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Thema: Grosser Vaterländischer Krieg

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    Grosser Vaterländischer Krieg

    Gestern fanden die Siegesfeiern statt. Diese Zusammenfassung passt gut dazu.

    Lebe, um erschossen zu werden
    Sie nahmen nicht Berlin ein, sie marschierten nicht auf dem Roten Platz anlässlich der Siegesparade. Sie wurden von ihren eigenen Leuten erschossen.
    So lautet ein Beitrag in der Novaya Gazeta. In diesem gehen die Autoren der Frage nach, was in den eigenen Reihen der «Roten Armee» während dem «Grossen Vaterländischen Krieg» geschah. Die Russen nennen den 2. Weltkrieg so. Für sie beginnt er als Hitler sie unerwartet angriff.
    Den Hitler-Stalin-Pakt klammern sie aus, so wie sie nicht gerne über den russisch-finnischen Krieg zu sprechen kommen.

    Für Stalin entsprach das Zurückweichen der roten Armee 1941 einem Verrat am russischen Volk.
    Im ersten Militärjahr (vom 22. Juni 1941 bis zum 21. Juni 1942) wurden daraufhin 107 Personen festgenommen (1 Marschall, 72 Generäle, 6 Admirale, der Rest waren Divisionskommandeure und hochrangiges politisches Personal; 45 Menschen wurden zum Tode verurteilt, darunter 34 Generäle, 10 Menschen starben im Gefängnis.
    Während dem Großen Vaterländischen Krieges starben 458 Generäle und Admirale aus verschiedenen Gründen. Über 90 Generäle und Admirale wurden degradiert und eingekerkert. Davon starben 54 Personen. (48 wurden erschossen, 6 starben im Kerker), was fast 12 Prozent der Gesamtverluste der sowjetischen Generäle während der gesamten Kriegszeit ausmachte.
    Und wie sah es beim gemeinen Fussvolk aus?
    Während des Krieges verurteilten die Tribunale 2.530.663 Menschen. Davon wurden 284 344 zum Tode verurteilt.
    Von diesen wurden schlussendlich 157.593 erschossen.

    Aus den Gerichtsakten kann folgende Aufstellung gemacht werden.
    • 1941., 216,142,
    • 1942., 685.562,
    • 1943., 727,207,
    • 1944. - 543.745,
    • und 1945. - 357.007 Menschen.
    Um was ging es bei diesen Prozessen?
    Für militärische Straftaten 792.192 Menschen, für gewöhnliche Verbrechen 1.266.483 und schließlich für konterrevolutionäre Taten 471.988.
    Ein deutsches Flugblatt oder ein dt. Buch in der Tasche zu haben genügte um als Konterrevolutionär verurteilt zu werden.
    Wie sah es bei den Bündnispartnern aus:
    Die britischen Militärgerichte verurteilten 40 ihrer Soldaten zum Tode, die Franzosen - 102, die USA - 146.
    Der Vollständigkeit halber sei noch auf die Statistik der Wehrmacht verwiesen. In den fünf Kriegsjahren vom 1. September 1939 bis 1. September 1944 wurden nach den Urteilen der deutschen Militärgerichte 7.810 Menschen hingerichtet. Da fehlt das letzte Jahr, wo sehr viele ihr Leben lassen mussten, weil das Naziregime damit versuchte sich am Leben zu erhalten.

    Das war in Russland nicht viel anders: Dieses böse, betrügerische und menschenverachtende Sowjetregime kannte einfach keinen anderen Weg, um für seine Existenz zu kämpfen.

    Am 24. Mai 1945 sprach Stalin folgenden Toast aus:
    „Unsere Regierung hatte viele Fehler, wir hatten Momente der verzweifelten Lage in den Jahren 1941–1942, als sich unsere Armee zurückzog, verließen unsere Heimatdörfer und -städte die Ukraine, Weißrussland, Moldawien, die Leningrader Region, die baltischen Staaten, die Karelo-Finnische Republik, weil es keinen anderen Ausweg gab.
    Andere Leute könnten der Regierung sagen: Sie haben unsere Erwartungen nicht erfüllt, gehen Sie weg, wir werden eine andere Regierung einsetzen, die Frieden mit Deutschland schließt und uns Frieden verschafft. Das russische Volk entschied sich jedoch nicht dafür, weil er an die Richtigkeit der Politik seiner Regierung glaubte und Opfer brachte, um die Niederlage Deutschlands sicherzustellen.
    Und dieses Vertrauen des russischen Volkes in die Sowjetregierung erwies sich als die entscheidende Kraft, die einen historischen Sieg über den Feind der Menschheit - über den Faschismus - sicherte. Dank ihm, dem russischen Volk, für dieses Vertrauen! "


    Damit niemand Stalin vorwerfen konnte: "Sie haben unsere Erwartungen nicht erfüllt". Ein riesiges Strafsystem funktionierte unermüdlich und zermalmte wahllos diejenigen, die nicht wirklich an der "Richtigkeit der Politik ihrer Regierung" glaubten und die, die nur dessen verdächtigt wurden. Die Gulag waren ein Teil dieser Politik.

