakter.Dass er gegenüber Chrutschew schwitzt vor Angst,-damals regierte Stalin im Kreml,Chrutschew war nur der Parteichef in der Ukraine.Chrutschew hatte SELBST Angst! Deshalb flippte er aus:er wusste,dass gewisse Leute nur den geringsten Grund brauchen,um ihn zu liquidieren.Je höher man ist,desto gefährlichwer lebt man unter Stalin.Sprichwörtlich ist die Luft oben zimlich dünn...
    Diese Leute haben zwar ihre Karriere gemacht,gleichzeitig wurden sie auch informierter,z.B.das Gespräch Brezhnews mit dem Agronom:es ging um die bevorstehende Kollektivierung der Dorfbevölkerung...
    Jeder in der Sowjetunion,der die Situation kannte,hatte Angst,lebte ständig mit der Angst.Mein Großvater hatte die ganze Zeit unter Stalin Angst,weil er wusste...
    Also,liebe Sandra,Unwissenheit ist ein Segen.


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