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Thema: Kann man diese Aussage als Einladung betrachten oder ist das eher eine Höflichkeitsfloskel?

  1. #1

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    Kann man diese Aussage als Einladung betrachten oder ist das eher eine Höflichkeitsfloskel?

    Hallo,

    ich bin neu hier im Forum.
    Bin weiblich und 39 Jahre alt.

    Schon seit meiner Schulzeit habe ich eine Schwäche für Russland, interessiere mich sehr für die Kultur und Mentalität.
    Im Sommer 2013 machte ich eine organisierte Rundreise und besuchte Moskau, Weliki Nowgorod und Sankt Petersburg.
    Ich war fasziniert von den schönen Städten mit den beeindruckenden Kirchen und Palästen und den unendlichen Weiten dieses Landes.

    Seit einem halben Jahr habe ich eine online-Bekanntschaft in Nordrussland.
    Die junge Frau ist etwa in meinem Alter (Mitte 30), ist verheiratet und hat eine kleine Tochter.
    Wir schreiben uns regelmäßig. Sie ist mir sehr sympathisch und wirkt auf den Fotos wie eine liebevolle Mama.

    Zu Weihnachten haben wir uns ein kleines Geschenk geschickt. Sie hat mir einen Kalender mit Bildern von Sankt Petersburg geschickt.
    Ich habe mich bedankt und geschrieben, dass die tollen Kalenderfotos meine Sehnsucht nach Russland von neuem geweckt haben.

    Heute bekam ich eine E-Mail von ihr, in der sie schreibt, dass ich herzlich willkommen sei, wenn meine Sehnsucht nach Russland wieder geweckt sei. Sie würde sich freuen, mich bei sich zu sehen.

    Kann ich so etwas als Angebot von ihr ansehen, mich zu sich einzuladen?
    Ich habe oft gelesen und gehört, dass Russen sehr gastfreundlich sind. Würde auch gern auf ihr Angebot zurückkommen.
    Nur sollte man nicht nachfragen, ob sie mir ein Hotel empfehlen kann?
    Ich kann wohl nicht davon ausgehen, dass ich eine Woche lang Gast in ihrer Wohnung sein könnte, oder?

    Ich würde mich über eure Meinungen dazu sehr freuen.

    Liebe Grüße,
    Milda

  2. Nach oben   #2
    Avatar von Heini70
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    In Russland ist es schon üblich Leute zu sich nach Hause einzuladen. Es wird hier gerne für einen Gast zusammengerückt und das eigene Schlafzimmer für den Gast geräumt. Man muss das am besten direkt ansprechen. Vielleicht ein wenig durch die Blume, wie z.B.: "Gibt es ein Hotel oder andere Übernachtungsmöglichkeiten?"
    Wenn man dann bei den Leuten privat wohnt, nehmen die normalerweise kein Geld an, darum einfach beim Einkaufen darauf bestehen zu bezahlen oder sich irgendwie anders erkenntlich zeigen. Unbedingt an das Gastgeschenk denken, ist in Russland üblich.

    Viel wichtiger scheint mir da aber der Aspekt der Sicherheit. Hast du mit der Frau schon einmal telefoniert oder ähnliches um sicherzugehen, dass es kein Fake ist um dich dort hin zu locken. Ich persönlich bin vor etwa 10 Jahren auch schon mal als Abenteuer zu Besuch bei Fremden in Samara gewesen. Bei Bekannten von Leuten, die ich in Piter abends in einem Cafe getroffen habe. Denen habe ich erzählt, dass ich gerne mal nach Samara möchte und habe dann eine Mail Adresse bekommen. War ein Risiko, aber war dann echt eine klasse Zeit in Samara bei netten Leuten. Aber bei allen Bekanntschaften übers Internet (egal wo) sollte man eine gewisse Vorsicht walten lassen. Vielleicht mal ein Videochat über Skype oder so.

    Wobei man sagen kann, dass nach einem halben Jahr regelmassigem Schriftverkehr die Chance auf ein positives Erlebnis schon recht groß ist. Unseriöse Leute drängen im Normalfall schon sehr früh darauf, dass man unbedingt kommen muss.
    Unbedingt Nummern, Adressen, Mailadressen und anderen Kontaktinfos bei den (eigenen) Angehörigen hinterlassen und bei Ankunft sofort Kontakt mit denen Aufnehmen und vorher regelmäßige Kontakte vereinbaren um für den Problemfall wenigstens etwas vorzubeugen. Ist keine 100% Absicherung, aber wo gibt es die schon.