    Stalin nannte die Zahl der militärischen Verluste der Sowjetunion: 7 Millionen. Chruschtschow erhöhte auf sie 20. Unter Gorbatschow wuchs sie auf 27 Millionen. Vor 2 Jahren führte ein Historiker anlässlich einer Anhörung in der Duma die Zahl von 42 Millionen ins Feld. Ein normales menschliches Bewusstsein kann das nicht wahrnehmen. Das würde die Hälfte der deutschen Bevölkerung bedeuten oder 5x diejenige der Schweiz.

    Eigentlich weiss niemand genau wie viele Bürger vor dem Krieg in der Sowjetunion lebten, da zu dieser Zeit die Menschen nicht erfasst wurden und wieviele während den Kämpfen des Krieges 1941-1945 starben. Es existieren einfach keine Statistiken, die eine vorgebrachte Zahl untermauern könnte. Dass es sehr, sehr viele waren, das weiss aber jeder.

    Auch wenn während den jährlichen Siegesfeierlichkeiten dem Ruhm der russ. Bevölkerung hervorgehoben wird, wird jeder Russe, Ukrainer, Kasache usw., der während dieser Zeit Familienangehörige verlor, das Geschehene nicht vergessen können.
    Heute ist kein Vergleich mehr zu damals, aber die Russische Föderation ist leider immer noch zu einem Unrechtsstaat verkommen. Die ersten zögerlichen Demokratieversuche unter Jelzin hat der neue und jetzige Präsident zu Tode getragen, damit er seine Macht festigen konnte. Immer noch werden diejenigen, die eine andere Meinung haben als die der Staatsmeinung, verfolgt und verurteil. War schön zu sehen in St. Petersburg anlässlich der 1. Mai-Umzüge.

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    Sowjetisch-Finnischen Krieg

    Ein bisschen Geschichte:
    In Russland hört man immer nur den Begriff «Grosser Vaterländische Krieg», der dauerte von Mitte 1941 bis Mitte 1945.
    Dass aber die Sowjetmacht mit Hitler einen Nichtangriffspakt, den sogenannten «Hitler-Stalinpakt» oder besser gesagt Molotow-Ribbentrop-Pakt abgeschlossen hatte, indem die Teilung des Einflussgebietes über Polen und dem Baltikum beschlossen wurde, das wird hierzulande unter den Tisch gewischt wie auch über den «Sowjetisch-Finnischen Krieg» oder auch bekannt unter dem «Winterkrieg», der für die kommunistische Führung der Sowjetmacht nicht sehr gut auslief und sie zwang mit den Finnen Frieden zu schliessen. Finnland sah sich gezwungen den Russen Territorien zu überlassen.

    Von diesem Krieg weiss man allgemein wenig. Rund 70.000 Finnen wurden in diesem Konflikt verwundet oder getötet. Die Größenordnung der sowjetischen Verluste ist umstritten; sie wird auf ein Vielfaches geschätzt. Das ist aber nur der 1. Teil der menschlichen Verluste, der 2. folgte im Anschlusskrieg zwischen 1941 und 1944.

    Gebietsabtretungen
    Durch den Friedensvertrag verlor Finnland große Teile Kareliens, darunter die gesamte Landenge und große Gebiete nördlich des Ladogasees. Die neue finnische Südostgrenze folgte im Wesentlichen der Grenze des Friedens von Nystad von 1721. Es handelte sich bei dem abgetretenen Gebiet also weitgehend um dieselben Gebiete, die 1721 von Schweden an Russland abgetreten und 1812 als Teil des sogenannten Altfinnlands durch Zar Alexander I. wieder an das Großfürstentum Finnland angegliedert worden waren. Die abgetretenen Gebiete waren deutlich größer als die ursprünglich von der Sowjetunion vor dem Krieg geforderten.
    Die finnische Wirtschaft und Gesellschaft wurde durch diesen Verlust hart getroffen. Rund 420.000 Finnen flohen aus den verlorenen Gebieten und mussten von staatlicher Seite bei einer Neuansiedlung unterstützt werden. Mit den abgetretenen Gebieten verlor das Land rund zehn Prozent seiner Agrarwirtschaft und Industrie.
    Weiterhin abgetreten werden mussten zahlreiche strategisch wichtige Inseln im Finnischen Meerbusen sowie die Fischerhalbinsel am Nordmeer. Hanko in Südwestfinnland wurde für dreißig Jahre an die Sowjetunion als Flottenstützpunkt verpachtet. Außerdem musste Finnland sich bereit erklären, eine Eisenbahnverbindung zwischen der schwedischen Grenze bei Tornio und und der nach Murmansk führenden Strecke der Murmanbahn zu bauen und zu betreiben. Stalin wollte diese Bahnstrecke, damit er ev. schnell einen Vorstoss Richtung Westen vornehmen konnte. Der grenzüberschreitende Verkehr ist inzwischen wieder eingestellt Ein militärisches Bündnis verlangten die sowjetischen Unterhändler im Gegensatz zu 1939 nicht mehr. Damit war die ursprünglich beabsichtigte militärische und gegebenenfalls auch politische Integration der Finnen in das kommunistische System gegenstandslos geworden.

