Für alle, die einen Badeurlaub in Russland machen möchten, kann ich Anapa wärmstens ans Herz legen. Die ideale Reisezeit ist Juni-September.

Ich selber war schon mehrere Male da. Einmal als Kind im Jahr 1992, dann nochmal als Jugendlicher im Jahr 2000 und dieses Jahr fahre ich erneut hin.

Es ist ein sehr familienfreundlicher und günstiger Badeort an der schönen Schwarzmeerküste. Anapa ist wirklich ein reiner Familienurlaub. Wer einen Partyurlaub mit Freunden machen möchte, sollte lieber nach Sotschi oder noch besser an die ukrainische Krim fahren.

Ein paar Infos zu Anapa:

Anapa wurde im Jahr 1781 von den Türken gegründet. An der Stelle gab es aber vorher schon im Altertum eine antike griechische Siedlung namens Gorgippa. Deswegen ist Anapa auch in historischer und archäologischer Sicht sehr interessant. Es gibt ein Gorgippa-Museum (Eintritt ca. 3 € pro Person). Seit dem 15. Jahrhundert stand Anapa unter türkischer Herrschaft. Im 18. Jahrhundert wurde Anapa während der russisch-türkischen Kriege mehrmals von den Russen erobert und dann von den Türken wieder zurückerobert. Im Jahr 1829 fiel Anapa aufgrund eines Friedensvertrages endgültig an Russland. 1846 hatte Zar Nikolai I. dem Ort Anapa Stadtrechte verliehen. 1866 wurde Anapa zum Kurort erhoben.
Während des 2. Weltkrieges wurde Anapa von der Wehrmacht fast zu 100% zerstört. Doch schon 1943 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, der Ende der 50er Jahre abgeschlossen war. Anapa stieg danach zu einem sehr beliebten sowjetischen Volkskurort auf.

Heute leben in Anapa rund 61.600 Menschen (Stand: 2012), Tendenz steigend. Jedes Jahr kommen um die 4 Millionen Feriengäste, die vermehrt auch aus dem Ausland kommen (z. B. Deutschland, Frankreich, Finnland, Türkei, USA...)

Die Küste um Anapa wird im Volksmund als "Russische Riviera" bezeichnet. Das Klima ist sehr mild und mit dem mediterranen vergleichbar. Die Winter sind mild und die Sommer heiß.

Es gibt vielfältige Übernachtungsmöglichkeiten für jeden Geschmack. Es gibt große Sanatorien (Kurzentren) direkt an der Küste. Ein Doppelzimmer mit Kinderbett ist ab 1200 Rubel (28 €) am Tag zu haben. Wer es noch günstiger möchte, der kann sich nach einer Privatunterkunft umschauen. Die Zimmer sind dann zwar eher karg eingerichtet und ohne Verpflegung, kosten aber bereits ab 400 Rubel (10 €) am Tag.

Wichtig: Bei Privatunterkünften immer gucken, ob es eine INN-Nummer (Steuernummer) gibt, da viele Unterkünfte gerne "schwarz" angeboten werden. Solche Angebote sollte man nicht in Anspruch nehmen, das könnte Probleme mit der Steuerfahndung geben (auch für den Mieter!).

Es empfiehlt sich, die Unterkunft im Voraus zu buchen, da es vor allem während der Ferienzeit (25. Mai bis 1. September) sehr viel Ansturm gibt.

Von Deutschland nach Anapa kommt man ganz bequem mit dem Flugzeug (jeweils mit Umstieg in Moskau oder St. Petersburg), da Anapa über einen eigenen Flughafen verfügt, an dem während der Sommersaison durchschnittlich alle 5 Minuten Flugzeuge landen.

Berühmt ist Anapa für seine hervorragenden Weine. Der Weinbau war bis zur Russischen Revolution 1917 sehr verbreitet. Während der Sowjet-Epoche kam die Weinherstellung allerdings fast vollständig zum Erliegen. Seit den 1990er Jahren gewinnt der Weinbau wieder an Fahrt. Die Weine schmecken hervorragend, sind oft sehr süß und haben Umdrehungen (und machen gut Kopfschmerzen ).

Sehenswert ist die russisch-orthodoxe Kirche des Heiligen Onpharios, die 1837 erbaut wurde und zu den ältesten Kirchen in Südrussland zählt.

Wassersport-Freunde kommen am Wasserski-Park auf ihre Kosten. Außerdem gibt es gute Kitesurfing-Areale.

Auch für Kuren ist Anapa bestens geeignet. Laut FEMTEK ist Anapa der beste balneologische Kurort der Welt. Die Heilschlammbehandlungen sind sehr berühmt, denn dem Heilschlamm des Schwarzen Meeres werden "wundertätige" Eigenschaften nachgesagt.

Anapa verfügt über eine für russische Verhältnisse wirklich gute Infrastruktur. Die Straßen sind heile und auch bestens für Fahrradfahrer geeignet. 3G-Netze können fast überall in der Stadt genutzt werden und an den Küstenpromenaden gibt es freien WLAN-Zugang.

Bei den Stränden handelt es sich meist um Sandstrände, seltener um Kiesstrände, die gut für Familien mit kleinen Kindern geeignet sind, denn die Tiefe des Wassers nimmt erst nach ca. 100 Metern zu. Die Wasserqualität gehört mit zu der besten an der gesamten Schwarzmeer-Küste. Mit schlechtem Wetter wird man kaum konfrontiert, denn Anapa kommt auf durchschnittlich 300 sonnige Tage im Jahr.

Im nahegelegenen Dorf "Bolschoi Utrisch", welches einen Stadtteil von Anapa darstellt, gibt es ein Delfinarium. Kinder können dort zusammen mit den Delfinen schwimmen und der Seelöwin "Dascha", dem Maskottchen des Hauses, die Hand schütteln. Daneben gibt es einen Themenpark, in dem gezeigt wird, wie die südrussischen Kosaken vor 200 Jahren gelebt haben. Dort kann man auch in den Genuss der traditionellen (süd)russischen Küche kommen. Hungrig kommt da keiner raus, soviel weiß ich besonders aus eigener Erfahrung.

Nun ein paar Impressionen:

Strandleben in Anapa am 9. Juni 2013: http://www.youtube.com/watch?v=cXcZbGcH148

Kurz-Dokumentation über Anapa, auch für Nicht-Russischsprechende interessant: http://www.youtube.com/watch?v=jnUXdmo7Kp8