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Thema: Was ist Armut in Russland?

  1. #1
    Avatar von Sandra
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    Was ist Armut in Russland?

    Zur Einfuehrung in das Thema empfehle ich den nachstehenden Artikel:
    http://www.wsws.org/de/2005/feb2005/russ-f05.shtml
    fuer 1 000 Rubel im Monat kann ich jeden Tag ein Brot fuer 8 - 12 Rubel kaufen, 3 Kg Kartoffeln (billigste Sorte fuer 10 Rubel) pro Woche, Rote Beete (Kg ca. 20 Rubel, Kohl Kg ca. 25 Rubel)Kaese pro Kg minimum 70 Rubel (aber ziemlich geschmacklos) Tee (billigste Sorte ab Rubel 15 pro Paeckchen) 1 L Oel 40 Rubel, Wurst minimum 80 Rubel, 1 l Milch minimum 19 Rubel, Zucker 28 Rubel.
    Lebe ich nur von Brot und Kartoffeln, stoere mich nicht an mangel von Vitaminen und Spurenelementen sowie Eiweissmangel und Kalzium kann ich tatsaechlich mit 1 000 Rubeln nicht verhungern!
    Betonung liegt auf nicht verhungern und nicht auf Armustgrenze im westlichen Sinn. Man muss aber Mietnebenkosten bezahlen (von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich aber einige 100 Rubelchen), mindestens 200 Rubel Elektrisch, kein Geld fuer Medikamente und man kann sich weder neue Schuhe leisten, noch Klamotten.
    Wir koennen hier also weniger von Armutsgrenze sondern von Ueberlebensgrenze sprechen. Uebrigens die Mindestrente betraegt 700 Rubel, wird aber jetzt auf 900 heraufgesetzt.
    Das einzige was die Statistik zum Glueck nicht erfasst, ist die unglaubliche Kreativitaet des russischen Volkes. Es ist genau diese Kreativitaet die Russland ueberleben laesst und die Russland lebenswert macht.
    Wie wuerde wohl ein westeuropaisches Land aussehen und sich selber zu helfen wissen bei einer solchen Auslegung von Armutsgrenze? Sicherlich nicht mit Kreativitaet, die ist dort schon lange erstickt im Mief der Amtsstuben.

  2. Nach oben   #2

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    Armut in Russland

    Das ist der ganz gewöhnliche Kapitalismus.

    Nicht der Mensch, sondern der Profit zählt.

    Aber was erzähle ich da... sind ja Binsenweisheiten
    ...mit bitteren Folgen


  3. Nach oben   #3

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    Armut in Russland? Na und

    Da hilft kein Jammern und kein Klagen.
    Den Kapitalismus wollten doch alle haben, die jetzt offensichtlich alt und arm sind. (Auch unsere Ossis!)

    Aber offenbar haben die Russen damals nicht geglaubt, was man ihnen jahrzehntelang über den Kapitalismus erzählt hatte.

    Die einfachste Alternative ist, wie immer, wenn´s Probleme gibt, auswandern.

    Zum Beispiel nach Deutschland...

  4. Nach oben   #4
    Avatar von Sandra
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    Kapitalismus versus soziale Marktwirtschaft

    Sorry, Olli aber nicht "Alle" wollten den Kapitalismus, die meisten wollten vorallem Reisen duerfen. In Russland wollten viele einfach nicht mehr anstehen muessen und ein groesseres Warenangebot zum Beispiel so eines wie in der DDR. Das galt fuer viele in Russland als Paradies. ALso ganz so einfach ist das nicht. Macht aber nix, wir nehmen Dir auch eines Tages die ganze Rente weg, die Du tatsaechlich Dein ganzes Leben bezahlt hast und dann sagen wir Dir Olli, macht nix Olli, warst doch immer fuer den Kapitalismus. Reicht Dein Geld halt nur noch fuers nicht verhungern macht nix Olli so ist Raubtierkapitalismus und den magst Du offensichtlich. Also Olli, fangen wir bei Dir an und schaffen die soziale Marktwirtschaft ab, die Dir eine vielzahl von sozialen Leistungen anbietet auf die Du ein Recht hast, Du hast sie naemlich bezahlt. Macht aber nix, Du willst ja Darwinismus.

  5. Nach oben   #5

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    Armut in Russland

    Die Sache mit der sozialen Markwirtschaft ist doch nur Propaganda für einige
    viel zu Gutgläubige. Real ist es doch so, dass im Zuge der neoliberalen
    Weltwirtschaftsreligion alles Soziale radikal abgebaut wird. Man nennt das
    heute neudeutsch "Reformen".
    Dass es uns in Westdeutschland relativ besser ging als im ehemals real-
    sozialistischen Osten ist gerade den untergegangenen Realsozialismus zu
    verdanken. Der Kapitalismus hatte Konkurrenz und mußte mit seinem Staats-
    volk in den Grenzstaaten vorsichtig umgehen.
    Jetzt gibt es kein rivalisierendes Gegensystem mehr und der Kapitalismus
    zeigt sein wahres brutales Gesicht. Krieg ist wieder Mittel der Politik ge-
    worden etc etc...
    So hat im nachhinen das Schlangestehen der Moskauer im Realsozialismus
    einen tieferen Sinn erhalten, denn die bloße Existenz eines wenn auch
    schlechten Gegenmodells hat den Kapitalismus gezähmt.
    Jetzt schlägt der globalisierte Kapitalismus ungezähmt um sich.
    Wie sagte doch vor fast hundert Jahres Rosa Luxemburg:
    "Vorwärts zum Sozialismus oder Rückfall in die Barbarei"
    Wir erleben letzteres.

