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Thema: Artikel "russische Literatur"

  1. #1
    Avatar von Sandra
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    Artikel "russische Literatur"

    Lieber Simonow, wissen Sie wieviel die Deutschen oder Schweizer lesen? Gegenueber den Russen sind es schliechte Analphabeten. Richtig, heute ist der Markt mit billigen Taschenbuechern zwischen Euro 1 - 2 ueberschwemt, aber wer hat den Kopf Dostojewskij zu lesen wenn er, wie der durchschnittliche Moskauer und Petersburger mindestens zwei Jobs hat um genuegend zu verdienen? Nach 14 Stunden arbeit moechten die Leute vorallem etwas naemlich entspannen und dies geht bei Marinina und Co. tatsaechlich besser als bei Mumu. Zudem bewundere ich jeden der bei dem schlechten Licht in der Moskauer Metro sich freiwillig die augen kaputt macht. Ich lese zwar durchschnittlich drei Buecher pro Woche aber nicht beim Funzellicht der Metro. Pro Waggon finden Sie jederzeit mindestens 10 % lesende, schauen Sie sich mal in Paris oder London um. Warum also moralisieren mit dem Zeigefinger des Oberlehrers. Ist den "ein Selbstmord aus liebe" tatsaechlich etwas anderes als Trivial und im Heute laecherlich? Gilt aber ohne Diskussionen als Weltliteratur. Die Leute moechten sich nach viel arbeit unterhalten und tun dies erfreulicherweise noch immer mit Buechern und nicht nur mit dem Fernsehen. Hier zu politisieren ist schliecht fragwuerdig. Was sollen die Leute lesen? Sorokin der fuer das westliche Publikum alle Vorurteile aufwaermt und somit gut von seinen Buechern lebt? Oder solls gleich politische Lektuere sein, das Manifest oder lieber mein Kampf ? Man soll nicht alles im Leben immer gleich verpolitisieren. Bleiben Sie lieber bei den politischen Komentaren und ueberlassen Sie die Wahl der Lektuere dem Leser selber. Sie sollten sich mehr darueber freuen, dass gerade bei der leichten Literatur die russischen Autoren deutlich gegenueber den amerikanischen Ueberwiegen. Sidney Sheldon im Original mal gelesen, wuerde ich Ihnen anraten so schlimm schreibt noch keine der von Ihnen kritisierten russischen Autoren))))))

  2. Nach oben   #2

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    Russische Literatur

    Hallo Sandra ,

    die russische Literatur gehört mit zu den Besten der Welt. Aber auch das
    russische Kino, insbesondere Filme aus der Sowjetzeit wie " Stalker" oder
    die russische Version von "The day after" oder "kleine Vera"( so hiessen diese Filme in Deutschland) sind wirklich gut, zumal dort mit Tiefgang gearbeitet wird und nicht nur blosser Aktionmist a la Hollywood. Zudem waren die eben genannten Filme auch meistes in der UDSSR verboten. Erfrischend offen ist auch Solschenyzin. Das Problem ist nur, dass es eine Menge guter Bücher gibt, auch in Deutschland, aber die meisten werden nach der Herausgabe verboten. Leider ist die westliche Welt auf Bücher fixiert, die " Harry Potter " oder ähnlich heissen und zumeist von Leuten gelesen werden, die sich eine Flucht aus dem Alltag ersehnen mit Anfang 30. Von dem überwiegenden Teil
    der dt. Leser kann man auch nicht mehr erwarten, denn Kassenschlager bei der Frankfurter Buchmesse sind vor allem Biografien von irgendwelchen Bohlens und Konsorten. Naja, ist ja auch schön, wenn man erfährt, dass
    "Promis" auch oft in der Sche*sse hängen.Da ist man dann nicht so allein.