    Die Sowjetunion integrierte die abgetretenen Gebiete in die neugegründete Karelo-Finnische SSR, deren Vorsitz der einstige Chef der kommunistischen finnischen Gegenregierung Kuusinen übernahm. Die Annexionen verstärkten die sowjetische Verteidigungsposition gegenüber Finnland und gegenüber Seeangriffen aus der Ostsee. Als Deutschland im Juni 1941 die Sowjetunion angriff, erfolgte der deutsche Hauptstoß von Westen und nicht über Skandinavien, so dass die Annexionen aus der militärischen Perspektive keinen Vorteil für die Verteidigung der Sowjetunion bedeuteten.

    Damit herrschte aber immer noch kein Frieden zwischen Finnland und der Sowjetunion. Alleine konnte Finnland keinen weiteren Krieg gegen die Sowjetmacht führen und so kam es, dass es durch Nazideutschland aufgerüstet wurde.
    Dabei gelang es Finnland an der Seite des Deutschen Reichs anfangs, die im Winterkrieg an die Sowjetunion verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Danach entwickelte sich ein drei Jahre andauernder Stellungskrieg, bis die Sowjetunion 1944 eine große strategische Offensive startete, als deren Folge ein Waffenstillstand geschlossen wurde. Inhalt dieses Waffenstillstandes von Moskau war nicht nur der Verlust der rückeroberten, sondern auch die Abtretung weiterer finnischer Gebiete an die Sowjetunion.
    Da sich Stalins Fokus mittlerweile vollständig auf Deutschland gelegt hatte, konnte Finnland jetzt gegen den Willen des Deutschen Reichs zu einigermaßen akzeptablen Bedingungen einen separaten Waffenstillstand mit der Sowjetunion schließen. Dieser wurde am 19. September 1944 in Moskau unterzeichnet. Da die Waffenstillstandsvereinbarungen auf Druck der sowjetischen Regierung auch die Bekämpfung der in Lappland stationierten Einheiten der deutschen Wehrmacht durch finnische Truppen beinhalteten, führte dies unweigerlich zum Ausbruch des Lapplandkriegs, der bis zum Frühjahr 1945 andauerte.
    Der endgültige Frieden 1947 mit der UdSSR und dem Vereinigten Königreich wurde nach der Pariser Friedenskonferenz 1946 zu noch härteren Bedingungen geschlossen als nach dem Winterkrieg. Zu diesen Bedingungen zählte unter anderem die Abtretung des Gebietes um Petsamo mit dem einzigen eisfreien Nordmeerhafen des Landes. Dafür blieb Finnland allerdings die Besetzung durch sowjetische Truppen erspart, und das Land konnte im Unterschied zu den baltischen Staaten seine Unabhängigkeit bewahren.

    Zusammenfassung
    Karelien musste mehrere Teilungen erdulden, die Bewohner verließen zu Hunderttausenden ihre Heimat oder blieben und mussten – im russischen Teil – Repressionen erdulden. 1323 wurde Karelien zum ersten Mal geteilt, 1947 zum bisher letzten Mal. Der größte Teil der Region, die Republik Karelien, liegt heute auf dem Gebiet der russischen Föderation.
    Mit der Abtretung der Gebiete nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Finnland rund ein Zehntel seiner Staatsfläche. Was dem Land von Karelien blieb, wird in Finnland heute als Südkarelien und Nordkarelien bezeichnet. Im Gebiet der heutigen Russ. Republik Karelien leben aber noch viel Finnen.
    Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam die Chance derjenigen, die von der Wiedervereinigung der finnischen und der verlorenen karelischen Gebiete träumten – ein Vorstoß, der in der finnischen Politik nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß. Eine Umfrage unter der Bevölkerung ergab im Jahr 1991, dass nur ein Drittel der Finnen an der Rückgewinnung der karelischen Gebiete interessiert war.
    Die Republik Karelien hatte für Finnland nicht die gleiche Bedeutung wie für die Deutsche Bundesrepublik die DDR.

    Dazu kam, dass die Republik Karelien eine arme Republik ist und seit der Annexion durch Russland im Vergleich zu Finisch-Karelien ein Hinterwäldlerleben führt. Ein Heranführen der Republik Karelien an den Standard Finnlands hätte Finnland zu einer sehr kostspieligen Angelegenheit werden können, die das finanzielle Gefüge des Staates erschüttert hätte.

    Die Republik Karelien wird vor allem durch die Murmanbahn erschlossen, die Sankt Petersburg mit Murmansk über Petrosawodsk verbindet. Von Bedeutung ist der Eisenerzabbau und die Forstwirtschaft, die von finnischen und schwedischen Konzernen (z. B. Ikea) bestimmt wird und kaum Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung bereithält. IKEA schreibt nordische Fichte, verschweigt aber, dass dieses Holz aus der Republik Karelien stammt.
    Die Landwirtschaft ist heute noch weitgehend zusammengebrochen, die alten Felder und Wiesen verbüschen, die Dörfer sind nur schlecht über Schotterpisten erreichbar, ähnlich wie in der Russischen Föderation noch heute.


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