  6. Nach oben   #6
    Avatar von Sandra
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    Uwe leider, leider

    Uwe ich kann Deinen Aeusserungen nur zustimmen! Auch ich sehe die Sache leider so, dass die Leute nicht verstehen, dass der Untergang des Kommunismus nicht den Sieg des Kapitalismus bedeutet. Irgendwann hat sich dieses System ebenfalls tod gelaufen. Und was dann ? Zurueck zur Monarchie oder Richtung Faschismus ? Letzteres scheint leider wahrscheinlich

  7. Nach oben   #7

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    Armut in Russland

    Den Faschismus Sandra sehe ich im Augenblick nicht als reale Gefahr.
    Die herrschende Ideologie des Neoliberalismus ist so in den Köpfen der
    Leute der nördlichen Halbkugel der Welt so verankert, dass die faschistische
    Form der Herrschaftsausübung im Augenblick nicht nötig ist.

    Das kann sich ändern, wenn das kapitalistische Weltsystem ernsthaft in
    Gefahr gerät, wenn also die Leute massenhaft Nein sagen.
    Das sehe ich im Augenblick aber nicht. Die zur Entlassung anstehenden
    Deutschbanker preisen noch den shareholder value Kurs ihres Bosses
    Ackermann.

    Monarchie ist fürs Volk immer eine gute Inszenierung so nach dem Motto
    "Brot und Spiele". Aber so blöde sind die Leute auch wieder nicht um so was
    zu wollen. Außerdem frage ich mich, ob heutzutage fürs Kapital eine
    Monarchie so gut wäre.

    Es wird chaotisch weitergehen in Richtung der Zweidrittelgesellschaft d.h.
    ein Drittel hat einen Arbeitsplatz und lebt ganz gut aber immer mehr
    abgeschottet von den restlichen zweidrittel. Diese restlichen zweidrittel
    sind "menschlicher Müll", den das System ausgespukt hat. Es sind Menschen
    die zur Profitmaximierung nicht mehr gebracht werden, wen kümmert das.
    Die privilegierte Minderheit wird in abgeschotteten Wohneinheiten leben,
    Hochsicherheitstrakts der Gewinner.

    soweit fürs erste
    bis bald

  8. Nach oben   #8

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    Senioren-Senf

    Schon die alten Chinesen wussten uns in Person des Konfuzius zu hinterlassen:
    Das Volk hungert, wenn/weil seine Beamten zuviel Steuern fressen.

    Ansonsten gibt es die Armut an Geld, den Offenbarungseid.
    Dann die des Gefühls: "Ich spüre nichts!"
    Und die der Zeit: "Ich hab keine!"
    Sowie die der Bildung: "Weiss ich nicht!"

    Da sehen doch "die Russen" gar nicht so schlecht aus.

    Gut und leider stimmt die Mahnung: Geld zu haben ist weniger schön als es schlimm ist, es nicht zu haben?

    Julius

  9. Nach oben   #9
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    So schlimm, wie es ist die relativ geringe Rente hat auch was positives. Bei uns lebt die Mutter meiner Frau mit im selben Haushalt, da sie sich allein kein eigenen Haushalt leisten kann. Der Vorteil lieg in dem Zusammenhalt der Familien. Baba ist fuers Kind da, bringt sie in die Schule und holt sie ab und versorgt sie mit essen. Da ich sehr viel arbeite und meine Frau das selbe Schicksal teilt, ist dieses 100x besser als eine Haushaltshilfe einzustellen. Es hat halt auch was positives, aber O.K einer alten Damen die in der Metro steht und betteln muss, waehrend ueberirdisch eine Messe fuer Millionaere stattfindet, hilft diese Aussage waenig. Russland muesste sich nicht nur am 8 Mai dessen bewust sein, was ihre Grosseltern-Generation fuer dieses Land getan hat.

  10. Nach oben   #10

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    Hallo,

    Mein Verlobter will in ca 1-2 Jahren nach Russland auswandern, da er der Meinung ist, dass das Leben dort besser ist wie hier (zumin. bisdahin wegen der Wirtschaftskrise). Könnt ihr mir sagen, ob man in Russland besser oder genauso gut leben kann wie in Deutschland?

  11. Nach oben   #11

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    Man kann. Ich bin mit meiner Frau nach Russland ausgewandert und habe es nicht bereut.


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