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Thema: Russland und der Westen: Zwei Wege in eine Postdemokratie?

  1. #1

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    Russland und der Westen: Zwei Wege in eine Postdemokratie?

    Vor dem Hintergrund einer weltweiten Protestbewegung nach dem Vorbild von „Occupy Wall Street“ drängt die neue, möglicherweise zwölfjährige, Regentschaft Putins zur Reflexion über den russischen Sonderweg, den Amerikanischen Normalweg und den Endpunkt der beiden Routen.

    Das Pathos, mit dem im Namen der Demokratie beschworen, gestritten und geschossen wird, bereitet zunehmend Verdruss. Natürlich gibt es außer ideologischen Klischees eine nüchternere Betrachtungsweise, wie sie zum Beispiel Winston Churchill zu eigen war, der bekannterweise Demokratie für die schlechteste Regierungsform mit Ausnahme all der anderen Formen hielt. Aber selbst eine solche Interpretation befreit nicht das gegenwärtige Politgeschäft von einigen Grundfragen: Was wird aus einer Demokratie, wenn gut organisierte Lobbyisten alle Zweige der Macht unterwandern? Wenn die Leitmedien sich mehr um Herstellung von Konsens als um Objektivität und Meinungsvielfalt kümmern? Wenn das Volk als Souverän mehr am Alltag und Unterhaltung – an „Brot und Schauspielen“ – als an großer Politik interessiert ist?

    Postdemokratie auf russische Art

    Hierzulande scheinen die Antworten zwei Jahrzehnte nach dem Anfang eines demokratischen Experiments endgültig zu sein: Russland schlitterte in eine Postdemokratie hinein. Die sogenannten Oligarchen – ein Zerfallsprodukt der sozialistischen Planwirtschaft – bildeten durch Verschmelzung mit dem hohen Beamtentum eine geschlossene Kaste. Geschützt durch brotberuflichen Journalismus und Lethargie der Bevölkerung lässt diese neue Aristokratie jeden Stand nach seiner Façon selig werden. Dem unterprivilegierten Mittelstandsvolk gibt die herrschende Minderheit eine Chance, zwischen den Wogen des freien Marktes und den Klippen des korrupten Staates einen Weg zum Wohlstand zu finden; den aufmüpfigen Dissidenten schenkt sie ein bisschen Freiheit, sich auf einigen Radiofrequenzen auszutoben; dem kleinen Mann gewährt sie das gute Recht, auf eigene Verantwortung vor sich hinzuwursteln und dabei die Obrigkeit ganz zensurfrei mit auserlesensten Mutterworten zu belegen. Die allgemeine Stimmung im Lande ist: Ob Demokratie, Sowjetmacht oder Monarchie, Russland war und bleibt dasselbe. Hatte Oswald Spengler doch Recht, als er 1933 über die Sowjetunion prophezeite: „Sicher ist, dass sich tatsächlich nicht viel ändern würde, wenn man eines Tages aus Gründen der machtpolitischen Zweckmäßigkeit das kommunistische Prinzip fallen ließe. Die Namen würden anders werden; die Verwaltungszweige der Wirtschaftsorganisationen würden Konzerne heißen, die Kommissionen Aufsichtsräte, die Kommunisten selbst Aktienbesitzer“.

