Russland will Preis um 80 Prozent anheben
Gasstreit zwischen Kiew und Moskau
Von 260 auf rund 460 Dollar will Russland den Gaspreis für die Ukraine erhöhen. Die Regierung in Kiew kündigt Widerstand an und hat ein Faustpfand in der Hand: Russland braucht Strom für die einverleibte Krim - und der kommt aus der Ukraine.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Kiew

Die ukrainische Regierung will die Preissteigerung für Gaslieferungen aus Russland nicht hinnehmen und hat rechtliche Schritte gegen die Regierung in Moskau angekündigt. Der amtierende Premierminister Arseni Jazenjuk sagte, Russland habe kein Recht, den vertraglich vereinbarten Preis anzuheben. Die von Moskau angetrebte Erhöhung von 260 auf mehr als 460 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas seien "vollkommen inakzeptabel."

Regler an einer Gas-Pumpstation (Bildquelle: AP)galerieRussland will die Gaslieferungen über die Ukraine wieder aufnehmen.
Russlands Premier Dimitri Medwedjew hatte in dieser Woche angeordnet, die Zollfreiheit für den Export von Gas in die Ukraine zu streichen. Diese Vergünstigung war jahrelang als Gegenleistung dafür gewährt worden, dass Russland seien Schwarzmeerflotte auf der Krim stationieren durfte. Da die Krim jetzt zu Russland gehöre, sagte Medwedjew, sei die Entschädigung überflüssig.

EU-Außenminister beraten über gemeinsame Strategie im Ukraine-Konflikt
tagesschau 20:00 Uhr, 05.04.2014, Rolf-Dieter Krause, ARD Brüssel zzt. Athen
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Gegenseitige Abhängigkeit

Gazprom hob daraufhin die Preise für die Ukraine um 80 Prozent an und forderte darüber hinaus eine Rückzahlung für frühere Rabatte. Insgesamt gehe es dabei um 11 Milliarden US-Dollar, die als Vorausleistung für die Nutzung der Krim-Häfen bis 2017 betrachtet werden müssten.

Für die privaten Haushalte in der Ukraine werden die Gaspreise schon bald steigen. Das ukrainische Finanzministerium kündigte kürzlich eine Erhöhung um 70 Prozent an. Die Heizkosten würden um durchschnittlich 40 Prozent zulegen.

Ukraine wehrt sich gegen Preisanstieg für russisches Gas
B. Musch-Borowska, NDR zzt. Kiew
05.04.2014 16:16 Uhr
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Der Energieexperte Sergei Zhavoronkov vom Moskauer Gaidar-Institut betrachtet die Preissteigerung für die Ukraine als Hebel für ausstehende Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Da die Krim von Stromlieferungen aus der Ukraine angewiesen sei und auch die Wasserversorgung vom ukrainischen Festland komme, werde man am Ende ein Gesamtpaket für gegenseitige Lieferungen schnüren, so Zharonkov: "Russlands Vorteil ist, dass die Ukraine auf die Gaslieferungen angewiesen ist. Das schafft eine Grundlage für Verhandlungen über die Krim.

Die Ukraine importiert allein in diesem Jahr rund 30 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland, sagte der ukrainische Energieminister Juri Prodan. Man verhandele jetzt mit der EU über die Möglichkeit, Gas, das von Russland nach Westeuropa geliefert wird, zu einem günstigeren Preis zu kaufen. Man werde aber keinesfalls Gaslieferungen illegal anzapfen.

Grafik: Abnehmer von russischem Gas

http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine1358.html