    Ich habe hier eine Bekannte, die hat vor einigen Jahren eine Zeitlang für eine Internet Kontaktagentur gearbeitet. Die erzählte mir, dass sie mehrere Adressen von der Agentur bekommen hat und sich durch regelmäßigen Schriftverkehr und gelegentlichen Skypen mit den "Klienten" als Interessierte mögliche Partnerin darstellen musste. immer so zwischen 5 bis 10 Personen gleichzeitig. Zum Geburtstag oder zum Frauentag oder sonst irgendwelchen besonderen Gelegenheiten musste sie dann geschickt die "Klienten" dazu bringen über die Agentur Blumen zu schicken. Dann wurden Fotos mit ihr und den Blumen an die "Klienten" verschickt, immer dieselben Fotos an alle. So wurde dann der eine Blumenstrauß bis zu 10 mal berechnet. Am Frauentag standen die Leute in der Agentur Schlange und der Blumenstrauß verhundertfachte seinen Wert. Dann wurden die Forderungen geschickt gesteigert, Ofen kaputt, Kind krank, plötzlich Arbeitslos, Medikamente für Mutter usw. Wer da noch nicht abgesprungen ist wurde eingeladen und in ein billiges Hotel verfrachtet zu völlig überteuerten Preisen und das übliche Programm abgespielt. Frau holt Mann vom Flughafen ab, bringt ihn in das Hotel. Frau geht einmal mit dem Mann essen und am nächsten Tag hat sie keine Zeit und überlässt den Mann einem professionellem Tourguide der für den Rest der Zeit alles aus dem Mann rausholt was geht. Frau hat damit ihren Job erfüllt und bekommt von allem ihren gewissen Anteil. Es war nach ihrer Aussage ein lohnendes Geschäft und relativ sicher war es auch, weil alles bei ihr unter falschen Namen lief und mit gefakter mail Adresse. Diese Kontakte durften nach Möglichkeit aber nie länger als 2 bis 3 Monate dauern, bis der Besuch in Russland ankam. Aber nach einiger Zeit ist das Gesicht für den Job ausgebrannt.

  3. Nach oben   #3

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    Einladung von online-Bekanntschaft

    Hallo Heini,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort!
    Schön, dass du mit den Gepflogenheiten und leider auch mit einigen Betrugsmaschen in Russland vertraut bist.
    Da hast du ja wirklich Glück gehabt, dass die dir unbekannten Menschen in Samara ehrlich waren und dir der Aufenthalt dort in positiver Erinnerung geblieben ist.

    Klar, bei Kontakten übers Internet sollte man immer Vorsicht walten lassen, das gilt wahrscheinlich nicht nur für Kontakte in Russland.
    Doch du hast recht, dass man vielleicht, was Russland betrifft, besonders vorsichtig sein sollte.
    Es wurde ja schon oft genug in den Medien vor Betrügern und Abzockern gewarnt. Das gilt wahrscheinlich nicht nur für Männer, die sich in eine unbekannte russische Schönheit verlieben und Geld schicken oder sich aufmachen zu einem persönlichen Kennenlernen.

    Skypen wäre eine gute Idee, um feststellen zu können, ob diese nette junge Dame mit ihren ausgezeichneten Deutschkenntnissen wirklich existiert.

    Was ich an der ganzen Sache etwas seltsam finde und was mich ein wenig misstrauisch macht:
    Meine Bekannte hat geschrieben, dass ihr Mann beim Militär arbeitet und daher nicht ins Ausland reisen darf.
    Sie würde daher einmal im Jahr mit Freundinnen in Südeuropa Urlaub machen (sie hat mir auch Fotos von ihrem letzten Urlaub im Herbst geschickt).
    Nur, wenn ihr Mann tatsächlich fürs Militär arbeitet, dürfte sie dann überhaupt Besuch von einer Westeuropäerin in ihrer Wohnung empfangen? Oder war das nur zu Zeiten des "Eisernen Vorhangs" der Fall?
    Dann käme ja wirklich nur die Option in Betracht, mir in der Nähe ein Hotel zu suchen und mich mit ihr an einem neutralen Ort zu treffen. Allerdings weiß ich nicht, ob ich das täte, da sie nicht gerade in einer Tourismusregion lebt.

    Liebe Grüße,
    Milda

  4. Nach oben   #4
    Avatar von Heini70
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    Hallo Milda.

    diese Betrugsmaschen gibt es überall, nur in Russland hat man anhand der meistens fehlenden Sprachkenntnisse weniger Chancen sich zu wehren. Also meine Erfahrung ist im Allgemeinen, das es in Russland nicht auffallend mehr Kriminalität gibt wie in anderen Ländern. Nur halt als Ausländer stellt man überall ein leichteres Opfer dar.
    Meines Wissens nach dürfen Militärangehörige tatsächlich nicht einfach so ins Ausland reisen (es sei den dienstlich ). Alles andere ist egal, es wird nicht vorgeschrieben das sie zuhause bestimmte Personen nicht aufnehmen dürfen.
    Das Frauen ohne ihre Männer und mit Freundinnen in den Urlaub fahren ist nicht ungewöhnlich.
    Frag einfach, es ist etwas besonderes das Land und das Familienleben kennenzulernen wenn man die Möglichkeit hat dort privat aufgenommen zu werden. Es unterscheidet sich in einigen Dingen von den westlichen Standard.
    Wichtig ist es, im Haus niemals zu pfeifen, oder Brotkrümmel mit der bloßen Hand vom Tisch zu wischen. Die Russen sind allgemein sehr Abergläubisch. Ich nicht, das bring Unglück.

    Versuche mit ihr zu Skypen, am besten mit Video, wenn das klappt, lass dir die diese Chance das Land und das russische Leben kennenzulernen nicht entgehen.

    Wo wohnst du? Wenn du bestimmte Fragen hast kannst du mir auch eine PN schicken.

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