    Postdemokratie Made in USA

    Die Einwohner der „leuchtenden Stadt auf dem Hügel“ lachen über die obszöne Selbstverständlichkeit, mit welcher Dmitrij Medwedjew Machtinsignien an Wladimir Putin zurückgegeben hat. Das kernige Lachen von Übersee, verstärkt durch westliche und prowestliche Medien, übertönt ein leises verschmitztes Kichern, das aus Russland zurückhallt: Nicht weniger skurril wirkt doch jene eiserne Kontinuität der US-amerikanischen Politik, zu deren unveränderbaren Repertoire parteipolitisch legitimierte Eroberungskriege, unbehelligte Kriegsverbrecher und hochprivilegierte Banken ebenso gehören, wie von einer Massenpsychose ergriffene Wählerschaft und Jubelrufe: „Change!“, „Yes, we can!“ „Wettbewerb ist eine Sünde“ soll John D. Rockefeller gesagt haben. Während eine konsequente Anwendung dieses Prinzips den freien Markt und damit den Individualismus der US-Amerikaner aushöhlt, zerstört der „Krieg gegen den Terr*r“ Freiheitsethos Amerikas. In seiner berühmten Abschiedsrede 1961 warnte Präsident Dwight D. Eisenhauer ausdrücklich: "Wir … müssen uns vor unbefugtem Einfluss -- beabsichtigt oder unbeabsichtigt -- durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potential für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. " 50 Jahre danach sagt Larry Wilkerson - ein Republikaner, der unter Colin Powell Stabschef im amerikanischen Außenministerium war – im Interview mit dem Online-Sender The Real News Network: „Ich bin keinesfalls sicher, … dass meine Enkelkinder in einer demokratischen Bundesrepublik leben werden“. In der Tat kann man manchmal die US-Amerikanischen Republikaner und Demokraten mit dem heimischen „Einigen Russland“ und „Gerechten Russland“ verwechseln - abgesehen von noch etwas grobschlächtigen Inszenierungsmethoden russischer Politstrategen. Dass in kaum mehr als 20 Jahren zwei Familien – Bush und Clinton – den Vereinigten Staaten drei Präsidenten und eine Staatssekretärin schenken durften, ist für eine Demokratie ebenfalls eine symptomatische Kuriosität. Übrigens gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen Demokratie russischen und US-amerikanischen Typs: Hier wird die Politik von einer Beamten-, dort von einer Konzernaristokratie gelenkt; hier ist die administrative Ressource ausschlaggebend, dort - finanzielle Beeinflussung. Es ist vor allem größere Sichtbarkeit der administrativen Steuerung im Vergleich zur finanziellen, die das Regime Russlands so minderwertig erscheinen lässt. Doch, bezwingbar oder käuflich, bleibt die realexistierende Demokratie von der demokratischen Verheißung fern.

    Das verzweifelte Aufbäumen der Demokratiegläubigen?

    Die Wirtschaftskrise entblößt weltweit gravierende Asymmetrien bei der Ressourcen- und Machtverteilung. Empörung treibt die Unbeteiligten an den Wahllokahlen vorbei auf die Straßen. Optimisten hoffen, dass diese gewaltige Manifestation von Zivilcourage eine demokratische Erneuerung mit sich bringt. Doch eine über die Jahren andauernde Erosion demokratischer Landschaften zeigt, dass in hochkomplexen Gesellschaften eine Demokratie nur dann möglich ist, wenn Zivilcourage der Bürger durch entsprechende Zivilkompetenzen ergänzt wird. Gefragt sind Mehrheiten, die nicht nur einen Atomausstieg erzwingen können, sondern sich auch für geopolitische Themen interessieren, manipulative Praktiken durchschauen und darauf flexibel reagieren. Demokratie braucht einen Demos, sonst entartet Volkssouveränität in eine Ochlokratie. Bei aller Sympathie für Protestierende, weist die anschwellende Antibankenbewegung mit ihren diffusen Forderungen diese Kompetenzen nicht auf. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Aktionen wie „Occupy Wall Street“ in New York oder „Marsch der Unzufriedenen“ in Moskau eventuell ins Leere laufen oder, noch schlimmer, in die Hände künstlich aufgebauter Polit-Messias spielen werden. Eines ist klar: Jeder erfolgloser Demokratisierungsanlauf zermürbt die politische Mitte, ermüdet die Öffentlichkeit und bewirkt Abkehr vom Politischen hin zum Privaten. Wenn sich das Massenbewusstsein keinen qualitativen Sprung leistet, landet auch der Westen in einer postdemokratischen Realität. Und verblüffend weitsichtiger Spengler darf mit seinen Prognosen noch einmal Recht behalten. In der Zukunft, meint er, „gibt es keine politischen Probleme mehr. Man findet sich ab mit den Lagen und Gewalten, die vorhanden sind. Ströme von Blut hatten […] das Pflaster aller Weltstädte gerötet, um die großen Wahrheiten der Demokratie in Wirklichkeit zu verwandeln und Rechte zu erkämpfen, ohne die das Leben nicht wert schien, gelebt zu werden. Jetzt sind diese Rechte erobert, aber die Enkel sind selbst durch Strafen nicht mehr zu bewegen, von ihnen Gebrauch zu machen. Hundert Jahre später, und sogar die Historiker verstehen die alten Streitfragen nicht mehr.“

  2. Nach oben   #2
    Avatar von Tauroggen
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    Russland und der Westen: Zwei Wege in eine Postdemokratie?