    Gruß
    Insider


  3. Nach oben   #3

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    Olenin Terek: "Von Wladiwostok bis zur Estremadura"


    Seit Wochen verfolgt mich Brzezinski. Brzezinski kann sich überall einmischen, weil er prominent ist. Früher hat er den amerikanischen Präsidenten beraten, heute berät er US-amerikanische Ölfirmen und ist Politikprofessor. Brzezinski hat die gleichen Interessen wie ich: Russen-Mafia, islamische Freiheitskämpfer am Kaspischen Meer, den Balkan. Zbigniew Brzezinski schreibt gern. Aufsätze, Bücher, Zeitungsartikel. Meistens schreibt er, die USA seien die größte und mächtigste Nation der Welt, und sie müssten aufpassen, dass das auch so bleibt.

    Neulich geriet ein Buch mit einem etwas sonderbaren Titel in meinen Besitz: "Von Wladiwostok bis zur Estremadura". Da mich Berichte über Abenteuer-Reisen weniger interessieren, las ich auch den Untertitel: "Das heißeste Thema des neuen Jahrtausends: Wer entfacht das Feuer auf dem Großkontinent?" Eine politisch brisante Frage? Ich entdeckte eine kryptische Widmung: "Allen Eurasiern". Unter der Widmung stand ein langes Zitat, in dem erklärt wurde, die USA seien die mächtigste und beste Nation der Welt, und sie müssten aufpassen, dass das auch so bleibt. Besonders aufpassen müsse man auf die Deutschen. Brzezinski!

    Der Held des Romans, ein alter Kosakenoffizier, der in Berlin lebt und sich vorrangig zu Pferd fortbewegt, wurde im Zweiten Weltkrieg, nachdem kommunistische Soldaten sein Dorf niedergebrannt hatten, von Nazi-Soldaten gerettet. "Und von den Soldaten hörte ich zum erstenmal von einem neuen Reich, das alle Völker bis zum fernen Atlantik umfassen sollte. Auch meine Heimat würde dazugehören, sobald die Kommunisten besiegt seien."

    "Dieses Reich", so erzählt der alte Kosak, "war die erste Perspektive in meinem jungen Leben. Hier begann mein Traum, der Traum vom eurasischen Reich, das die Form eines Keils hat, der vom Pazifischen Ozean, von Sibirien also, bis hin zum westlichen Meer reicht." Sein Traum, so belehrt sanft der Kosake einen skeptischen Berliner Freund, gehe auf die Zeit der Goten zurück. Die Idee sei alt, "mehr als ein Hirngespinst der SS".

    Überhaupt steht der Errichtung des eurasischen Reiches nur noch entgegen, dass niemand in Westeuropa die Pläne kennt, und das wiederum liegt am amerikanischen Imperialismus, der perfiderweise auch die EU nur fördert, damit er sie als "größeren Westen" unter seiner Fuchtel halten kann. Die USA haben es gerade nötig: "In den grausamsten Kriegen der Weltgeschichte hat Amerika die unappetitlichste Rolle gespielt und ist als alleiniger Kriegsgewinnler in die Geschichte eingezogen."
    Ich habe diese Fiction aus zwei Gründen mit einigem Vergnügen gelesen. Erstens, weil sie in ihrer Kritik am westlichen Liberalismus ebenso wie in der eurasischen Gegenidee das poetische Pendant zum "Europäischen Manifest für das 21. Jahrhundert" ist, das der französische Philosoph der Neuen Rechten, Alain de Benoist, vor einigen Wochen veröffentlichte. Zweitens, weil sie einen Krimi-Plot hat.

    In einer dem Roman vorangestellten Summary hat der Autor, die große Zukunft der Bewegung vor Augen, ziemlich zuversichtlich vermerkt: "Es wird nicht das einzige Buch zum Thema Eurasien bleiben." Wenn es so kommt, muss ich Brzezinski wohl bald mal zum Abendessen einladen.
    http://www.eurasischesmagazin.de/ver...echungen.asp#1

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