    @Froll

    Interessanter Beitrag, die anfangs gestellte Frage:

    "Was wird aus einer Demokratie, wenn gut organisierte Lobbyisten alle Zweige der Macht unterwandern? Wenn die Leitmedien sich mehr um Herstellung von Konsens als um Objektivität und Meinungsvielfalt kümmern? Wenn das Volk als Souverän mehr am Alltag und Unterhaltung – an „Brot und Schauspielen“ – als an großer Politik interessiert ist?"

    Läßt sich meines Erachtens so beantworten: "Die Bundesrepublik Deutschland!"


  3. Nach oben   #3

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    Zitat Zitat von Froll Beitrag anzeigen
    [I]... Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Aktionen wie „Occupy Wall Street“ in New York oder „Marsch der Unzufriedenen“ in Moskau eventuell ins Leere laufen oder, noch schlimmer, in die Hände künstlich aufgebauter Polit-Messias spielen werden. Eines ist klar: Jeder erfolgloser Demokratisierungsanlauf zermürbt die politische Mitte, ermüdet die Öffentlichkeit und bewirkt Abkehr vom Politischen hin zum Privaten. Wenn sich das Massenbewusstsein keinen qualitativen Sprung leistet, landet auch der Westen in einer postdemokratischen Realität. Und verblüffend weitsichtiger Spengler darf mit seinen Prognosen noch einmal Recht behalten. In der Zukunft, meint er, „gibt es keine politischen Probleme mehr. Man findet sich ab mit den Lagen und Gewalten, die vorhanden sind. Ströme von Blut hatten […] das Pflaster aller Weltstädte gerötet, um die großen Wahrheiten der Demokratie in Wirklichkeit zu verwandeln und Rechte zu erkämpfen, ohne die das Leben nicht wert schien, gelebt zu werden. Jetzt sind diese Rechte erobert, aber die Enkel sind selbst durch Strafen nicht mehr zu bewegen, von ihnen Gebrauch zu machen. Hundert Jahre später, und sogar die Historiker verstehen die alten Streitfragen nicht mehr.“
    @Froll

    Ein ebenso grandioser wie kurzer Überblick - dafür mal vielen Dank !

    Die Demokratie (oder Demokratur?) ist die Vorstufe zur Tyrannei. Davon gehe ich mal aus, wenn ich mich weltweit so umschaue. Botschaft und Knüppel dieser obskuren Demokratie ist das Geld und ALLES was sich damit an Negativen anstellen läßt.

    Schulisch weder mit Propaganda gegen Deutschland Vergangenheit noch mit allzu auffälliger Propaganda gegen Russland verseucht, fallen mir die weltweiten Folgen dieser tollen Demokratie immer stärker ins Auge, währenddessen zur Vertuschung deren Folgen immer wieder auf den Stalinismus/Kommunismus eingedroschen wird, wenns nötig erscheint eine Gegenposition zu konstruieren. Sind Kommunismus und Kapitalismus nicht so eine Art eineiige Zwillinge, wenn man genau (!) hinschaut?
    Also ... das Demokratiegedöhns heutigen, westlichen Zuschnitts kann mich nur anekeln, abgrundtief anekeln.

    "Ohne FREIHEIT keinen FRIEDEN " heißt es irgendwo in dem aktuellen Kinofilm "Cinema Jenin" - ich denke, das trifft den Nagel exakt auf den Kopf.

    Nur, WER strebt/kämpft heute noch wirklich nach Freiheit ? Man ist faul und fett geworden im Kapitalisten/Sozialistenwunderland und baut diese Untugenden quasi täglich weiter aus.

    In exakt dem Maß wie wir die FREIHEITS LIEBE schwinden lassen aus unseren Lebensidealen, wird der KRIEG langsam aber umso sicherer auf uns zurücken.

    Was hier vielleicht etwas Schlucken verursachen wird auf den ERSTEN Blick ... scheint mir die einzige Lösung längerfristig : NATURRELIGION !
    Die Natur gibt nach entsprechend klaren Fragen, eindeutige und klare Antworten und zeigt wie ein perfektes Leben aussehen kann. Ganz ohne Vereine, Dogmen, "Sünden" , Kirchen !

    Leider ist der Religionsbegriff heute total verbrannt oder verbogen, weil von macht-/geldgierigen Großsekten okkupiert.

    Ansonsten darf man als naturwissenschaftlich ge- oder verbildeter Mensch vielleicht betonen, dass alles das zerfällt, in das man nicht tagtäglich großen Aufwand steckt um die Strukturen zu erhalten oder auszubauen. Der Zustand geringster Entropie ... ist gleichzeitig der Zustand geringerster Ordnung und größter Strukturlosigkeit.

    Ein Weg in die sog. Postdemokratie wäre damit aufgezeigt. Alles laufen lassen kann somit so oder so nur im Chaos enden.
    Man kann ja - nicht nur in Sachen Russland - betonen, dass vielleicht die riesigen Massen an Eliten vor Jahrzehnten durch Kriege etc in die heutige Lethargie geführt haben mögen ... man könnte aber auch mal überlegen, ob wir nicht tagtäglich unter einer Glocke von Mindcontrol - Bewußtseinssteuerung leben und ... charakterlich-seelisch regelrecht einbrechen.
    Es ist auch eine Frage, ob die Welt unbedingt nach (derzeitigen) "Hochkulturen" streben muss ...womöglich würde man naturnahe, weniger technologieabhängig friedlicher, entspannter leben können!? Der verächtliche Blick des Westens auf den "kleinen Russen" der so auf dem Lande vor sich hinwurstelt ist womöglich mehr als unberechtigt.

    Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass Eliten die Völker prägen und führen ... dann macht sich der (selbst verschuldete) Verlust (die Vernichtung) von Eliten schmerzlich bemerkbar. In Russland könnte das schon etwas länger zurückliegen ? Der Westen vernichtet seine Eliten systematisch durch praktisch ausschließliche Polung auf Macht und damit (Papier-) GELD. Sind also die neuen "Eliten" verkommen ... wie sollen dann die "Untergebenen", die Kleinen Leute werden in Zukunft ? Nicht gerade eine schöne Perspektive für die kommenden Jahre.

    Menschen, die sich selbst nicht mehr achten, achten auch keine anderen Völker und Kulturen, geschweige denn die Schöpfung als Ganzes. Und an diesem Punkt scheinen wir wohl angekommen zu sein.

    Und mitten in dieser Schlacht steht Putin mit dem Auftrag, das Beste für sein Land / Volk herauszuholen. Da kann man nur viel Glück wünschen und Danke sagen, denn diese Aufgabe ist endlos beschwerlich und der Erfolg keinesfalls gewiss.

    Wie frei wir heute sind, sehen wir schon im Internet ... am Herumgeeiere um den heißen Brei. Gesagt werden darf nur, was ERLAUBT ist - auch Forumsregeln dienen der Freiheitskontrolle mehr als man glauben mag. Indem man die Sitten verkommen läßt draußen - schafft man sich das "Recht" eine quasi ZENSUR einzuführen. Wer waren und sind eigentlich "die Kommunisten" wirklich?
    Hat sich jemand mal mit den Werken vom russ. Fürsten Kropotkin befasst in diesem Kreis ?

    "Niemand über mir, außer dem Himmel ! "

    Diese Idee läßt mich nicht mehr los ! :-)

  4. Nach oben   #4

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    Stimmt

    Zitat Zitat von Beltaine Beitrag anzeigen
    @Froll

    Ein ebenso grandioser wie kurzer Überblick - dafür mal vielen Dank !

    Die Demokratie (oder Demokratur?) ist die Vorstufe zur Tyrannei. Davon gehe ich mal aus, wenn ich mich weltweit so umschaue. Botschaft und Knüppel dieser obskuren Demokratie ist das Geld und ALLES was sich damit an Negativen anstellen läßt.

    Schulisch weder mit Propaganda gegen Deutschland Vergangenheit noch mit allzu auffälliger Propaganda gegen Russland verseucht, fallen mir die weltweiten Folgen dieser tollen Demokratie immer stärker ins Auge, währenddessen zur Vertuschung deren Folgen immer wieder auf den Stalinismus/Kommunismus eingedroschen wird, wenns nötig erscheint eine Gegenposition zu konstruieren. Sind Kommunismus und Kapitalismus nicht so eine Art eineiige Zwillinge, wenn man genau (!) hinschaut?
    Also ... das Demokratiegedöhns heutigen, westlichen Zuschnitts kann mich nur anekeln, abgrundtief anekeln.

    "Ohne FREIHEIT keinen FRIEDEN " heißt es irgendwo in dem aktuellen Kinofilm "Cinema Jenin" - ich denke, das trifft den Nagel exakt auf den Kopf.

    Nur, WER strebt/kämpft heute noch wirklich nach Freiheit ? Man ist faul und fett geworden im Kapitalisten/Sozialistenwunderland und baut diese Untugenden quasi täglich weiter aus.

    In exakt dem Maß wie wir die FREIHEITS LIEBE schwinden lassen aus unseren Lebensidealen, wird der KRIEG langsam aber umso sicherer auf uns zurücken.

    Was hier vielleicht etwas Schlucken verursachen wird auf den ERSTEN Blick ... scheint mir die einzige Lösung längerfristig : NATURRELIGION !
    Die Natur gibt nach entsprechend klaren Fragen, eindeutige und klare Antworten und zeigt wie ein perfektes Leben aussehen kann. Ganz ohne Vereine, Dogmen, "Sünden" , Kirchen !

    Leider ist der Religionsbegriff heute total verbrannt oder verbogen, weil von macht-/geldgierigen Großsekten okkupiert.

    Ansonsten darf man als naturwissenschaftlich ge- oder verbildeter Mensch vielleicht betonen, dass alles das zerfällt, in das man nicht tagtäglich großen Aufwand steckt um die Strukturen zu erhalten oder auszubauen. Der Zustand geringster Entropie ... ist gleichzeitig der Zustand geringerster Ordnung und größter Strukturlosigkeit.

    Ein Weg in die sog. Postdemokratie wäre damit aufgezeigt. Alles laufen lassen kann somit so oder so nur im Chaos enden.
    Man kann ja - nicht nur in Sachen Russland - betonen, dass vielleicht die riesigen Massen an Eliten vor Jahrzehnten durch Kriege etc in die heutige Lethargie geführt haben mögen ... man könnte aber auch mal überlegen, ob wir nicht tagtäglich unter einer Glocke von Mindcontrol - Bewußtseinssteuerung leben und ... charakterlich-seelisch regelrecht einbrechen.
    Es ist auch eine Frage, ob die Welt unbedingt nach (derzeitigen) "Hochkulturen" streben muss ...womöglich würde man naturnahe, weniger technologieabhängig friedlicher, entspannter leben können!? Der verächtliche Blick des Westens auf den "kleinen Russen" der so auf dem Lande vor sich hinwurstelt ist womöglich mehr als unberechtigt.

    Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass Eliten die Völker prägen und führen ... dann macht sich der (selbst verschuldete) Verlust (die Vernichtung) von Eliten schmerzlich bemerkbar. In Russland könnte das schon etwas länger zurückliegen ? Der Westen vernichtet seine Eliten systematisch durch praktisch ausschließliche Polung auf Macht und damit (Papier-) GELD. Sind also die neuen "Eliten" verkommen ... wie sollen dann die "Untergebenen", die Kleinen Leute werden in Zukunft ? Nicht gerade eine schöne Perspektive für die kommenden Jahre.

    Menschen, die sich selbst nicht mehr achten, achten auch keine anderen Völker und Kulturen, geschweige denn die Schöpfung als Ganzes. Und an diesem Punkt scheinen wir wohl angekommen zu sein.

    Und mitten in dieser Schlacht steht Putin mit dem Auftrag, das Beste für sein Land / Volk herauszuholen. Da kann man nur viel Glück wünschen und Danke sagen, denn diese Aufgabe ist endlos beschwerlich und der Erfolg keinesfalls gewiss.

    Wie frei wir heute sind, sehen wir schon im Internet ... am Herumgeeiere um den heißen Brei. Gesagt werden darf nur, was ERLAUBT ist - auch Forumsregeln dienen der Freiheitskontrolle mehr als man glauben mag. Indem man die Sitten verkommen läßt draußen - schafft man sich das "Recht" eine quasi ZENSUR einzuführen. Wer waren und sind eigentlich "die Kommunisten" wirklich?
    Hat sich jemand mal mit den Werken vom russ. Fürsten Kropotkin befasst in diesem Kreis ?

    "Niemand über mir, außer dem Himmel ! "

    Diese Idee läßt mich nicht mehr los ! :-)
    Wir erleben Diktaturen der Einzelnen und sogennnte Demokratien, die vom "Demos" weitentfernt sind.
    Ich kann mir einen demokratischen Diktator gut voestellen. Das ist kein Widerspruch und funktioniert so: Es gibt eine Person, der das Wohl seiner Untertanen am Herzen liegt. Dieser läßt sich von Interessenverbänden und Schalmeienklängen nicht weichkochen. Zudem sieht der auf die Bürger und respektiert deren Bedürfnisse. Diese werden dann rigoros umgesetzt. Freilich nach reiflicher Prüfung. So hätten wir zwei Eigenschaften in einer Person.

  5. Nach oben   #5

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    anderes System notwendig

    Zitat Zitat von Froll Beitrag anzeigen
    Vor dem Hintergrund einer weltweiten Protestbewegung nach dem Vorbild von „Occupy Wall Street“ drängt die neue, möglicherweise zwölfjährige, Regentschaft Putins zur Reflexion über den russischen Sonderweg, den Amerikanischen Normalweg und den Endpunkt der beiden Routen.

    Das Pathos, mit dem im Namen der Demokratie beschworen, gestritten und geschossen wird, bereitet zunehmend Verdruss. Natürlich gibt es außer ideologischen Klischees eine nüchternere Betrachtungsweise, wie sie zum Beispiel Winston Churchill zu eigen war, der bekannterweise Demokratie für die schlechteste Regierungsform mit Ausnahme all der anderen Formen hielt. Aber selbst eine solche Interpretation befreit nicht das gegenwärtige Politgeschäft von einigen Grundfragen: Was wird aus einer Demokratie, wenn gut organisierte Lobbyisten alle Zweige der Macht unterwandern? Wenn die Leitmedien sich mehr um Herstellung von Konsens als um Objektivität und Meinungsvielfalt kümmern? Wenn das Volk als Souverän mehr am Alltag und Unterhaltung – an „Brot und Schauspielen“ – als an großer Politik interessiert ist?

    Postdemokratie auf russische Art

    Hierzulande scheinen die Antworten zwei Jahrzehnte nach dem Anfang eines demokratischen Experiments endgültig zu sein: Russland schlitterte in eine Postdemokratie hinein. Die sogenannten Oligarchen – ein Zerfallsprodukt der sozialistischen Planwirtschaft – bildeten durch Verschmelzung mit dem hohen Beamtentum eine geschlossene Kaste. Geschützt durch brotberuflichen Journalismus und Lethargie der Bevölkerung lässt diese neue Aristokratie jeden Stand nach seiner Façon selig werden. Dem unterprivilegierten Mittelstandsvolk gibt die herrschende Minderheit eine Chance, zwischen den Wogen des freien Marktes und den Klippen des korrupten Staates einen Weg zum Wohlstand zu finden; den aufmüpfigen Dissidenten schenkt sie ein bisschen Freiheit, sich auf einigen Radiofrequenzen auszutoben; dem kleinen Mann gewährt sie das gute Recht, auf eigene Verantwortung vor sich hinzuwursteln und dabei die Obrigkeit ganz zensurfrei mit auserlesensten Mutterworten zu belegen. Die allgemeine Stimmung im Lande ist: Ob Demokratie, Sowjetmacht oder Monarchie, Russland war und bleibt dasselbe. Hatte Oswald Spengler doch Recht, als er 1933 über die Sowjetunion prophezeite: „Sicher ist, dass sich tatsächlich nicht viel ändern würde, wenn man eines Tages aus Gründen der machtpolitischen Zweckmäßigkeit das kommunistische Prinzip fallen ließe. Die Namen würden anders werden; die Verwaltungszweige der Wirtschaftsorganisationen würden Konzerne heißen, die Kommissionen Aufsichtsräte, die Kommunisten selbst Aktienbesitzer“.

    Postdemokratie Made in USA

    Die Einwohner der „leuchtenden Stadt auf dem Hügel“ lachen über die obszöne Selbstverständlichkeit, mit welcher Dmitrij Medwedjew Machtinsignien an Wladimir Putin zurückgegeben hat. Das kernige Lachen von Übersee, verstärkt durch westliche und prowestliche Medien, übertönt ein leises verschmitztes Kichern, das aus Russland zurückhallt: Nicht weniger skurril wirkt doch jene eiserne Kontinuität der US-amerikanischen Politik, zu deren unveränderbaren Repertoire parteipolitisch legitimierte Eroberungskriege, unbehelligte Kriegsverbrecher und hochprivilegierte Banken ebenso gehören, wie von einer Massenpsychose ergriffene Wählerschaft und Jubelrufe: „Change!“, „Yes, we can!“ „Wettbewerb ist eine Sünde“ soll John D. Rockefeller gesagt haben. Während eine konsequente Anwendung dieses Prinzips den freien Markt und damit den Individualismus der US-Amerikaner aushöhlt, zerstört der „Krieg gegen den Terr*r“ Freiheitsethos Amerikas. In seiner berühmten Abschiedsrede 1961 warnte Präsident Dwight D. Eisenhauer ausdrücklich: "Wir … müssen uns vor unbefugtem Einfluss -- beabsichtigt oder unbeabsichtigt -- durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potential für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. " 50 Jahre danach sagt Larry Wilkerson - ein Republikaner, der unter Colin Powell Stabschef im amerikanischen Außenministerium war – im Interview mit dem Online-Sender The Real News Network: „Ich bin keinesfalls sicher, … dass meine Enkelkinder in einer demokratischen Bundesrepublik leben werden“. In der Tat kann man manchmal die US-Amerikanischen Republikaner und Demokraten mit dem heimischen „Einigen Russland“ und „Gerechten Russland“ verwechseln - abgesehen von noch etwas grobschlächtigen Inszenierungsmethoden russischer Politstrategen. Dass in kaum mehr als 20 Jahren zwei Familien – Bush und Clinton – den Vereinigten Staaten drei Präsidenten und eine Staatssekretärin schenken durften, ist für eine Demokratie ebenfalls eine symptomatische Kuriosität. Übrigens gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen Demokratie russischen und US-amerikanischen Typs: Hier wird die Politik von einer Beamten-, dort von einer Konzernaristokratie gelenkt; hier ist die administrative Ressource ausschlaggebend, dort - finanzielle Beeinflussung. Es ist vor allem größere Sichtbarkeit der administrativen Steuerung im Vergleich zur finanziellen, die das Regime Russlands so minderwertig erscheinen lässt. Doch, bezwingbar oder käuflich, bleibt die realexistierende Demokratie von der demokratischen Verheißung fern.

    Das verzweifelte Aufbäumen der Demokratiegläubigen?

    Die Wirtschaftskrise entblößt weltweit gravierende Asymmetrien bei der Ressourcen- und Machtverteilung. Empörung treibt die Unbeteiligten an den Wahllokahlen vorbei auf die Straßen. Optimisten hoffen, dass diese gewaltige Manifestation von Zivilcourage eine demokratische Erneuerung mit sich bringt. Doch eine über die Jahren andauernde Erosion demokratischer Landschaften zeigt, dass in hochkomplexen Gesellschaften eine Demokratie nur dann möglich ist, wenn Zivilcourage der Bürger durch entsprechende Zivilkompetenzen ergänzt wird. Gefragt sind Mehrheiten, die nicht nur einen Atomausstieg erzwingen können, sondern sich auch für geopolitische Themen interessieren, manipulative Praktiken durchschauen und darauf flexibel reagieren. Demokratie braucht einen Demos, sonst entartet Volkssouveränität in eine Ochlokratie. Bei aller Sympathie für Protestierende, weist die anschwellende Antibankenbewegung mit ihren diffusen Forderungen diese Kompetenzen nicht auf. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Aktionen wie „Occupy Wall Street“ in New York oder „Marsch der Unzufriedenen“ in Moskau eventuell ins Leere laufen oder, noch schlimmer, in die Hände künstlich aufgebauter Polit-Messias spielen werden. Eines ist klar: Jeder erfolgloser Demokratisierungsanlauf zermürbt die politische Mitte, ermüdet die Öffentlichkeit und bewirkt Abkehr vom Politischen hin zum Privaten. Wenn sich das Massenbewusstsein keinen qualitativen Sprung leistet, landet auch der Westen in einer postdemokratischen Realität. Und verblüffend weitsichtiger Spengler darf mit seinen Prognosen noch einmal Recht behalten. In der Zukunft, meint er, „gibt es keine politischen Probleme mehr. Man findet sich ab mit den Lagen und Gewalten, die vorhanden sind. Ströme von Blut hatten […] das Pflaster aller Weltstädte gerötet, um die großen Wahrheiten der Demokratie in Wirklichkeit zu verwandeln und Rechte zu erkämpfen, ohne die das Leben nicht wert schien, gelebt zu werden. Jetzt sind diese Rechte erobert, aber die Enkel sind selbst durch Strafen nicht mehr zu bewegen, von ihnen Gebrauch zu machen. Hundert Jahre später, und sogar die Historiker verstehen die alten Streitfragen nicht mehr.“
    Mit einer Persönlichkeit, die mit alleiniger Macht ausgestattet wäre, gäbe es weniger Probleme. Allerdings, und das ist wichtig, müßte diese Person das Wohl der Bürger respektieren, und nach zukunftsorientierten Kriterien ausführen. Einflüsterer jeglicher Art sollten keine Chance haben, weil diese Person persönlich über die notwendigen wichtigen Eigenschafte verfügt. Mit dem gültigen System, des sakrosanten Waschstum kann es logisch nur Kriege geben. Zur Organisation der Kriege wird auch die Religion eingesetzt.

  6. Nach oben   #6
    Avatar von Reichsadler
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    Zitat Zitat von Neugier Beitrag anzeigen
    Mit einer Persönlichkeit, die mit alleiniger Macht ausgestattet wäre, gäbe es weniger Probleme. Allerdings, und das ist wichtig, müßte diese Person das Wohl der Bürger respektieren, und nach zukunftsorientierten Kriterien ausführen. Einflüsterer jeglicher Art sollten keine Chance haben, weil diese Person persönlich über die notwendigen wichtigen Eigenschafte verfügt. Mit dem gültigen System, des sakrosanten Waschstum kann es logisch nur Kriege geben. Zur Organisation der Kriege wird auch die Religion eingesetzt.
    Nun solche Persönlichkeiten hatten wir, aber wir ließen sie uns nehmen. Denn unsere Monarchen wurden nicht vom Volk gestürtzt, sondern von "Demokraten" aller Schattierungen. Unser alter Kaiser Franz Joseph I.: "...ich sehe es als meine vordergründigste Aufgabe meine Vöker vor ihren eigenen Regierungen zu schützen."
    Kaiser Wilhelm: ...wegen einer Handvoll meuternden Matrosen und ein paar Juden werde ich nicht abdanken."

    Republik und Demokratie war nur ein Schachzug jener, welche die macht über das Geld und die Völker haben wollten. Dann spielte man ein wenig Demokratie, welche sowieso zum Chaos führt, um jetzt eine neue Weltordnung zu schaffen. Alle bekannten "Revolutionen" tragen die selben kabbalistischen Simbole und Fürst Metternich kannte sie und hat erfolgreich das deutsche Reich vor dem Blutrausch dieser Bande gerettet und uns eine Revolution nach dem französchem Beispiel erspart. 1917 konnten sich diese Verbrecher leider wieder einmal in Russland ihren Blutrausch stillen.

  7. Nach oben   #7

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    unsoziale Vereine

    Zitat Zitat von Neugier Beitrag anzeigen
    Wir erleben Diktaturen der Einzelnen und sogennnte Demokratien, die vom "Demos" weitentfernt sind.
    Ich kann mir einen demokratischen Diktator gut voestellen. Das ist kein Widerspruch und funktioniert so: Es gibt eine Person, der das Wohl seiner Untertanen am Herzen liegt. Dieser läßt sich von Interessenverbänden und Schalmeienklängen nicht weichkochen. Zudem sieht der auf die Bürger und respektiert deren Bedürfnisse. Diese werden dann rigoros umgesetzt. Freilich nach reiflicher Prüfung. So hätten wir zwei Eigenschaften in einer Person.
    Mit taugt nicht, dass Vereine, mit Steuergelder subventioniert, dauernd den Mund offen halten und Mist verkünden.


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